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Mineralien-Schätze lagern in Vitrinen

Ehrenpreis Mineralien-Schätze lagern in Vitrinen

Der 88-jährige Robert Müller aus Rachelshausen hat sich um die Heimatgeschichte verdient gemacht. Seine Steckenpferde sind dabei die Mineralogie und Geologie. Er erhält den Dr.-Leinweber-Preis der Stadt Gladenbach.

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Robert Müller zeigt aus seiner überaus reichen Mineraliensammlung einen Hämatit (auch Eisenglanz) genannt.

Quelle: Helga Pete

Rachelshausen. Robert Müller hat seinen großen Wissensschatz in Vorträgen und Exkursionen vermittelt und hat geschichtliche Beiträge für die Nachwelt verfasst. Er wurde am 25. Dezember 1925 in Rachelshausen geboren, hat in annähernd neun Lebensjahrzehnten viel erlebt und sich intensiv mit seiner Heimat befasst. Dafür soll Robert Müller am Montag, 18. Februar, mit dem Dr.-Leinweber-Preis 2012 ausgezeichnet werden.

Diese Ehrung habe ihn überrascht und da halte er es mit dem ehemaligen Arbeitsminister Dr. Norbert Blüm, der feststellte: „An eine alte Flasche hängt man kein Etikett mehr.“ Dennoch freut sich Müller über diese Auszeichnung, zumal er neben Karl Scheld und Helmut Bernhardt nun der dritte Preisträger der Gruppe „Altherrensommer“ sein wird, der er angehört.

Seine Freunde und Mitglieder des „Altherrensommers“ zeigt er auf einem Foto und auf den ersten Blick ist zu erkennen: Dies sind alles Personen, die sich für Heimatgeschichte und geschichtliche Vorgänge interessieren.

Müller gilt als Organisator in der Gruppe und berichtet, dass vor allem in den vergangenen Jahren heimische Kirchen auf dem Besuchsprogramm gestanden haben.

Weit schweift sein Blick von seinem Wohnzimmerfenster hinaus in das Land bis hin zum „Vogelsberg“ am Horizont und er berichtet, dass es ein Wunder gewesen sei, dass er den Zweiten Weltkrieg überlebt habe. Er war als Soldat in Nord- und Südfrankreich und auch in Russland. In der Nähe von Minsk, sei er schwer verwundet worden und der Soldat, der ihn verband, habe ihm gesagt: „Du wirst sterben“. Dennoch sei er von seiner Verwundung genesen und Weihnachten 1945 zurück in seine Heimat gekommen. 1954 heiratete er seine Frau Hedwig, geborene Schmidt, aus Oberhörlen, die ihm zwei Kinder schenkte.

Müller arbeitete nach seiner Schulentlassung und nach der Kriegszeit im Steinbruch seines Vaters in Rachelshausen. Durch diese Arbeit sei sein Interesse für die Mineralogie, Geologie und den Bergbau geweckt worden. In Vorträgen habe er sein Wissen weiter gegeben und dabei den heimischen Bergbau beleuchtet.

Im Steinbruch war Müller mit dem Diabasabbau beschäftigt. Er erklärt, dass das heimische Diabasvorkommen ein Gestein vulkanischen Ursprungs sei und berichtet von den Vorkommen Calcit, Calciumcarbonat, Serpentin, Magnesiumsilicat sowie Hämatit, auch Eisenglanz genannt. Leider seien die Vorkommen im Rachelshäuser Steinbruch mittlerweile erschöpft, führt Müller aus, der seine „Schätze“ aus seiner reichen Mineraliensammlung vor drei Jahren im Mineralogischen Museum in Marburg ausgestellt hat.

In seiner Sammlung befinden sich Mineralien aus Vorkommen rund um den Globus. Interessant ist dabei auch ein Doppelspat, der sowohl in Island vorkommt und vor Jahren auch in Steinperf gefunden worden sei. Müller genügt nicht die oberflächliche Betrachtung der Mineralien, vielmehr steht ein Mikroskop griffbereit, unter dem er die Gesteine ganz präzise untersucht.

Der Landheege, eine historischen Grenzsicherung des Amtes Blankenstein, hat er sein besonderes Interesse gewidmet und zeigt gerne Interessierten deren Verlauf und erklärt die Besonderheiten dieses abgegrenzten Territoriums. Sein Wissen hält er für die Nachwelt fest und war zuletzt 2011 Mitherausgeber der Chronik aus Anlass der 675-Jahr-Feier seines Heimatortes Rachelshausen.

Müller ist aber nicht nur als Heimatforscher bekannt. Er war von 1968 bis 1972 Erster Beigeordneter der damals noch selbstständigen Gemeinde Rachelshausen und gehörte danach zwei Jahre, bis zu der Gebietsreform und dem Zusammenschluss mit der Stadt Gladenbach, als Gemeindevertreter dem Gemeindeparlament an.

Als Kirchenvorsteher hat er sich von 1972 bis 1984 engagiert und ist zudem Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, Ehrenmitglied des Obst- und Gartenbauvereins Römershausen/Rachelshausen, Mitglied des Heimat- und Museumsvereins „Amt Blankenstein“ und gehört seit 20 Jahren dem Vorstand der Landseniorenvereinigung Biedenkopf an. Auch hat er die Jugend- und Erwachsenenhilfe Biedenkopf, ein Vorläufer des Betreuungsvereins, mitgegründet.

2001 wurde Müller der Landesehrenbrief verliehen, 2007 erhielt er die Ehrenplakette der Stadt Gladenbach in Silber und 2008 die Ehrenplakette des Statistischen Landesamtes für ehrenamtliche Berichterstattung.

von Helga Peter

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