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„Melden Sie sich bei uns“

Flugrost-Veranstaltung „Melden Sie sich bei uns“

Matthias Hartmann vom Regierungspräsidium und Buderus-Guss-Geschäftsführer Wolfgang Hiller stellen sich den Fragen der erregten Anwohner über den Flugrost in Breidenbach. Mit einer Sprechstunde und Messungen will die Firma die Bürger beruhigen. Diese sind am Ende offensichtlich nicht zufrieden.

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Auf dem Foto sind Matthias Hartmann (links) und Buderus-Guss-Geschäftsführer Wolfgang Hiller zu sehen.

Quelle: Birgit Heimrich

Breidenbach. Knapp 300 Stühle sind im Bürgerhaus Breidenbach aufgestellt, weitere werden geholt, immer mehr Menschen drängen in den Saal, finden Stehplätze am Rand, andere nur noch draußen im Flur. Dass kaum einer kommt und keiner was sagt – diese Befürchtung vor der Flugrost-Veranstaltung war unbegründet. „Gut, dass mal alles gesagt wurde und die bei Buderus mitkriegen, was hier wirklich los ist“, sagt ein Zuhörer nach fast drei Stunden Debatte.

„Gut, dass beide Seiten ihre Standpunkte darlegen konnten“, lautet das Fazit von Buderus-Guss-Geschäftsführer Wolfgang Hiller. Viel weiter als das „Gut“ in beiden Aussagen geht die Gemeinsamkeit an diesem Abend nicht. Die Breidenbacher mit Schäden an Autos und Häusern wollen die feste Zusage haben, dass das Unternehmen endlich dafür aufkommt – direkt und unbürokratisch, ohne „Abwimmeln“, „Hinhalten“ und „Totstellen“, wie sie sagen, ohne langwierigen Schriftverkehr, unerfüllbare Beweissicherung und „irrwitzige“ Anwaltsbriefe.

So wie früher, da ging das doch auch, und zwar „freundlicher und humaner“. Wolfgang Hiller gibt eine feste Zusage, dass „alle Fälle im Einzelnen noch mal angeschaut“, „alle Beschwerden noch einmal geprüft“ werden und das Unternehmen dabei „mit besserer Expertise“ vorgehen wird. „Melden Sie sich bei uns“, sagt er in den Saal. „Das machen wir doch die ganze Zeit“, rufen die Leute zurück, „man hat sich an Buderus totgerannt“, wettert einer, „für die Kommunikation kriegt ihr die Note 6.“

Luftmessung, Telefon für Bürger und Sprechstunde

„An wen genau sollen wir uns denn wenden?“, fragt eine Frau. „Im Zweifel an mich“, sagt Hiller. Derart hin und her zwischen 10, 15 Menschen im Publikum und dem Geschäftsführer geht es erst im zweiten Teil der Veranstaltung. Zuvor stellt Wolfgang Hiller in einer Kurzpräsentation Buderus Guss als Unternehmen von Weltrang auf steilem Wachstumskurs vor.

Hiller beziffert die Millionen-Investitionen in Breidenbach, vor allem in die Umwelttechnik, redet über Filteranlagen und Grenzwerte, erklärt den Hintergrund der braunen Wolken, welche die Leute immer wieder über dem Werk fotografieren, und dass sie zwar nicht schön, aber gesundheitlich ungefährlich sind und keinen Flugrost verursachen. Er berichtet von einem Filterversagen von April bis Juni 2014.

Und er betont, wie betroffen das Unternehmen von den Beschwerden der Bürger sei und was es für das bessere Miteinander tun will: eine 52-Wochen-Immissionsmessung der Luft durch den TÜV-Süd im ganzen Ort, die Suche nach neuen Filterlösungen für Arbeiten außerhalb der eigentlichen Produktion, bei denen Schadstoffe ausgestoßen werden, zudem einen Tag der offenen Tür für alle im Herbst, eine monatliche Bürgersprechstunde sowie eine Stunde Bürgertelefon pro Woche. Bei den letzten beiden Punkten lachen die Leute.

Grenzwerte unterschritten, Wolken nicht gefährlich

Die technischen Abhilfen, von denen Hiller spricht, verlangt auch das Regierungspräsidium (RP) Gießen. Wie Buderus Guss ist das RP mit vier Vertretern ins Bürgerhaus gekommen. Matthias Hartmann ist seit diesem Frühjahr zuständig für die Überwachung von Firmen und wegen der Bürgerbeschwerden just vor zwei Wochen im Werk in Breidenbach gewesen.

Er erklärt, wie der Ausstoß dort rund um die Uhr gemessen wird; verplombt und nicht manipulierbar. Er bestätigt Hillers Aussage, dass die vorgeschriebenen Grenzwerte weit unterschritten werden und dass die braunen Wolken nicht gefährlich sind. Er sagt auch, dass Buderus Guss den Störfall vergangenes Jahr zu spät meldete und das RP Besserung vom Unternehmen fordert – bessere Kommunikation und bessere Eindämmung der Emissionen, die an den teuren Filtern vorbeigehen.

Anwohnerin: „Wir wollen jetzt eine Lösung“

Und die Bürger fordert er auf, sich bei Beschwerden direkt an ihn zu wenden – per E-Mail an matthias.hartmann@rpgi.hessen.de. Trotzdem: „Eine Immissionsfreiheit kann man nicht erwarten“, sagt Hartmann nach mehreren Zwischenrufen, „Sie leben hier mit einer großen Gießerei in der Nachbarschaft.“ Dass Breidenbach „ein Industriestandort und kein Luftkurort“ ist, betont auch Parlamentschef Uli Seibel als Moderator des Abends.

Er interveniert mehrmals, als Einzelne bei den Kurzvorträgen von Hiller und Hartmann wiederholt vehement ihre Beschwerden über Autos und Edelstahlgeländer vorbringen. „Es nützt nichts, wenn wir hier mundtot gemacht werden“, kontert eine Frau. Die lange Liste mit Fragen, die Ortsvorsteher Armin Trust für die Veranstaltung zusammengefasst hat, läuft über die Leinwand und wird abgearbeitet.Die meisten betreffen die Themen Gesundheit und Überwachung.

Die Debatte dreht sich im Kreis und kommt immer wieder zu den zentralen Punkten: Wo kommt der Flugrost her? Und warum ist es seit gut zwei Jahren so viel mehr geworden? „Das weiß ich auch nicht“, sagt Hiller zum wiederholten Mal, „deshalb ja die Luftmessung über 52 Wochen.“ „Wir wollen aber jetzt eine Lösung und nicht weiter vertröstet werden“, hält eine Frau unter viel Beifall entgegen. „Eine Lösung, die die aktuellen und auch die zukünftigen Probleme beseitigt“, setzt ein Mann aus Breidenbach nach.

von Birgit Heimrich

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