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Maske verbirgt Gesicht des Täters bei Raubüberfall

Landgericht Maske verbirgt Gesicht des Täters bei Raubüberfall

Die Tat in der Spielhalle dauerte 45 Sekunden, die Beute betrug rund 1000 Euro. Der Täter wurde zwar dabei gefilmt, doch vor dem Landgericht muss geklärt werden, ob sich hinter der Maske der 37-jährige Angeklagte aus dem Hinterland verbarg.

Marburg. In Handschellen führten Gerichtshelfer einen 37-jährigen Hinterländer in den Gerichtsaal 101 des Landgerichts. Der Vorwurf: Schwerer Raub. Ob der Angeklagte im Juli des vergangenen Jahres tatsächlich eine Spielhalle in Dautphe überfallen und rund 1000 Euro erbeutet hat, war am ersten Prozesstag nicht zu klären.

Sechseinhalb Stunden dauerte die Verhandlung unter dem Vorsitz von Richter Dr. Carsten Paul, in der eine Tat zur Sprache kam, die sich am 14. Juli des vergangenen Jahres ereignete. Gegen 5 Uhr morgens drang damals ein bewaffneter Täter in die Spielhalle in der Industriestraße ein, bedrohte die Kassenaufsicht mit einer Waffe und erbeutete rund 1000 Euro. Der Raubüberfall dauerte nur rund 45 Sekunden - der Verdächtige ist seit dem 16. Juli in der Justizvollzugsanstalt Gießen in Untersuchungshaft.

Acht Videokameras zeichnen Tathergang auf

Minutiös schilderte die Staatsanwältin Kathrin Ortmüller die Tat. Grundlage waren die Videoaufzeichnungen aller Vorgänge in der Spielhalle, die acht Überwachungskameras in besagter Nacht aufgenommen hatten. Ausschnitte wurden mehrfach im Gerichtssaal gezeigt. Demnach verspielte der Angeklagte Geld an Spielautomaten. Zehn Minuten vor dem Überfall öffnet er die innere Tür der Spielhalle und schaut vom Treppenhaus nach draußen zur zweiten, offenen Eingangstür. Diese innere Tür wird im Prozess noch von Bedeutung sein, denn sie soll, nach Zeugenaussagen, normalerweise geschlossen sein und kann nur von innen über einen Summer geöffnet werden. Der Beklagte lehnte die Tür aber so an, dass sie nicht ins Schloss fallen konnte.

Er ging wieder in die Spielhalle zurück und sprach mit anderen Gästen. Um 4.57 Uhr verließ der 37-Jährige die Spielhalle und verschwand. Genau drei Minuten später gelangte ein maskierter Mann durch die geöffnete innere Tür in die Spielothek, bedrohte die 22-jährige Kassenaufsicht mit den Worten „Kein Wort!“, griff in die Kasse, erbeutete rund 1000 Euro in Scheinen und floh.

Einen Zeugen übermannt vor Gericht die Müdigkeit

Der vorbestrafte Angeklagte bestreitet die Tat und macht keine Angaben zu den Vorkommnissen in der Nacht. Insgesamt zehn Zeugen sollen vor Gericht helfen, Licht ins Dunkel der Tatnacht zu bringen. Doch für einen der Zeugen, der als Gast in der Spielhalle war, schien seine Befragung am Vormittag zu viel zu sein. Er wurde im Zeugenstand von seiner Müdigkeit übermannt und konnte den Fragen des Richters nicht folgen, sodass seine Befragung abgebrochen wurde.

Hellwach aber mit Tränen in den Augen berichtete dagegen die 22-jährige Kassenaufsicht von dem Überfall. Den Beklagten kenne sie, er habe ihr kurz vorher sogar geholfen, Getränkekisten zur Theke, wo sie ihren Platz hat und auch die Kasse steht, zu tragen.

Sie bestätigte auch, dass die innere Tür der Spielothek nachts normalerweise geschlossen sei. „Der Täter stand plötzlich hinter mir und wollte Geld haben. Ich habe ihm noch gesagt, dass er das nicht machen solle, denn es gebe überall Kameras. Danach war ich so geschockt, dass einer der vier Gäste die Polizei gerufen hat“, sagte die junge Angestellte.

Ob sie den Täter erkannt habe, wollte der Richter Paul wissen. „Von der Statur her könnte es der Angeklagte gewesen sein, aber ich habe nur seine Augenränder gesehen und die Sprache hatte eine ähnliche Färbung“, erinnerte sich die 22-Jährige.

Angeklagter soll vor der Tat viel Geld verspielt haben

Wie sich herausstellte, bekamen die anderen Gäste den Überfall nicht direkt mit. Einer von ihnen vermutete, dass der Beklagte an diesem Abend viel Geld verspielt habe. „Wie kommen sie darauf?“, fragte der Richter. „Der Beklagte war da und hat zu mir gesagt, dass er viel Geld verspielt hätte“, so der Zeuge. „Bei der Polizei sollen Sie gesagt haben, dass der Beklagte solche Sachen machen würde, er sei dafür bekannt“, konfrontierte Richter Paul den Zeugen. „Das Dorf sagt, der ist nicht sauber“, antwortete der Zeuge.

Die Schwester des Angeklagten berichtete von der Drogenvergangenheit ihres Bruders, der auch schon in Haft war und mehrere Therapien absolviert hat. „Im letzten Sommer war er aber sauber“, antwortete sie auf die Frage des Richters, ob der Angeklagte zum Zeitpunkt des Überfalls Drogen genommen hätte. Es sei ihm gut gegangen und er habe Arbeit gehabt.

Bei Festnahme findet Polizei 0,3 Gramm Heroin

Auch die Bewährungshelferin konnte keine erneute Drogenabhängigkeit bei dem Angeklagten feststellen. Ein Kriminalpolizist aus Marburg erklärte jedoch, dass man bei der Festnahme zwei Tage nach dem Überfall, mehrere hundert Euro und 0,3 Gramm Heroin bei dem Angeklagten gefunden habe.

nDie Verhandlung wird am Freitag um 9.30 Uhr am Landgericht in Marburg im Saal 101 fortgesetzt.

von Imke Janssen-Mignon

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