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Männer rasen auf Mofas über den Acker

Neustart für Traditionsrennen Männer rasen auf Mofas über den Acker

28 Teams werden ihre in drei Klassen eingeteilten Mofas fünf Stunden lang über einen zur Rennpiste präparierten Stoppelacker jagen. Es gewinnt, 
wer die meisten 
Runden absolviert.

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Am Samstag rasen die Mofas wieder über einen Acker bei Rüchenbach.

Quelle: Michael Hoffsteter

Rüchenbach. Sie nennen sich „Die Schmutzfänger“, „Sumpfgeschwader“, „Sachspiraten Bracht“ oder „Balkonfreunde Gladenbach“ und haben alle dieselbe Leidenschaft: auf einem Mofa so schnell wie möglich über eine präparierte Acker-Piste zu fahren. Regelmäßig geschah das im Gladenbacher Stadtteil Rüchenbach, bis den Mitgliedern des 2002 gegründeten Vereins „Klein Kaliber Motorsport Hinterland“ (KKMSH) die Luft ausging. Vor sechs Jahren fand das letzte Cross-Rennen statt, doch nun gibt es ein Revival.

Dennis Stöfhas gelang es, die alten Fahrensmänner zu überzeugen, wieder ein Heimrennen auszurichten. Der 22-Jährige hatte bei der 2010er Veranstaltung seinen Einstand als Pilot und sammelte seitdem mit seiner Zündapp bei vielen Rennen Erfahrung. Das geschah vorwiegend in den benachbarten Bundesländern, weil die Anzahl der Rennen in Hessen kontinuierlich abnahm.

Doch der Gladenbacher ist nicht der Einzige, der die Piloten-Lücken auffüllt, die die Ur-Mitglieder hinterlassen. So sitzen zum Beispiel der 12-jährige Louis und der 15-jährige Timo ( Foto: Fain) am Samstag anstatt ihres Vaters Thomas Weber im Sattel einer Zündapp. Beide bereiteten am Freitag ihre Maschinen auf den Renntag vor, Vater Thomas unterstützte dabei Louis. Die beide Söhne profitieren von den Tipps des erfahrenen Rennpiloten aus Weidenhausen, haben von ihm wohl auch das Rennfieber geerbt.

Doch nicht nur der Erfahrungsschatz kommt ihnen zugute, auch der Fuhrpark sowie die Ersatzteile stehen ihnen zur Verfügung. Denn die Teilnahme an Mofa-Rennen ist ein kostspieliges Hobby geworden, berichtet Stöfhas. Waren Ersatzteile und Motoren für die Original-Maschinen aus den 1970er- und 80er-Jahren früher für einige Hunderter zu bekommen, so erreichen die Preise mittlerweile den vierstelligen Bereich. Was kein Wunder ist, sind die Maschinen, die in der Original-Klasse gefahren werden, extremen Belastungen ausgesetzt. Bodenwellen, Rampen, Schlaglöcher setzen dem Material und auch den Piloten zu. Dies ist umso mehr der Fall, je trockener der Untergrund ist – so wie zurzeit.

Seit Freitag präparieren die 15 Mitglieder des KKMSH, die Senioren haben die Organisation übernommen, die Piste auf einem Stoppelacker an der Bundesstraße 255. Am Freitagabend werden die ersten der 28 Teams erwartet, die nicht nur aus Bracht oder Wittelsberg, sondern auch aus Treis oder Hannover anreisen. Ab 17 Uhr werden sie ihre Boxen aufbauen und können beim Training beobachtet werden.

Am Samstag wird es dann ernst. Von 8.30 Uhr bis 11 Uhr erfolgt die Fahrzeugabnahme, gecheckte Mofas können bis 11 Uhr zur Abstimmung auf die Piste. Die Fahrer treten in drei Klassen an: „Original“, „Spezial“ und „Mokick“.

In der „Spezial“-Klasse können Stoßdämpfer, Gabel, Reifen und Rahmen verändert werden, „Mokick“ ist dagegen die Freie Klasse, bei der (fast) alles erlaubt ist. Bindend für alle Klassen ist der Motor mit 50 Kubikzentimetern Hubraum.

Der Startschuss fällt um 12 Uhr. Es gewinnt, wer in der jeweiligen Klasse in fünf Stunden die meisten Runden zurücklegt. „Die Kunst ist, schnell und haltbar zu fahren“, erklärt Stöfhas ( Foto: Fain). Beim Regenrennen vor sechs Jahren reichten dem Sieger 98 Runden, ein Jahr zuvor hätten die rund 500 Zuschauer 220 Runden zählen können.

Es kommt aber nicht nur auf die Piloten an. Kleine Fahrzeugdefekte versucht ein Team während des Rennens in der Box zu beheben. Da wird erfahrungsgemäß nicht nur geschraubt, manchmal kommt auch ein Schweißgerät zum Einsatz.

Zuschauer können also ein Menge sehen, das fängt schon beim „Le-Mans-Start“ an. Wie beim legendären 24-Stunden-Autorennen müssen die Piloten zu ihren Mofas sprinten und diese antreten oder anschieben. Später wechseln sich die Piloten ab.

Für den Eintritt ist ein Euro zu zahlen, der auch die Aftershowparty einschließt. Die Anfahrt erfolgt über die Bundesstraße 255 Richtung Gladenbach, dann am Renn-Hinweisschild nach Rüchenbach abbiegen.

von Gianfranco Fain

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