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Landsknecht in Brasilien, Reformation in Hessen

Vortrag Landsknecht in Brasilien, Reformation in Hessen

Referent Dr. Uwe Schäfer beschreibt, welche 
reformatorischen Ansätze und Hinweise auf die Anfänge des Protestantismus in der Landgrafschaft Hessen in einem Brasilienbuch zu finden sind.

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Dr. Uwe Schäfer berichtet 
über den Landsknecht Hans Staden, der in Brasilien errettet wurde.

Quelle: privat

Lohra. Der Landsknecht Hans Staden liefert im 16. Jahrhundert wichtige Hinweise für die Anfänge protestantischer Glaubenspraxis in der Landgrafschaft Hessen. Darüber berichtet der aus Lohra stammende Dr. Uwe Schäfer diesen Freitag, 29. September, ab 20 Uhr im Alten Rathaus am Lindenplatz in Lohra.

Gastgeber der kostenlosen Veranstaltung zur Vortragsreihe „500 Jahre Reformation“ ist der Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra. Schäfers Thema ist „Die Bezeugung des Erlösers: Reformatorische Aspekte im Brasilienbuch des hessischen Landsknechtes Hans Staden“.

Das erste deutsche Brasilienbuch erschien im Jahr 1557 in Marburg. Darin beschreibt der hessische Landsknecht Hans Staden, der Wurzeln in Wetter und Homberg/Efze hatte, nicht nur seine abenteuerliche Reise nach Südamerika, sondern schildert eindrücklich seine Gefangennahme durch kannibalische Küstenindianer und seine Befreiung aus dieser lebensbedrohlichen Lage. Diese Errettung schreibt der Hesse einzig seinem christlichen Gott zu.

Referent Dr. Uwe Schäfer wird aufzeigen, dass Hans Stadens Gottesverständnis deutlich von der Theologie Martin Luthers geprägt war. Vor und auf der Überfahrt nach Südamerika betete der frühere Landsknecht Staden im Kollektiv bekannte Gebete.

Referent wurde in Lohra geboren

In großer Angst wird dann aus dem kollektiven Gebet ein im reformatorischen Geiste persönliches: „Aus tiefer Not“ und „Ich fing an zu singen“. Schließlich kommt er zu der Selbsterkenntnis, dass sein Schicksal eine Gottesgabe ist. Ein bekanntes Phänomen: Gott kann sich nur im Fremden zeigen. Nur wenn der Mensch nicht versteht oder in Not ist, ist er offen für Gotteserfahrungen.

Insofern repräsentiert Hans Staden einen damaligen religiösen Laien des Hessenlandes, der sich der reformatorischen Bewegung angeschlossen hatte. An seinem Beispiel lässt sich somit anschaulich zeigen, auf welche Weise unsere Vorfahren, die hessische Bevölkerung des 16. Jahrhunderts, den protestantischen Glauben annahmen und für sich erschlossen.

Der Referent Dr. Uwe Schäfer stammt gebürtig aus Lohra, ist promovierter Theologe und war Gemeindepfarrer in Dillich im Schwalm-Eder-Kreis. Derzeit ist er Schulpfarrer an der Melanchthonschule Steinatal bei Ziegenhain. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf Vermittlungskontexten der christlichen Religion. 2015 erschien das Buch mit dem Titel „Der errettete Beter: Hans Stadens ‚Wahrhaftige Historia‘ (1557) als protestantische Erbauungserzählung und Beispiel lebensbezogener Lutherrezeption“, in dem sich Schäfer intensiv mit den reformatorischen Aspekten in Hans Stadens Brasilienbuch auseinandersetzt.

Der Vortrag beginnt diesen Freitag um 20 Uhr im Alten Rathaus am Lindenplatz in Lohra. Der Eintritt ist frei. Spenden kommen der Innensanierung der Historischen Hufeisenkirche in Altenvers zugute.

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