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Mit Tupfer und Spatel Proben ziehen

Hundekot-Affäre Mit Tupfer und Spatel Proben ziehen

Lohra lässt gerade die 
Einrichtung einer DNA-
Datenbank für Hundekot prüfen. Ein solches 
System bietet die 
Firma „Mistkäfer“ an.

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Wenn DNA-Daten durch einen Maulabstrich vorhanden sind, kann mit einem Probennahmeset für Kot eine Probe zur Analyse zur Firma „Mistkäfer“ geschickt werden.

Quelle: Martin Gerten

Lohra. DNA-Analysen sind mittlerweile gang und gäbe, sozusagen in aller Munde. In der Regel wird bei Tieren über das Maul der Tiere mit einem Wattebäuschchen eine Speichelprobe entnommen und daraus die DNA ermittelt. Hundezüchter machen das schon, um die Herkunft ihrer Tiere nachweisen zu können.

DNA-Analysen zur Rassebestimmung sind allerdings nicht für die Zwecke geeignet, die die Gemeinde Lohra anstrebt: Diese Art eignet sich nicht zur Ermittlung der Produzenten von Hundekot, der von den Haltern der Tiere nicht ordnungsgemäß entfernt wird.

Das erklärt Biochemiker Andreas Wende (Privatfoto), der in Buchloe die Firma „Mistkäfer“ betreibt. Das Familienunternehmen im Allgäu hat sich darauf spezialisiert, Exkremente von Tieren zu untersuchen und dem „Verursacher“ per DNA-Analyse zuzuordnen.
Wie das funktioniert?

Ebenfalls per Maul-Abstrich wird das Rohmaterial gewonnen, die DNA isoliert und das Ergebnis in einer Datenbank hinterlegt. Dann kann aus einer Haufen-Probe ebenfalls DNA extrahiert und mit den vorhandenen Daten verglichen werden. Bei tagfrischem Kot ist eine Analysegenauigkeit von 90 Prozent zu erreichen, sagt Wende.

Der 41-Jährige ist auf den Hund gekommen, weil eine Gassi-Strecke­ direkt vor dem Haus seiner Familie entlangführte und seine Kinder nicht gefahrlos auf dem Weg spielen konnten. Schließlich sei Hundekot nicht einfach nur ekelig und stinke, er könne auch Spulwürmer, Parasiten und manchmal auch Bandwürmer enthalten.

Nachdem Versuche, die Hundehalter zu disziplinieren, zum Beispiel durch das Hervorheben der Haufen mit Markierspray oder das Aufstellen eines Kotbeutelspenders inklusive Mülleimer, nicht fruchteten, ersann Wende einen anderen Weg, um das Verhalten der „Problemhalter“ zu ändern. Dazu lehnte er sich an ein Verfahren an, das es schon vor Jahren in den USA gab und bietet nun Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften ein Rund-um-Paket an. Das beinhaltet den Aufbau und die Pflege einer Datenbank mit den DNA-Profilen der registrierten­ Hunde sowie die Zusendung von kompletten Probensätzen für die Entnahme eines Maulabstrichs und einer Kotprobe.

Mistkäfer verhandelt mit Wohnungsbaugenossenschaft

Der Auftraggeber muss nur ­einen Abstrich machen beziehungsweise eine Kotprobe nehmen und zu Mistkäfer senden. „Das war‘s schon für den Auftragsgeber“, sagt Wende, der nach ein paar Tagen die Trefferbenachrichtigung verschickt. Kostenpunkt pro Hund: Für die Erstellung des DNA-Profils von (einmaligen) Maulabstrich und Kothaufen inklusive der Probennahmesets und dem Rückversand je 42 Euro zuzüglich jährlich 20 Euro für die Datenbankpflege.

Zum Vergleich: Lohra verlangt an Hundesteuer für das erste Tier 72 Euro, für das zweite 84 und das dritte 108 Euro. Die neue Satzung sah eine Erhöhung um jeweils 12 Euro vor. Dies lehnten die Gemeindevertreter ab und fordern stattdessen, die Einführung einer DNA-Datenbank für Hundekot zu prüfen.

Genau dies geschehe gerade durch eine Stadtverwaltung, berichtete Wende, ohne den Namen zu nennen. Interessenten gab es schon einige, aktuell verhandele er über ein Pilotprojekt mit einer privaten Wohnungsbaugenossenschaft.

von Gianfranco Fain

 DNA-Analyse

Als DNA-Analyse, auch DNA-Test, DNS-Analyse, DNS-Test, Genanalyse oder Gentest genannt, werden molekularbiologische Verfahren zur Untersuchung der DNA (englische Abkürzung der DNS für Desoxyribo-Nuklein-Säure) bezeichnet, um Rückschlüsse auf genetische Aspekte des Individuums ziehen zu können.

(Privatfoto)

Die DNA ist eines der wichtigsten Moleküle der Welt. Auf ihr sind alle Informationen lebender Zellen und Organismen enthalten. Die DNA ist in allen Lebewesen identisch und sieht aus wie eine Strickleiter, die um sich selbst gedreht ist.

Für eine DNA-Analyse sind aber weniger die Informationen für den jeweiligen Zellaufbau interessant, sondern vielmehr die Abschnitte, die keine Erbinformationen in sich tragen. In diesen „blinden“ Abschnitten wiederholen sich Kombinationen von Basen in typischer Weise und nach Individuen unterschiedlich.

Im Labor wird die DNA mithilfe chemischer Substanzen in Abschnitte zerteilt, nach Längen sortiert und fotografiert. Das so gewonnene Datenmaterial kann ein Computerprogramm mit vorliegenden DNA-Analysen vergleichen, ein Verfahren, das zum Beispiel zu kriminalistischen Zwecken angewandt wird. Weitere bekannte Anwendungsbeispiele sind die Klärung von Verwandtschaftsfragen (Vaterschaftstest) und der medizinisch-diagnostische Einsatz.

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