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Seelbacher erwandern ihre Geschichte

Dorfjubiläum: 1200 Jahre Seelbach Seelbacher erwandern ihre Geschichte

Vor 1200 Jahren wurde das 74-Seelen-Dorf Seelbach erstmals urkundlich erwähnt. Ein verschlafenes Nest war es jedoch auch damals keineswegs, erklärte Professor Siegfried Becker.

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Professor Siegfried Becker führte die Besucher durchs Dorf und zeigte Höfe.

Quelle: Michael Hoffsteter

Seelbach. Gestern begann das Festwochenende zum 1200-jährigen Jubiläum von Seelbach. Der kleinste Lohraer Ortsteil mit 74 Einwohnern wird in der Abschrift einer Urkunde des Klosters Lorsch erwähnt. Die Urkunde ist datiert auf den 7. Januar 817, als das Kloster drei Höfe in Seelbach erwirbt.

Der Fronleichnamstag stand ganz im Zeichen der Seelbacher Geschichte. Die Dorfbewohner hatten dafür Professor Dr. Siegfried Becker vom Marburger Institut für europäische Ethnologie gewinnen können, der pünktlich um 10.30 Uhr vom Festzelt aus mit hunderten von Besuchern zur Burg oberhalb von Seelbach aufbrach. Seelbach mit der Burg und den Hofanlagen im Tal hat über die 1200 Jahre seit seiner Ersterwähnung bis heute fast kontinuierlich um die 70 Einwohner gehabt.

Vor 1200 Jahren wurde das 74-Seelen-Dorf Seelbach erstmals urkundlich erwähnt. Ein verschlafenes Nest war es jedoch auch damals keineswegs, erklärte Professor Siegfried Becker.

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Auf der Burg angekommen, erläuterte Becker, dass das Dorf in der Vergangenheit keineswegs ein verschlafener Ort gewesen sei, wie er sich heute dem Durchreisenden darstellt. Das Dorf lag im Mittelalter am Knotenpunkt zweier überregionaler Handelsstraßen: die Ost-West-Verbindung von Leipzig nach Köln und die Nord-Süd-Verbindung von Bremen nach Frankfurt.

Die Burgen zu dieser Zeit bewachten die Handelsstraßen und seien nicht viel mehr als ein Wehrturm mit Steinfundament und einem Holzaufbau gewesen, erläuterte Becker. Die Burg sei wohl im Jahrhundert zuvor gegründet worden und die Angabe auf der Urkunde „drei Hufe“ bedeute Gehöfte, zu denen jeweils circa zwölf Hektar beackertes Land gehörten, so Becker. Das Land war in den Jahrhunderten zuvor schon urbar gemacht und beackert worden.

Bewohner boten Durchreisenden ihre Dienste an

Um das Jahr 800 war der Höhepunkt des fränkisch-karolingischen Reichs. Karl der Große war im Jahre 800 zum Kaiser gekrönt worden. Er leitete in großem Umfang staatlich-kirchliche Reformen ein, mit denen
eine zügige kulturelle und landwirtschaftliche Entwicklung einherging, erklärte der Referent. Ein Beispiel dafür ist die Einführung der Drei-Felder-Wirtschaft in dieser Zeit.

Das heutige Hessen mit dem Rhein-Main-Gebiet gehörte zu den Zentren seines ausgedehnten Reichs, das fast ganz Mitteleuropa umfasste. Zeitweise hatte das kleine Seelbach sechs Schmieden. Diese fanden ihre Existenzgrundlage sicherlich nicht allein bei den Seelbacher Gehöften, sondern boten ihre Arbeit den Durchreisenden an. Zu den Dienstleistungen zählten Hufbeschlag und Ausbessern der Fuhrwerke sowie die Vermietung von Zugtieren für Steigungen.

Nach der Wanderung und einer ausgiebigen Mittagspause im und am Festzelt ging Becker ab 14 Uhr nochmals auf die urkundliche Ersterwähnung im sogenannten Lorscher Kodex ein. Die mittelalterlichen Urkunden des Klosters Lorsch wurden in Rollenform gelagert, die durch Feuersbrünste vernichtet wurden. Der besondere Wert des Lorscher Kodex, als Abschriften auf Pergament und als Buch zwischen lederüberzogenen Holzdeckeln gebunden, liegt darin, dass das neue Medium Buch besser zu lagern und zu transportieren war, sodass der Kodex die Jahrhunderte unbeschadet überstand und die einzig erhaltene Überlieferung der vollständig verloren gegangenen Originalurkunden darstellt, erklärte Becker. Nach einer Kaffeepause gegen 15 Uhr ging Becker mit den interessierten Besuchern durch das Dorf und erläuterte die Gehöfte mit ihren Hausnamen.

von Anita Ruprecht

Das Programm
Am Samstag, 17. Juni, beginnt um 19 Uhr im Festzelt der Kommers, zu dem unter anderem Landrätin Kirsten Fründt erwartet wird.
Ein buntes Begleitprogramm steuern der SC Roth-Argenstein und die „Blue white kids“ bei, die Musik liefern Matthias Heuser und Michael Breitstadt aus Niederwalgern, die das Duo „Dai Doo“ bilden.
Am Sonntag, 18. Juni, beginnt der letzte Festtag um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Heyden in der Kaffeemühlenkirche hält. Ab 12 Uhr ­wird im Festzelt gegessen, für das traditionelle Knochenschaben waren Vorbestellungen erforderlich.
Ab 14 Uhr bietet die Hessische Volks-Kunst-Gilde „Theater-
Gesang-Tanz“ an. Für die folgende musikalische Unter­haltung sind wieder „Dai Doo“ zuständig.
Auf dem Freigelände zeigen die Traktorfreunde Lohra ihre Gefährte und die Kinder können sich an einer Hüpfburg, Kinderschminken und dem Zauberer und Feuerspucker „Wulle“ erfreuen. Zum Abschluss gibt es ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen.
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