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Der Weg neben der Pflicht ist zu finden

Bürgermeisterwahl Lohra Der Weg neben der Pflicht ist zu finden

Für den Bürgermeister 
einer Gemeinde oder Stadt bringt das Amt nicht nur Freude, sondern auch Belastungen mit sich. In Lohra fängt die Familie Gaul diese auf.

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Um private Termine zu vereinbaren, muss Beate Gaul ihren Ehemann Georg manchmal im Rathaus aufsuchen. Foto: Um private Termine zu vereinbaren, muss Beate Gaul ihren Ehemann Georg manchmal im Rathaus aufsuchen.

Quelle: Gianfranco Fain

Lohra. Georg Gaul strebt seine dritte Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Lohra an. Schon die ersten 12 Jahre unterstützte ihn seine Ehefrau Beate, war und ist die vielzitierte „starke Frau an seiner Seite“. Für die 51-Jährige war es auch keine Frage, erneut hinter ihrem Mann zu stehen. Denn mittlerweile weiß sie, was auf sie und ihre Familie zukommt.

Einiges läuft schon wie die Wiederholung eines Fernsehfilms ab und ist dennoch etwas anders. So wie damals, als sich Georg Gaul vor 12 Jahren das erste Mal um das Amt des Bürgermeisters in der Großgemeinde bewarb, so ist auch heute eine gewisse Aufregung zu spüren. Aber eben nicht so stark, etwas gelassener. Zwar fiebert der Amtsinhaber dem Ergebnis des Wahltags entgegen, hofft auf eine große Wahlbeteiligung mit einer hohen Zahl von Ja-Stimmen als Bestätigung seiner Arbeit.

Beate Gaul: Er ist sehr pflichtbewusst

Die war zu Beginn seiner Bürgermeistertätigkeit „aufregend“, erinnert sich die wie Georg auch in Lohra geborene Beate Gaul. Nach dem Mitfiebern im Wahlkampf kamen die ersten Verpflichtungen, Termine und Events auf die Familie zu. Als „tolle Zeit“ bezeichnet die 51-Jährige den Einstieg, auch weil es viele neue Dinge kennenzulernen gab. Besonders die Pflege der Beziehungen zu den Partnergemeinden haben es den Gauls angetan. Aus einer Pflichtübung seien liebgewonnene Beziehungen und Freundschaften geworden.

Doch irgendwann traten auch die Schattenseiten des Jobs als „Full-time-Bürgermeister“ auf. Der Zeitaufwand, den Georg Gaul betrieb, war „immens“, weil, so Beate, er „sehr pflichtbewusst ist“. Selbst wenn er abends nach Hause kam, kreisten seine Gedanken noch um die Arbeit. Besonders brisante Themen könne er nicht einfach an der Haustür abschütteln.

Aus der anfänglichen Ratlosigkeit erwuchs eine Strategie. Sie lässt ihm Luft und Zeit, bis er „von selbst erzählt“. Dann, so der Bürgermeister, „ist sie mein Barometer“, ihre Meinung zeige ihm an, wie sich die Stimmung bei der einen oder anderen Entscheidung entwickeln könnte. Doch das war nicht die einzige Klippe, die es zu umschiffen gab. Die Belastung wirkte sich auf die Gesundheit und das Zusammenleben aus.

Das Privatleben der Gauls ist wieder da

Plötzlich war der Fall da, dass die Familie zurückstecken musste, und plötzlich sei es ihr Job gewesen, auf die Familie „aufzupassen“, was für eine voll berufstätige Frau nicht so einfach ist. Sie reduzierte ihre Arbeitszeit als Medizinisch-Technische-Assistentin an der Universität Gießen. Viele lange Gespräche führten zum Ziel, dass „das Privatleben wieder da ist“. Dazu gehörte auch, Kompromisse zu finden, die sich als gut erweisen. Zum Beispiel nimmt sich das Ehepaar nun Auszeiten von seinem Job. Wenn sich ein Zeitfenster ergibt, werden Kurztrips unternommen. „Dann nutzen und leben wir die gemeinsame Zeit intensiver“, gibt Beate Gaul preis.

Das klappt nicht immer. Wenn zum Beispiel die Bürgerversammlungen anstehen oder, zum Jahresende hin, sich die Sitzungen der Gremien ballen, kann es schon vorkommen, dass sich Beate Gaul im Rathaus einen Termin sichert, um mit ihrem Bürgermeister private Dinge zu besprechen.
Zwar bekennt sie, dass es gut war, am Anfang nicht zu wissen, was auf einen zukommt, und das Ehepaar sich einiges wieder erarbeiten musste, aber dennoch ist sie bereit, alles mitzumachen, weil „ich stolz auf meinen Mann bin“.

von Gianfranco Fain

4 Fragen, 4 Antworten

OP:  Wer hat zu Hause die Hosen an?
Beate Gaul: Wir tragen beide Hosen.

OP: Wie bringt er Sie zu Hause richtig auf die Palme?
Beate Gaul: Wenn ich mit ihm rede und er telefoniert.

OP: Was macht er zu Hause richtig gut?
Beate Gaul: Vieles.

OP: Was ärgert Sie am meisten am Bürgermeister?
Beate Gaul: Wenn er über Gemeindepolitik diskutiert, statt die Besorgungen nach Hause zu bringen.

 
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