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Lohra dreht Heizung in Bürgerhäusern ab

Beschluss des Gemeindevorstands Lohra dreht Heizung in Bürgerhäusern ab

Über einen Beschluss des Gemeindevorstands von Ende September wurden in dieser Woche die Vorsteher der betroffenen Orte informiert. Die Gemeinde hofft, dass die Energiekosten sinken, wenn die kleineren Häuser von Dezember bis März geschlossen bleiben.

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Ab dem nächsten Monat werden die kleinen Dorfgemeinschaftshäuser in den Ortsteilen Lohras, hier Willershausen, auf Beschluss des Gemeindevorstands bis März geschlossen bleiben. Dadurch sollen die Energiekosten sinken.

Quelle: Gianfranco Fain/Montage: Nikola Ohlen

Lohra. Wenig begeistert sind die Ortsvorsteher der kleinen Lohraer Ortsteile über die Post aus der Gemeindeverwaltung, die ihnen Anfang der Woche ins Haus flatterte. Darin teilt der Gemeindevorstand mit, dass nun ein am 29. September gefasster Beschluss zur Verringerung der Energiekosten umgesetzt wird. Das bedeutet für die Bürger der Ortsteile Damm, Nanz-Willershausen, Rodenhausen, Rolls­hausen und Seelbach, dass sie ihre Bürgerhäuser von Dezember bis März nicht nutzen können.

„Das versteht keiner! Was wird denn da gespart?“, entfährt es Heinz-Werner Kraft. Denn, so argumentiert der Rodenhäuser Ortsvorsteher: „Die Heizung ganz abzustellen geht nicht, weil sonst Frostschäden drohen.“ Zudem sei die alte Elektroheizung für einen Betrieb auf „Sparflamme“ in dem Gemeinschaftshaus, in dem auch die Feuerwehr angesiedelt ist, schwer regelbar. Bitter sei die Entscheidung für die regelmäßigen Nutzer, die sich nun für die Wintermonate eine andere Bleibe suchen müssen.

Besonders diese Tatsache der ganzen Thematik findet Martin Hardt „unschön“. In Rollshausen sind von der Schließung die Trachtengruppe „Wiedehöpfe“ mit ihren Übungsstunden für Erwachsene und Kinder sowie die Seniorengymnastik betroffen. „Die müssen sich andere Unterkünfte suchen, die womöglich bezahlt werden müssen“, mutmaßt der Ortsvorsteher. Auch er hält die Umsetzung für schwierig. Das Haus müsse schon wegen der Feuerwehr in Betrieb bleiben, deren Gerätehaus integriert sei, Schulungsraum und die Toiletten genutzt werden. Zudem, erinnert Hardt, habe die Wehr beim Bau einen Zuschuss geleistet.

Die Feuerwehr ist auch einer der Ansatzpunkte von Gerhard Herrmann. Rund 80 der 300 Willershäuser seien bei den Brandschützern dabei und nicht nur die seien betroffen. Im Bürgerhaus fände 14-tägig ein Gottesdienst statt, weshalb der Beschluss des Gemeindevorstands für „etwas Unruhe“ sorgt. „Gibt es für die Gottesdienste eine Ausnahmeregelung oder müssen wir die Gläubigen nach Lohra karren?“, fragt der Ortsvorsteher. Näheres hofft er bei einem Termin für die „DGH-Beauftragten“ zu erfahren. Skeptisch bleibt Gerhard trotzdem. Die Entscheidung des Gemeindevorstands sei für ihn zwar aus Energiespargründen nachvollziehbar, aber die Auslastung durch Bezahler sei auch in den großen Häusern „nicht gut“. Deshalb zweifelt er, „ob das ein großer Benefit wird“?

Wie viel die Gemeinde „einspart“, kann auch Bürgermeister Georg Gaul nicht beziffern: „Das wissen wir erst, wenn der Winter rum ist.“ Aber es sei vorgesehen, die Häuser für besondere Anlässe wie Beerdigungsfeiern oder für schon zugesagte Veranstaltungen zu öffnen. Zudem gebe es für regelmäßige Nutzergruppen eine Ausweichmöglichkeit in Reimershausen.

Und was meinen die Kommunalpolitiker? Von „ein Versuch (Rink, BfB)“ bis „was dort eingespart wird, löst das Problem nicht (Waßmuth, CDU)“ reichen die Reaktionen, als die OP wegen des drittgrößten defizitären Haushaltspostens nachfragt. Während Karl Klefenz (Grüne) davon spricht, dass kein Konzept zu erkennen sei, wie es mit den DGHs weitergehen soll, spricht Kurt Schwald (SPD) von einem „unglaublichen Spagat“ der zu bewältigen sei: Die Ortsteile attraktiv zu halten, aber auch die Kosten zu senken.

Von der Schließung ausgenommen sind die Bürgerhäuser in Lohra, Kirchvers und Weipoltshausen. Unter den kleinen bilden die Gemeinschaftshäuser in Altenvers und Reimershausen Ausnahmen. Das Altenverser Gebäude könne nicht geschlossen werden, weil der Saal von der Kindertagesstätte als Bewegungsraum genutzt wird, erklärt Ortsvorsteher Wolfgang Spies.

Im Schwebezustand befindet sich das modernisierte Reimershäuser Gebäude. Es soll bei Bedarf als Ersatzstätte genutzt werden, so wie es durch zwei Altenverser Vereine geschieht, weil in ihrem angestammten Übungsraum die Heizung defekt ist.

von Gianfranco Fain

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