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Letzte Ehre für Menschenfreund Fritz Pawelzik

Trauerfeier Letzte Ehre für Menschenfreund Fritz Pawelzik

Viele Hundert Menschen aus ganz Deuschland werden am Samstag in der Martinskirche in Dautphe von dem früheren CVJM-Bundessekretär und Afrika-Missionar Fritz Pawelzik Abschied nehmen.

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In der traditionellen Stammestracht berichtete Fritz Pawelzik auf vielen Veranstaltungen über sein Leben in Afrika.Foto: Jürgen Jacob

Dautphe. Ob der Platz in der 350 Menschen fassenden Kirche ausreichen wird, ist ungewiss. Pfarrer Dr. Reiner Braun rechnet mit vielen Teilnehmern. Wie viele letztlich kommen werden, sei unabsehbar, sagt er. Gleichwohl hat er 1000 Liedzettel für die Trauerfeier drucken lassen. Wie bei manch anderer Beerdigung werden viele Menschen vor der Kirche stehen. Die Trauerfeier wird per Lautsprecher nach draußen übertragen.

Dr. Braun soll die Feier gestalten, darum bat Fritz Pawelzik in seinem Testament. Dem Wunsch hat der Dautpher Pfarrer entsprochen und die evangelisch-lutherische Martinskirche dafür ausgewählt.

Reiner Braun und seine Frau Manuela waren mit Fritz Pawelzik befreundet, auch schon bevor sie nach Dautphe kamen.

Pawelzik fühlte sich überall in der Welt zu Hause und kam besonders gerne und oft nach Dautphetal. Er gestaltete Gottesdienste und Missionsfeste mit oder kam einfach nur, um am Rande von kirchlichen Veranstaltungen etwa Kindern spannende Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Zuletzt trat er 2012 beim „Männertag“ der evangelischen Dekanate Gladenbach und Biedenkopf in der Freizeit- und Bildungsstätte in Holzhausen auf.

In Herne kam er zur Welt, am 29. Januar starb Hans-Fritz Pawelzik - so sein richtiger Name - 87-jährig in einem evangelischen Krankenhaus in Mühlheim/Ruhr.

„Mit Fritz Pawelzik haben wir im deutschen CVJM eine beeindruckende Persönlichkeit verloren, die allzeit ihre Stimme für den Frieden und für das Evangelium erhob“, schreibt Carmen Behrens vom CVJM-Ostwerk in ihrem Nachruf.

Fritz Pawelziks Vater war Bergarbeiter von Beruf und saß während der Zeit des Nationalsozialismus als politischer Gefangener im Gefängnis. Das hielt den Jungen nicht davon ab, der Hitlerjugend beizutreten und sich 1943 im Alter von 15 Jahren freiwillig zum Militärdienst zu melden. Er war an der Ostfront und im Oderbruch. Kurz vor Kriegsende geriet er in Berlin in russische Kriegsgefangenschaft und kam nach Leningrad. In der Zeit im Straflager erkannte er, „was wir Deutsche der Welt angetan haben“.

Pawelzik entschloss sich, sein Leben zu ändern. Nach achtzehnmonatiger Gefangenschaft gelang ihm die Flucht. Er kehrte in seine Heimatstadt Herne zurück. Von einem britischen Soldaten erhielt er als Geschenk eine Bibel. Deren Lektüre war ausschlaggebend dafür, dass er zum christlichen Glauben fand und ihn bis zu seinem Tod lebte.

Er arbeitete zunächst als Bergmannsmissionar und ging 1959 nach einer Anfrage des YMCA Ghana im Auftrag des CVJM als Bruderschaftssekretär nach Ghana. 1966 begann er dort mit dem Aufbau der CVJM-Arbeit. Er lebte mit seiner finnischen Frau Karin zunächst in Takoradi. In Afrika kamen zwei Töchter und ein Sohn zur Welt.

Schließlich zog die Familie nach Accra um. Einige seiner ersten Mitarbeiter übernahmen später im YMCA Ghana, in den Kirchen und der Gesellschaft Leitungsaufgaben. Pawelzik baute den Sitz des nationalen YMCA auf, dort entstand unter anderem eine Berufsschule für mittellose Jugendliche.

Eine weitere Ausbildungsstätte gab es später in Takoradi. Der YMCA betreibt in Ghana mehr als 15 Kindergärten, unterhält an Schulen Vereine, in denen Jungen und Mädchen kulturell gefördert werden.

Fritz Pawelzik studierte als erster deut­scher CVJM-Sekretär am George Wil­liams Col­lege in Chi­cago und machte dort den Abschluss als Mas­ter in Social Sience. In der Kleinstadt Konongo, in der Region des Stammes der Ashanti, wirkte er beim Ausbau eines Krankenhauses mit. Aus Dankbarkeit ernannte man ihn zum Häuptling. Unter dem Namen „Nana Kofu Marfu II.“ wurde er lebenslanges Mitglied des Leitungsgremiums der Stadt. Er war „Chief für die Entwicklung von Konongo“. In der traditionellen Stammestracht berichtete Fritz Pawelzik auf vielen Veranstaltungen über sein Leben in Afrika. Als Buchautor, Referent und Zeitzeuge war er bis zuletzt unterwegs, um für Frieden und Menschlichkeit zu werben.

Die Trauerfeier beginnt am Samstag um 14 Uhr.

von Hartmut Berge

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