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Letzte Chance für Zigarettendieb

Aus dem Amtsgericht Letzte Chance für Zigarettendieb

Obwohl er schon mehrfach wegen Ladendiebstahls verurteilt worden war, erhielt ein 35 Jahre alter Angeklagter noch eine Bewährungsstrafe.

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Hauptsächlich auf Zigaretten hatte es der verurteilte Ladendieb abgesehen.

Quelle: Christian Charisius

Marburg. Mehrfach war der aus Georgien nach Deutschland geflohene 35-Jährige einfach mit einer Tasche in Getränkemärkte gegangen und hatte in großem Umfang Tabakwaren gestohlen. Dabei schreckte der Mann auch nicht davor zurück, dasselbe Geschäft mehrfach aufzusuchen, wie etwa den Rewe-Markt in Bischoffen-Niederweidbach, wo er im Dezember und Januar zweimal Tabakwaren im Wert von jeweils etwa 300 Euro entwendete.

In sämtlichen Diebstahlfällen war der Beschuldigte umgehend geständig. „Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um zu stehlen – sondern weil ich als Jeside in Georgien bedroht wurde. Ich habe mit dem Geld meine Sucht nach Kokain und Heroin bezahlt, jetzt bin ich sauber.“

Unklarheiten kamen jedoch in den weiteren Anklagepunkten auf. So hatte es Streit mit einem Nachbarn über ein geliehenes oder verpfändetes Handy gegeben. Allerdings war der dazu geladene Zeuge im Laufe der Verhandlung verschwunden, sodass Staatsanwalt Sebastian Brieden zu dem Schluss kam: „Die Handygeschäfte mögen im Dunkeln bleiben.“

Zudem wurde dem bereits vorbestraften Mann vorgeworfen, in zwei Fällen Personen bedroht oder verletzt zu haben. So hatte er einen Ladendetektiv in einem Baumarkt, der ihn im Januar dabei erwischte, wie er Zündkerzen und Akkubohrer entwendete, mit einem nicht mehr näher zu identifizierenden Gegenstand bedroht. Ob es sich dabei tatsächlich um ein Messer gehandelt hatte, konnte der geladene Sicherheitsmann allerdings nicht mehr konkret bestätigen.

Aussagen weichen im entscheidenden Punkt voneinander ab

Die schwerste Anschuldigung betraf abermals den Diebstahl von Tabak im Januar, wobei der Angeklagte und ein Komplize jedoch auf Widerstand gestoßen waren. Der Beschuldigte hatte diesmal Waren im Wert von rund 100 Euro aus einem Getränkemarkt in Wallau entwendet. Als er mit seinem Komplizen schnell verschwinden wollte, versperrte ihm ein pensionierter Polizist in Begleitung eines Angestellten den Weg.

An diesem Punkt wichen die Aussage des Angeklagten und der beiden Zeugen stark voneinander ab. Der Beschuldigte gab an, dass er sich kaum gegen das brutale Vorgehen des eingreifenden Mannes hatte wehren können und von diesem fast erwürgt worden sei. Er habe um Hilfe gerufen und ein ihm Unbekannter hätte den nicht uniformierten Angreifer von ihm weggerissen, dann wären sie gemeinsam mit seinem Wagen davongefahren.

„Das ist schlichtweg gelogen“, sagte der ehemalige Polizist und wurde in seiner Darstellung von dem Angestellten des Getränkemarktes bestätigt. Demnach sei der Beschuldigte sofort extrem aggressiv geworden, als ihn die beiden Männer ihn von der Flucht abhalten wollten. Es kam zu einem Gerangel, in dessen Verlauf es dem Ex-Polizisten gelang, den Ladendieb zu überwältigen.

„Der vermeintliche Retter war ganz klar Ihr Komplize“

In diesem Moment habe der Komplize die Ablenkung ausgenutzt und dem Zeugen einen heftigen Schlag ins Gesicht versetzt, wodurch beide Männer flüchten konnten. Auf Rückfragen von Richter und Staatsanwalt verwickelte sich der Beschuldigte mehrfach in Widersprüche über seine Verbindung zu dem Unbekannten und den Besitz des scheinbar in Frankreich gemeldeten Autos, wobei er in beiden Fällen konkrete Angaben verweigerte.

Richter Dominik Best kam in dieser Sache daher zu dem Schluss: „Zunächst einmal darf jeder, auch wenn er kein aktiver Polizist ist, einen Ladendieb aufhalten, bis die Polizei eintrifft. Außerdem wollen wir uns hier mal nichts vormachen: Der vermeintlicher Retter war ganz klar Ihr Komplize und Sie sind wie geplant im gemeinsamen Fluchtfahrzeug davongefahren.“

In Bezug auf die Teilnahme am Straßenverkehr gab es abschließend ebenfalls kleinere Anklagepunkte, da der Beschuldigte seine Fahrerlaubnis nicht ordnungsgemäß hatte verlängern lassen, was aufgrund seiner anhaltenden Duldung in der Bundesrepublik notwendig gewesen wäre.

Insgesamt kam Staatsanwalt Brieden zu keiner positiven Prognose und forderte zwei Jahre und drei Monate Haft, was aufgrund des Überschreitens der Zwei-Jahres-Grenze einen Gefängnisaufenthalt bedeutet hätte.
Richter Best fällte schlussendlich aufgrund des erfolgreichen Drogenentzugs ein geringfügig, aber entscheidend milderes Urteil von zwei Jahren, die noch einmal zur Bewährung ausgesetzt wurden.

von Marcus Hergenhan

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