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Letzte Bewährung für handgreiflichen Mann

Amsgericht Letzte Bewährung für handgreiflichen Mann

Wegen Misshandlung seiner Lebensgefährtin wurde ein 58-jähriger vorbestrafter Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Biedenkopf. Zum zweiten Mal in diesem Jahr musste sich ein 58-jähriger Mann vor dem Amtsgericht Biedenkopf verantworten. Nach seiner ersten Verurteilung, wegen einer Tätlichkeit, wurde ihm nun vorgeworfen, gegenüber seiner inzwischen von ihm getrennt lebenden Partnerin in drei Fällen handgreiflich geworden zu sein.

So soll der Angeklagte bereits 2005 seine Partnerin mit den Händen und Fäusten gegen den Kopf geschlagen haben, sodass diese umfiel. Durch Tritte mit Maurer-Arbeitsschuhen habe die Frau blaue Flecken an der Hüfte davongetragen. Im Mai 2012 soll er bei einer Autofahrt während einer Türkeireise seine Lebensgefährtin mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben. Am 10. Dezember 2012 eskalierte ein Streit wegen der Finanzen so sehr, dass die Frau flüchtete, nachdem der Mann ein Glas, eine Kristall-Zuckerdose und einen Obstteller nach ihr geworfen hatte. Die 50-jährige habe dabei Schnittwunden im Ellbogenbereich und Hämatome davongetragen.

Beim jüngsten Streit warf er mit einem Teeglas

Richter Mirko Schulte befragte den Angeklagten, der sich aussagewillig zeigte und durch einen Dolmetscher übersetzen ließ, dass die Finanzen der Grund der Auseinandersetzungen im letzteren Fall gewesen seien. Doch schon vorher sei die Stimmung getrübt gewesen. Seine Partnerin habe ihm die Kontoauszüge in einer Hülle gegen den Kopf geworfen. Dass er mit einem Teeglas nach ihr geworfen habe, gab der Angeklagte zu, wo hingegen die beiden anderen „Wurfgeschosse“ lediglich vom Tisch gekippt seien. Befragt zu der Auseinandersetzung im Mai 2012, erklärte er, dass es immer wieder zu Streit in der Partnerschaft gekommen sei. So auch diesmal, als er mit dem Handrücken zugeschlagen habe. Die Vorwürfe aus 2005 stritt der Angeklagte ab.

„Wie ist das Verhältnis heute“, wollte Richter Schulte wissen, worauf der Angeklagte erwiderte, dass keine Gespräche mehr stattfänden und seine Partnerin bei ihrer Schwester wohne. In der Zeugenvernehmung schilderte die 50-jährige sehr lebhaft die ihr zugefügten Misshandlungen und die finanziellen Verhältnisse dieser Partnerschaft. Sie habe Kontovollmacht gehabt, die Auszüge auf den Tisch gelegt. Ihr Lebensgefährte habe zuerst mit dem Glas und dann mit der Zuckerdose geworfen. Beide Gegenstände hätten nicht getroffen, die Obstschale sei jedoch direkt auf ihren Ellbogen geflogen, sodass dieser anschwoll. Eine Nachbarin habe die Polizei verständigt. Richter Schulte legte Fotos der Ellenbogenverletzung vor, ließ sich den Ellenbogen zeigen und konnte nicht so recht mit der von der 50-jährigen vorgetragenen Version umgehen. Vielleicht habe diese sich auch an der Balkontür verletzt, führte der Richter aus.

Schon beim ersten Urteil gab‘s Bewährungsauflagen

Nach einer Verhandlungsunterbrechung und einem Rechtsgespräch erläuterte Schulte die Vorstrafen des Angeklagten und trennte auf Antrag der Verteidigerin die erste Tat aus dem Jahre 2005 ab. Oberamtsanwalt Noll sah die zweite Anklage - einfache Körperverletzung - aufgrund der Einlassung als erwiesen an und forderte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro. Für die Tat im Dezember lasse sich deren genauer Ablauf nicht zweifelsfrei zuordnen. Gleichwohl sei die Situation für die Zeugin höchst aufregend gewesen. Es sei möglich, dass sie sich den Riss am Ellenbogen an der Balkontür zugezogen habe. Der Angeklagte habe zugegeben, mit dem Glas geworfen zu haben.

Dies sei versuchte vorsätzliche gefährliche Körperverletzung, die mit einer Freiheitsstrafe von vier Monaten zu ahnden sei. Unter Einbeziehung der Verurteilung vom Januar sei eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten zu bilden, bei einer Bewährungszeit von 30 Monaten. Richter Schulte legte seinem Urteil den Antrag des Staatsanwaltes ebenso zu Grunde, wie Bewährungsauflagen aus dem jüngsten Urteil. Darunter eine fachpsychiatrische Behandlung, damit der Angeklagte in der Lage sei, Konflikte ohne Straftaten zu lösen sowie das Erlernen der deutschen Sprache.

von Helga Peter

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