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Lebensmittel Honig ist mit am wenigsten belastet

Info für Imker Lebensmittel Honig ist mit am wenigsten belastet

Bei der Imker-Kreisversammlung referierte Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstituts Kirchhain, zu dem Thema „Bienenvergiftung oder Krankheit, Symptome erkennen und richtig deuten“.

Hartenrod. Dass die Thematik der Referenten richtig gewählt war, bestätigte die Anzahl der Teilnehmer, die deutlich über 50 lag.

Kreisvorsitzender Günter Raab eröffnete die Kreisversammlung und begrüßte besonders die beiden Referenten Dr. Ralph Büchler sowie Helmut Becker, letzterer sprach zum Thema „Verhalten nach einer möglichen Bienenvergiftung durch Pflanzenschutzmittel“.

Wie Dr. Büchler in seinem Referat betonte, beschäftige das Thema Bienenvergiftung Imker und Landwirte sehr stark. Das Schadbild bei Vergiftungen seien tote Flugbienen, hohe Flugbienenverluste und viele Tote vor den Fluglöchern. Pflanzenschutzmittel seien vielfach Nervengifte für Bienen und würden oft gesteigerte Aggressivität auslösen. Es würde die Larvenentwicklung erheblich stören, was zu einem teilweisen Brutausfall führe. Es komme zu Trachtenvergiftungen, ausgelöst durch giftigen Nektar, wobei aber auch Pollen verschiedener Hahnenfußarten für die Honigbienen giftig seien. Entgegen der vielfach publizierten Annahme sei die Silberlinde beziehungsweise deren Nektar und Pollen für die Bienen nicht giftig. Vergiftungsursachen seien auch teilweise auf Frevel und damit Böswilligkeit zurückzuführen, wie zum Beispiel durch Kontaktgifte wie Insektenspray.

Die von den Landwirten eingesetzten Pflanzenschutzmittel für Unkrautbekämpfung „Herbizide“ würden keine Gefährdung für die Bienen darstellen. Die für die Pilzbekämpfung eingesetzten Fungizide seien nicht besonders gefährlich für die Bienen, hingegen seien Insektizide besonders gefährlich. Dr. Ralph Büchler ging in seinem Vortrag auf die 1972 in Kraft getretene Bienenschutzverordnung in Deutschland ein. Diese Verordnung besage, dass bienengefährliche Mittel nicht an blühenden Kulturen oder von bienenbeflogenen Pflanzen verwandt werden dürfen. Bienengefährliche Mittel dürften nur bis zu einem Abstand von 60 Meter zum Bienenstand ausgebracht werden und es bestehe eine Verursacherhaftung.

Proben müssen innerhalb von 24 Stunden vorliegen

Imker sollten bei Verdacht auf Vergiftungen ihrer Bienen dies dem Vereinsvorsitzenden und dem Pflanzenschutzdienst beim Regierungspräsidium Gießen melden und eventuell Anzeige erstatten. Es sei wichtig, juristisch belastbare Proben innerhalb 24 Stunden einzusammeln und gegebenenfalls diese toten Bienen einzufrieren. Ein weiterer Schritt wäre dann diese zwecks Untersuchung an das Julius-Kühne-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen und Untersuchungsstelle für Bienenvergiftung, einzuschicken. Wichtig sei dabei auch, dass Pflanzenmaterial der Schadstelle zu sichern und dies mit untersuchen zu lassen.

Insgesamt sei die Anzahl der gemeldeten Bienenschäden seit 1971 rückläufig. Dr. Büchler ging auch auf die im Jahre 2012 durchgeführten 218 Bienenbrotproben ein, die zu 90 Prozent mit Rückständen belastet gewesen seien. Die häufigsten Rückstände seien bei „Rapsflug“ und damit bei der Blütenbehandlung von Raps feststellbar gewesen, wobei die Rückstände insgesamt sehr geringe Mengen aufwiesen. Honig gehöre zu den Lebensmitteln, die mit am wenigsten belastet seien. Der Imker wünsche sich von den Landwirten, dass diese den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein minimales Maß beschränken, Verordnungen beachten und nur streng nach Schadstoffschwellen hantieren.

Helmut Becker vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, zuständig für den Pflanzenschutzdienst, referierte zu dem Thema „Verhalten nach einer möglichen Bienenvergiftung durch Pflanzenschutzmittel“. Auch Becker bestätigte, dass Bienenschäden durch Pflanzenschutzmittel in den letzten Jahren selten seien. Relativ hoch sei der Einsatz von Insektiziden im Rapsanbau.

Der Rapsanbau habe seit Ende der 1970er-Jahre aus wirtschaftlichen Gründen immer mehr zugenommen. Auch der Einsatz der Insektizide habe sich in dieser Zeit wesentlich erhöht. So sei im vergangenen Jahr der Raps bis zu viermal gespritzt worden, um Schädlinge zu bekämpfen. In diesem Jahr, so hofft Helmut Becker, kämen die Landwirte hoffentlich mit zweimal Spritzen aus.

Zu der Thematik „Bienenvergiftung durch Pflanzenschutzmittel“ seien die Landwirte auf einem guten Weg, wobei die Partnerschaft zwischen Imkern und Landwirten wichtig sei. Es sei wichtig, dass hier aufeinander zugegangen werde.

von Klaus Peter

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