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Landrat besucht Perle des Hinterlandes

Gemeindebesuch Landrat besucht Perle des Hinterlandes

Voraussichtlich zum letzten Mal in offizieller Mission als Landrat war Robert Fischbach gestern im Kneippheilbad Gladenbach zu Gast und informierte sich dort über interessante Projekte.

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Zum Abschluss des Besuchs bat Dr. Markus Morr zum Gruppenfoto. Reiner Horak erklärte Landrat Robert Fischbach (Mitte) und Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim die Technik des neuen Gladenbacher Einsatzleitwagens (kleines Bild).

Quelle: Benedikt Bernshausen

Gut gelaunt trifft Landrat Robert Fischbach am Dienstagmorgen in Gladenbach ein, schüttelt Hände und plaudert, ehe nach einer einleitenden Besprechung im Rathaus die Tour durch die Kirschenmarktstadt beginnt - die letzte von Fischbach als Chef der Kreisverwaltung. Den Landrat begleiten führende Mitarbeiter seines Hauses sowie Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim samt einigen Mitgliedern von Magistrat, Parlament sowie Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Auf der Tagesordnung stehen die Begutachtung kommunaler Projekte, ein Gespräch mit der Spitze der Gladenbacher Feuerwehr sowie, auf ausdrücklichen Wunsch von Fischbach, der Besuch bei Unternehmer Hans-Georg Hof. Doch davor sprachen Bürgermeister und Landrat über Finanzen. Neben dem Landkreis war auch Gladenbach im vergangenen Jahr unter den „Schutzschirm“ des Landes Hessen gegangen. Danach schafft die Stadt - zumindest planmäßig - wohl schon in diesem Jahr den angestrebten Haushaltsausgleich. Das habe unpopuläre Entscheidungen gefordert, sagte der Bürgermeister und erinnerte an die Anhebung der kommunalen Steuern.

Die Sanierung des städtischen Haushalts sei wichtig, um im Wettstreit mit anderen Kommunen keinen Boden zu verlieren. „Der Schutzschirm wird neue Frei- und Spielräume schaffen“, bekräftigte Fischbach in seinem späteren Resümee den Gladenbacher Weg.

Im Winter soll diePellet-Anlage stehen

Klaus-Dieter Knierim stellte den Gästen auch Pläne für den möglichen Bau von Windkraftanlagen bei Rachels-/Römershausen und Morns-/Erdhausen vor. Vor dem Hintergrund vieler Windenergieprojekte in Marburg-Biedenkopf betonte Fischbach, dass der Landkreis seinen Beitrag zur beschlossenen Energiewende leisten werde.

Danach begann die Tour mit dem Besuch der „Sonderanlagenbau GmbH“ in Lohra. Deren Geschäftsführer Hans-Georg Hof führte die Delegation nach einer kurzen Vorstellung seines besonderen, neuen Projektes nach Rüchenbach - den Geburtsort von Fischbach.

Dort hat Hof zwei große Hallen aufgebaut, in denen der leidenschaftliche Hobbylandwirt künftig aus Stroh Pellets herstellen möchte, die zur Energieerzeugung eingesetzt werden können. Im Winter solle die Maschine aufgebaut werden und die Produktion, für die schon mehr als 1000 Rundballen eingelagert wurden, beginnen.

Nutzen will Hof die kleinen Stäbchen zum Befeuern seiner Pellet-Heizung an seinem Sonderanlagen-Produktions-Standort in Mornshausen. Genutzt wurden dafür generell Holzpellets, die Nutzung von gepresstem Stroh ist neu und bisher einzigartig - zumindest in Deutschland. Interessant sei das Prinzip auch für den Landkreis, berichtete Fischbach, der etwa an die Beheizung der Schulen dachte. Die Vorteile des Brennstoffs liegen auf der Hand: Stroh sei kein Nahrungsmittel, das der Nahrungskette entzogen werde und wachse fast unbegrenzt nach. „Allein in Marburg-Biedenkopf fallen im Jahr 100000 Tonnen Stroh an, die dieser Verwertung zugeführt werden könnten“, wusste Fischbach, der das Projekt als „einen richtigen Weg, der Nachahmer finden wird“, lobte. Mit der Anschaffung der Maschine habe Hof einen „Meilenstein“ gesetzt. Danach führte Klaus-Dieter Knierim den Landrat zurück nach Gladenbach, in die Jakob-Heuser-Straße, vor den ehemaligen Bahnhof. Dort zeigte der Bürgermeister den Gästen aus Cappel, wie sich die Verkehrssituation nach dem Ausbau der früheren Baustraße zur offiziellen West-Anbindung des Gewerbegebietes „Im tiefen Graben“ verändert habe und weiter verändern werde, wenn über einen zukünftigen Kreisverkehrsplatz an der Ecke Jakob-Heuser-Straße/Auf dem Würtenberg auch das Werksgelände der Firma Weso angebunden wurde.

Durch den Ankauf des Bahngeländes durch die Stadt Ende 2012 war das Gewerbegebiet auf rund 16000 Quadratmeter angewachsen. Diesen Entschluss lobte Fischbach: „Das war eine kluge Entscheidung!“ Geplant ist noch, den Lokschuppen abzureißen und das alte Hauptgebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. „Denn die Bausubstanz des Bahnhofes ist noch in Ordnung“, verkündete Knierim, der Landrat Fischbach anschließend auf die „Insel“ führte. Das von Teich- und Marktstraße umschlossene Areal sei „das blutende Herz und ein Schandfleck“ von Gladenbach und das zweite große Projekt in der Stadt, so der Bürgermeister. Entstehen sollen dort 70 Parkplätze und eine Grünfläche, die die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erhöhe und zum Verweilen einlade. Knierim: „Damit wollen wir bis zum nächsten Kirschenmarkt fertig sein!“ Zurückgreifen kann die Hinterlandgemeinde dafür auf rund 1,2 Millionen Euro. Die Stadt schultert ein Drittel der Kosten, der Rest fließt aus dem Förderprogramm „Stadtumbau West“ in die Maßnahme, die Gladenbachs Ruf als Einkaufsstadt untermauern soll.

Zum Abschluss seines Besuchs traf der Landrat die Führungsspitze der Gladenbacher Feuerwehr um Stadtbrandinspektor Reiner Horak, der Robert Fischbach auf Probleme aufmerksam machte. So wünschte sich Horak von der Kommune Unterstützung bei der Erledigung von zeitintensiver Verwaltungsarbeit und der Wartung der Einsatzfahrzeuge.

Migranten für Dienst in Feuerwehren gewinnen

Hilfe erwartet die Feuerwehr auch dabei, der Rückgang der Zahl der Einsatzkräfte entgegenzuwirken. Noch sind 298 Gladenbacher - lange waren es mehr als 320 - in den Abteilungen aktiv, häufig würden aber junge Kameraden die Wehr verlassen, weil sie in der Ferne einen Arbeitsplatz bekommen haben. Darüber spannte Fischbach den Bogen zu einer auch für diese Problematik entscheidenden Frage: „Schaffen wir es, dass die Gegend so attraktiv ist, dass die Leute ihren Lebensmittelpunkt hier belassen?“ Knierim erinnerte zudem daran, dass auch gelingen müsse, Migranten für den Einsatz in der freiwilligen Feuerwehr zu begeistern. „Wir müssen mehr machen, die Kandidaten sind da.“ Zum Abschluss zog Robert Fischbach Bilanz: Er sei von der „guten und nach vorn gerichteten“ finanziellen und städtebaulichen Entwicklung in der Stadt beeindruckt. Damit festige die Kommune sicher ihren Ruf „als die Perle im südlichen Hinterland“.

von Benedikt Bernshausen

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