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Landkreis sucht den Kompromiss

Flüchtlingsnotunterkunft Landkreis sucht den Kompromiss

Weil der Magistrat der Stadt Gladenbach und der Ortsbeirat Weidenhausen keine Flüchtlinge imOranier-Bürotrakt einquartieren wollen,unterbreitet der Kreisjetzt einen Kompromiss.

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Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Oranier will der Kreis im April/Mai rund 100 Flüchtlinge unterbringen. Magistrat und Ortsbeirat plädieren dafür, stattdessen die beiden leerstehenden Wohnhäuser auf dem Gelände zu nutzen.Foto: Michael Tietz

Weidenhausen. In dem ehemaligen dreigeschossigen Verwaltungsgebäude der Firma Oranier, Hersteller von Heizungssystemen und Küchentechnik, die ihren Sitz nach Haiger verlagert hat, sollen demnächst 100 Flüchtlinge untergebracht werden. Der Ortsbeirat befürchtet, dass dadurch der Industriestandort geschwächt wird, und sprach sich vor Weihnachten gegen die Planungen aus. Der Magistrat teilt die Befürchtungen und machte auf Ansinnen des Ortsbeirats den Landkreis auf die beiden leerstehenden Wohnhäuser auf dem Gelände aufmerksam.

Wohnhäuser sind zu klein

„Unter dem Gesichtspunkt der Integration haben Magistrat und Ortsbeirat völlig recht“, erklärt Vize-Landrat Marian Zachow. Allerdings könnten in den beiden Wohnhäusern maximal 50 Personen untergebracht werden - eher weniger, sagt er. Für die Größenordung, die der Landkreis durch die Zuweisung der Flüchtlinge durch das Land benötige, seien die Häuser zu klein. Im ersten Quartal dieses Jahres rechnet der Kreis mit 1200 Asylsuchenden, die er aufnehmen muss.

Zudem seien die Häuser in einem baulich schlechten Zustand. Der Sanierungsaufwand sei viel zu hoch, die Bauzeit wäre zu lang und die Vertragsverhandlungen mit der Investoren­gruppe von Oranier seien zu weit fortgeschritten - bezogen auf die Unterbringung der Flüchtlinge, die im April/Mai geplant ist, sagte Zachow, und stellt abschließend fest: „Die beiden Wohnhäuser sind keine Alternative. Obwohl der Landkreis nach dem neuen Baurecht die Möglichkeit hat, die Zustimmung der Kommunen durch das Regierungspräsidium Gießen zu erzwingen, favorisiert der Landkreis eine einvernehmliche Lösung.“

Deshalb bietet Zachow dem Magistrat und dem Ortsbeirat einen Kompromiss an: Er will in den Vertrag mit Oranier eine Ausstiegsklausel einfügen lassen, die dann greift, wenn das Unternehmen einen Käufer findet, der an der gesamten Industriefläche Interesse hat.

In diesem Falle bestehe der Kreis nicht auf die Vertragserfüllung durch Oranier und sucht innerhalb einer ausreichenden Frist nach einer neue Unterbringungsmöglichkeit.

„Wir wollen der Vermarktung des Industriestandortes nicht im Wege stehen“, sagt Zachow. Oranier-Geschäftsführer Nikolaus Fleischhacker habe schon Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert, erklärte der Vize-Landrat.

Kreis bietet Unterstützung an

Auch bei der Suche nach einer neuen Nutzung des Oranier-Geländes will der Landkreis seine Unterstützung anbieten.

„Wir hoffen, dass damit die Bedenken zerstreut sind“, sagt der Vize-Landrat, der von den ablehnenden Signalen des Ortsbeirates und des Magistrates überrascht war. Doch er habe Verständnis dafür. Dies zeige eine hohe Identifikation mit dem Heimatort. „Wir sind flexibel“, ergänzt er.

Derzeit habe sich zwar die Zuweisung von Asylbewerbern durch das Land verzögert, aber die Situation habe sich für den Landkreis dennoch nicht entschärft.

Momentan muss der Landkreis montags 80 bis 100 Personen aufnehmen; vorher waren es 40.

von Silke Pfeifer-Sternke

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