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Landgericht rollt Missbrauchsfall auf

BGH hob Urteil auf Landgericht rollt Missbrauchsfall auf

Der Bundesgerichtshof in Leipzig hat das Landgerichtsurteil gegen einen 48-jährigen Hinterländer aufgehoben, der wegen Geiselnahme und schwerem Missbrauchs elfeinhalb Jahre in Haft musste.

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Das Landgericht Marburg rollt am 26. März einen Prozess um schweren sexuellen Missbrauch einer Zwölfjährigen erneut auf, um die Frage zu klären, ob der Angeklagte sein Opfer tatsächlich als Geisel genommen hat.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Angeklagte hatte Revision gegen das Urteil eingelegt, das vom Landgericht Marburg Ende September 2013 gegen ihn verhängt wurde. Der Bundesgerichtshof hob am 27. Mai 2014 den Schuldspruch auf, allerdings hält er das Gros der verhängten Strafe für rechtskräftig. Zu klären ist deshalb am Donnerstag, 26. März, ab 9 Uhr im Sitzungssaal 101, ob der Angeklagte sein Opfer tatsächlich als Geisel genommen hat oder nicht.

Der Mann wurde verurteilt, weil das Gericht es als erwiesen ansah, dass er sich an der zwölfjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin vergangen hat. Die Anklage lautet auf Geiselnahme, schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes, Nötigung und Körperverletzung. Während des Prozesses hatte der 48-Jährige einen Großteil der ihm vorgeworfenen Taten vehement abgestritten. Vielmehr ging er von einem minderschweren Fall aus und sprach von einer „böswilligen Anklageschrift“.

Staatsanwalt hielt Schuld für erwiesen

Belastend gegen ihn sprach, dass auf seinem Computer und seinem Laptop gelöschte Daten gefunden worden sind, die Momentaufnahmen eines Videos zeigten, auf dem der Angeklagte sowie das Opfer nackt zu sehen waren. Diese Aufnahmen wollte der Angeklagte aus Versehen gemacht haben. Zudem befanden sich in seinen Datenspeichern 54 Bilder mit kinderpornografischem Inhalt.

Die Aussage des Mädchens wurde unter Ausschluss der ­Öffentlichkeit aufgezeichnet und im Gericht auf DVD vorgeführt. Die Befragung des Mädchens dauerte eine Stunde. Staatsanwalt Oliver Rust hatte an der Glaubwürdigkeit des Opfers keine Zweifel. Ihre Aussagen seien schlüssig und nachvollziehbar und ließen darauf schließen, dass es das Erlebte wiedergegeben hat, ­erklärte Rust in seinem Plädoyer.

Der Staatsanwalt hielt es für ­erwiesen, dass der 48-Jährige sein Opfer mittels Drohungen zu den Taten gezwungen hat. Staatsanwalt Rust erklärte dem Angeklagten, dass diese Form des sexuellen Kontakts nichts mit einer Liebesbeziehung zu tun hat.

Geiselnahme oder nicht?

Der Verteidiger forderte vier Jahre Haft, weil er davon ausging, dass sein Mandant die ­Situation ausgenutzt und sich strafbar gemacht hat. Der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf hielt die Aussage des Angeklagten, das Mädchen sei sexuell neugierig und aktiv beteiligt gewesen, für eine Schutzbehauptung, die unglaubwürdig klang.

Der Mann hatte mit der Mutter des Mädchens in einem Mietshaus gewohnt. Von Mai bis August 2012 hat der Mann nach Auffassung des Gerichts sein Opfer mehrfach in seine Wohnung gelockt und missbraucht. Er soll das Mädchen in seiner Wohnung brutal behandelt und ihr den Mund mit Klebeband zugeklebt haben. Zudem soll er ihr die Kehle zugedrückt und ihr mit dem Tod gedroht haben.

Ob diese Vorwürfe – die das Landgericht Marburg als vom Angeklagten begangene Taten gewertet und verurteilt hat – als Geiselnahme zu werten sind, wird nun erneut geprüft. Kommt das Gericht zum Schluss, dass dies nicht der Fall ist, steht zu vermuten, dass sich die Gesamtstrafe reduziert, da die Geiselnahme in der elfeinhalbjährigen Haftstrafe einbezogen ist. Bestätigt das Landgericht das Urteil, muss der Angeklagte höchstwahrscheinlich die verhängte Strafe absitzen.

von Silke Pfeifer-Sternke

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