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Landgericht hebt im Berufungsprozess Haftstrafe auf

Berufungsverfahren Landgericht hebt im Berufungsprozess Haftstrafe auf

Zu einer Bewährungs­strafe wurde ein mehrfach vorbestrafter Biedenkopfer verurteilt, der über Facebook eine 13-Jährige zu sexuellen Handlungen aufgefordert hatte.

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Vor dem Landgericht Marburg wurde eine Haftstrafe aufgehoben und stattdessen eine Bewährungsstrafe verhängt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Marburger Landgericht änderte ein Urteil des Amtsgerichts Biedenkopf, das keine positive Sozialprognose gesehen hatte, ab. „Unterm Strich haben sie gewonnen, aber gerade so, ganz knapp“, betonte Richter Dr. Thomas Wolf, Vorsitzender der Berufungskammer, am Ende der Verhandlung. Er bezog sich darauf, dass der 30-Jährige auf der einen Seite in seinem Leben viel zum Positiven verändert hat, andererseits aber immer wieder straffällig - sogar noch nach dem Amtsgerichtsurteil - geworden ist.

Anders als noch vor dem Amtsgericht, bestritt der Angeklagte die Tat nicht, begrenzte seine Berufung auf die Frage der Strafaussetzung. Demnach stand fest, dass er Ende 2012 über das soziale Netzwerk Facebook Kontakt zu Schülerinnen der Mittelpunktschule Dautphetal aufgenommen hat und mit diesen über sexuelle Themen kommunizierte. Eine 13-Jährige forderte er laut erstinstanzlichem Urteil vergeblich auf, sexuelle Handlungen an sich selber vorzunehmen.

Das Amtsgericht verurteilte ihn daher wegen versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu vier Monaten Gefängnis, was unter Einbeziehung einer älteren Verurteilung unter anderem wegen Beleidigung eine Gesamtstrafe von acht Monaten bedeutete.

Späteres Urteil wegen Erpressung

Sechs Monate aus dem ersten Urteil hat der Mann jedoch bereits verbüßt. Bei den sieben Monaten, die jetzt das Landgericht ausurteilte, gilt daher ein Monat als erlassen, einbezogen wurde jetzt ein späteres Urteil wegen Erpressung. Hierzu sagte der Angeklagte, er habe auf diesem Weg ausstehenden Lohn bekommen wollen.

Wegen dieser und anderer Taten schloss Staatsanwältin Annemarie Petri eine Bewährung aus, wenn auch sie dem Mann zugestand, sein Leben zum Besseren gewendet zu haben. Seinem Bewährungshelfer hat der 30-Jährige berichtet, in Frankfurt auf einen Mann, der ihm Geld schulden soll, geschossen zu haben.

Alleine in den vergangenen Monaten, so verlas Petri aus den Akten, sei zudem dreimal gegen ihn ermittelt worden und auch wenn die Verfahren eingestellt wurden, könnten die Fälle herangezogen werden. Neben zwei Schwarzfahrten hatte der Angeklagte bei der Polizei zugegeben, eine Frau über Facebook massiv sexuell beleidigt zu haben.

Neun Monate Bundesfreiwilligendienst absolviert

Zudem hat er mit ihrem Profilbild falsche Nachrichten mit ebenfalls sexuellem Inhalt verbreitet. „Das grenzt schon an virtuellen Totschlag“, befand Richter Wolf. Trotzdem folgte das Gericht den Ausführungen der Verteidigung. Rechtsanwalt Thomas Biek machte keinen Hehl daraus, dass auch er von den von Petri vorgebrachten Vorwürfen überrascht und enttäuscht sei.

„Da kann ich meinen Mandanten auch nicht in Schutz nehmen“. Gleichwohl sei eine Bewährung möglich, weil der aus schwierigen Verhältnissen stammende Biedenkopfer in den letzten zwei Jahren „wirklich etwas hinbekommen hat“.

Nach der Verurteilung durch das Amtsgericht habe er sich, um seine Drogen- und Alkoholprobleme sowie seine Spielsucht in den Griff zu bekommen, einer stationären Therapie unterzogen, der sich eine ambulante Behandlung anschloss. Er habe neun Monate Bundesfreiwilligendienst absolviert und mache derzeit eine Umschulung, die ihm gute Arbeitsaussichten verschaffe, sagte der Verteidiger. Auch habe er inzwischen eine feste Beziehung.

Richter: "Allerletzte Chance"

Dem Wunsch nach einer „allerletzten Chance“ entsprach das Gericht. „Am Ende war es ein Abwägen“, sagte Wolf. Als Bewährungsauflagen muss der Verurteilte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Zudem darf er ein Jahr lang keine sozialen Netzwerke nutzen und muss alle seine Internet-Profile löschen.

Der Angeklagte nahm das Urteil an, weil sich die Staatsanwaltschaft jedoch Rechtsmittel vorbehält, wurde es noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause

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