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Lärm und Messwerte sind im Fokus

Windpark Hilsberg Lärm und Messwerte sind im Fokus

Was die Bad Endbacher jubilieren lässt, stellt für viele Holzhäuser Bürger eine andauernde Belastung dar.

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Von Holzhausen aus sind die Windräder auf dem Hilsberg gut zu sehen.

Quelle: Gianfranco Fain

Holzhausen. Vor allem die niederfrequenten „Wum-Wum“-Geräusche der Anlagen setzen Helga Rohmann-Jurkat zu. Sie fordert das zeitweise Abschalten der Windmühlen oder eine wirksame Lärmreduzierung zur Verbesserung der Lebensqualität, die Sibylle Ossenbach-Beinborn im Freizeit- und Erholungswert des Dorfes gemindert sieht.

Denn schon bei Einhaltung der Richtwerte müssten die Holzhäuser nachts eine Verfünffachung des Lärms von zuvor 20 bis 25 auf jetzt 40 Dezibel (dB A) plus Zuschläge hinnehmen, ergänzt Andreas Knoll von der BI Holzhausen.

Der Lärm, die Schändung der Natur sowie die verminderte Lebensqualität im Ort bleiben den Standortgegnern, seitdem die gerichtlichen Auseinandersetzungen nach vierjährigem Kampf gegen die Pläne der Nachbargemeinde Bad Endbach im Dezember 2015 vor dem Verwaltungsgericht Gießen niedergelegt wurden (die OP berichtete).

Beidseitiges Misstrauen

Resigniert haben die Standortgegner aber nicht. Sie änderten ihre Strategie, haben ein waches Auge darauf, dass die Bedingungen der Betriebsgenehmigung für die Windkraftanlagen eingehalten werden. Doch das Verhältnis zwischen Aufsichtsbehörde, dem Regierungspräsidium (RP) Gießen und den Holzhäusern ist weiterhin angespannt.

„Die glauben uns nicht und wir trauen denen nicht“, beschreibt Dieter Jurkat von der BI die Situation. Aktueller Streitpunkt sind die Lärmmessungen, die das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) seit Ende Mai 2015 mit einer mobilen Messstation im Auftrag des RP ausführt.

Kurz vor Weihnachten erhielten BI-Mitglieder im RP Einblick in die bisherige Auswertung der Messergebnisse. Doch das fanden sie ziemlich unbefriedigend. „Zwei bis drei DIN-A4-Seiten mit vorausgewerteten Lärmwerten bei insgesamt 24 Messungen, die per Knopfdruck von uns an der Messanlage ausgelöst wurden“, berichtet Jurkat. „Das waren für uns keine repräsentativen Aussagen zum Lärm der Hilsberganlagen.“

Mittelwerte, durch Hochrechnung einer zehnminütigen Aufzeichnung auf eine Stunde ermittelt, hielten keinem Vergleich mit einer 24-stündigen Dauerbeschallung Stand, findet Jurkat. Zudem sei der Messwagen am 7. November ausgefallen, just als der Wind auf Süd bis Nordwest drehte und das Dorf „sehr aktiv beschallt“ wurde, fügt er an.

Spezialsoftware wertet aus

Laut der stellvertretenden RP-Pressesprecherin Ina Velte „zeigen alle bisherigen Messungen die Tendenz, dass die Richtwerte nach TA Lärm eingehalten werden, also genehmigungskonform sind.
Bisher wurde in Holzhausen gemessen: an der Stegerstraße von Mai bis Ende August, „Am Leimenstück“ vom 22. September bis zum 9. November, als die Anlage um 15 Uhr ausfiel, und Ende Januar nochmals aufgestellt werden sollte.

Im Anschluss soll noch eine Messperiode im Kiefernweg folgen. Das Gerät sendet die Daten per Mobilfunk an das (HLUG) in Wiesbaden, wo sie mit einer Spezialsoftware ausgewertet und an das RP Gießen geleitet werden. Liegen alle Messungen vor, wird es eine abschließende Auswertung geben.

Doch auch BI-Mitglied Andreas Knoll beklagt, dass eben nur wenige der 25 von der BI ausgelösten Aufzeichnungen am Standort 1, nämlich 16, ausgewertet wurden. „Dennoch festgestellte Überschreitungen der Spitzenwerte wurden durch die Bildung von Einstundenmittel weggerechnet“, so Knoll.

Ergebnisse nach den Ferien

Und durch den Defekt sei zu vermuten, dass die wenigen aufgezeichneten Messungen ebenfalls nicht korrekt waren. Denn: „Private Messungen haben deutliche Überschreitungen ergeben“, sagt Knoll.
Aufzeichnungen an 
zwei Messorten beendet

Am Mittwoch teilte RP-Pressesprecherin Gabriele Fischer auf Anfrage mit, dass ein externes Sachverständigenbüro seine Messungen beendet habe, die Auswertungen voraussichtlich nach den Osterferien verfügbar seien. Seit Dienstag steht die Anlage am Messort 3, Kiefernweg.

Weiterhin teilte Fischer auf Anfrage mit, dass die Nachbilanzierung der beim Bau des Windparks beanspruchten Flächen noch nicht stattgefunden habe, da mit der Wiederaufforstung noch nicht begonnen wurde. Verstöße gegen die Auflagen seien ihr nicht bekannt, das RP sei aber nicht mehr die alleinige Überwachungsbehörde.

von Gianfranco Fain

 
Hintergrund
Ina Velte, stellvertretende Pressesprecherin des RP Gießen,  erklärt, wie Lärmmessungen nach anerkannten Verfahren und die Auswertung nach TA Lärm erfolgen. „Für die Bestimmung des Messwertes wird grundsätzlich eine Stunde zu Grunde gelegt und der sogenannte Mittelungspegel gebildet. Dieser beschreibt einen linearen Wert aus einem auf- und abschwellenden ungeordneten Pegelverlauf und ist die Grundlage für die Lärmbeurteilung. Wenn in einer Stunde nur eine kürzere Einwirkzeit aufgetreten ist, dann kann auch nur diese herangezogen werden. Einzelne Geräusch‑spitzen werden berücksichtigt und gehen nicht unter.“
 
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