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Kuckuck bleibt, Schröder geht

Hinterland Kuckuck bleibt, Schröder geht

Auf insgesamt 49 Arbeitsjahre, davon fast 37 als Gerichtsvollzieher, blickt Heinz Schröder zurück.

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Obergerichtsvollzieher Heinz Schröder zeigt das Markenzeichen seiner Zunft: das Pfandsiegel, im Volksmund Kuckuck genannt.

Quelle: Gianfranco Fain

Biedenkopf. „Am Freitag ist mein erster freier Tag“, sagt Heinz Schröder; und wie er die folgenden verbringen will, steht auch schon fest: „Um meine 6 Enkelkinder kümmern.“ Weitere Tätigkeiten fallen dem 65-Jährigen erst nach einiger Zeit ein: „Arbeiten im Garten und im Haus sowie Radtouren – zum Leidwesen meiner Frau mehrtägige“, fügt er noch an.

Für Hobbys hatte der Weifenbacher in den fast 37 Jahren keine Zeit, beantwortet die Frage danach mit „das war schon mein Beruf“.
Der Berufswunsch reifte in ihm schon früh. Als Kind bewunderte er einen Gerichtsvollzieher, der in seinem Geburtsort nahe Homberg eine angesehene Persönlichkeit war. „Ab meinem 16. Lebensjahr habe ich darauf hingearbeitet“, erzählt der dreifache Vater. Ein Entschluss, der ihm während des Ablegens der Prüfung zum Rechtsanwaltsgehilfen in Kassel auch die Bekanntschaft mit seiner späteren Ehefrau Inge ermöglichte.

Nach Bundeswehr, mittlerem Justizdienst und der anderthalbjährigen Ausbildung zum Gerichtsvollzieher folgte eine Rundreise an hessische Gerichte, die ihn mit Orten und Personen des Zeitgeschehens zusammenbrachte. So war er in den 70er Jahren in Frankfurt bei der Zwangsräumung der Häuser im Kettenhofweg im Einsatz, wurde in Herborn von einem Kollegen abgelöst, der später im Dienst erschossen wurde, musste in Wiesbaden im Rotlichtviertel pfänden, bis er über Marburg, Langen und Frankenberg 1980 in Biedenkopf ankam.

In dieser Zeit wandelte sich auch das Berufsbild. „Man wird oft beschrieben als der Vollstrecker, der die Leute in den Ruin treibt“, sagt Schröder. Das sei am ehesten noch bis 1977 so gewesen, als es üblich war, bei Hausbesuchen als erstes den Fuß in den Türspalt zu stellen. Seitdem werden Durchsuchungsbeschlüsse zugestellt. „Das hat den Vorteil, dass die Leute wissen, dass es nach einer Frist richtig unangenehm wird“, weiß der Obergerichtsvollzieher diesen „Türöffner“ durchaus zu schätzen.

von Gianfranco Fain

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