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Kreis räumt Flüchtlingsunterkunft

Mängel am Gebäude Kreis räumt Flüchtlingsunterkunft

Am Montagmorgen begann der von der Kreisverwaltung organisierte 
Umzug der Flüchtlinge aus der alten Molkerei 
in Lohra nach Gladenbach, Weidenhausen 
und Neustadt.

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Mitarbeiter des Lohraer Bauhofes trugen am Montagvormittag die letzten Habseligkeiten der Flüchtlinge zusammen, die in der alten Molkerei in Lohra untergebracht waren, und brachten sie den ­Eigentümern in ihre neuen Unterkünfte.

Quelle: Gianfranco Fain

Lohra. Elfriede Köhler ist am Boden zerstört. Sie und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter stehen vor dem Nichts. Der lange Einsatz um und mit den Flüchtlingen nahm am Montagmorgen ein jähes Ende. Alle Aktivitäten und Bemühungen um die Integration der in Lohra untergebrachten Menschen scheinen vergebens.

Diese stehen vor einem erneuten Neuanfang, ob es den für die Lohraer Flüchtlingshelfer im Ort geben wird, ist ungewiss. Als Köhler am Vormittag mit den Mitarbeitern des Lohraer Bauhofes in der Flüchtlingsunterkunft die letzten Habseligkeiten der Flüchtlinge zusammenpackt, sind diese schon lange weg, abgeholt in den Morgenstunden, verteilt in andere Unterbringungsmöglichkeiten, die der Landkreis Marburg-Biedenkopf gemietet hat.

Klar ist nur, dass die Lohraer sich um die Menschen, die ihnen ans Herz gewachsen sind, auch an ihren neuen Wohnorten betreuen wollen – wenn das geht. „Mir blutet das Herz“, presst sichtlich geschockt Elfriede Köhler hervor.

Beschwerden von Bewohnern waren lange bekannt

Doch weder sie noch die Mitarbeiter der Verwaltungen des Gemeinde und des Landkreises wollen etwas zu den Hintergründen der Verlegung oder den nach OP-Informationen „unhaltbaren Zuständen“ in der Unterkunft sagen. Sie verweisen auf das Landratsamt, das sei Chefsache, Ansprechpartner ist der Erste Beigeordnete Marian Zachow.

Dieser erklärt, die seit 2012 fortwährende Zusammenarbeit des Landkreises mit dem Hausbesitzer, obwohl es schon in der Vergangenheit Beschwerden an der Unterkunft gab: „Der Vermieter hatte in der Vergangenheit festgestellte Mängel zunächst zufriedenstellend beseitigt.“ Allerdings seien­ die Bewohnerinnen und Bewohner seinerzeit ebenfalls in anderen Unterkünften untergebracht, bevor diese Mängel behoben wurden.

Hinsichtlich des jetzigen Auslösers beziehungsweise der herrschenden Zustände in der Flüchtlingsunterkunft hält sich Zachow bedeckt. Da es sich um einen Mietvertrag handelt und die Vertragspartner den Anspruch auf eine gewisse Vertraulichkeit haben, könne er dazu keine Details benennen.

„Es sind verschiedene Mängel festgestellt worden, die eine angemessene Unterbringung derzeit nicht mehr möglich machen“, erklärt Zachow, aus dessen Sicht ein kurzfristiges Erreichen adäquater Umstände „nicht realistisch“ ist. „Der Landkreis darf die Bewohnerinnen und Bewohner nicht einem gesundheitlichen Risiko­ aussetzen, daher erfolgte die Verlegung in andere Unterkünfte.“

Die Zurückhaltung des Ersten Beigeordneten dürfte mit möglichen juristischen Auseinandersetzungen zusammenhängen. Denn der Kreis ist an den Mietvertrag noch bis zum 30. November 2017 gebunden. Ob es ein rechtliches Nachspiel geben wird, blieb am Montag offen.

von Gianfranco Fain

 
 
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