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Kreis-Koalition lässt Ärzten freie Hand

Ausschuss Kreis-Koalition lässt Ärzten freie Hand

In zwei Ausschüssen hebelte die Kreiskoalition den SPD-Antrag zum Erhalt des Ärztlichen Bereitschaftdienstes im Landkreis aus und beschloss der Ärzteschaft kein Organisationsmodell vorzuschreiben.

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Wenn die Pläne der Ärzteschaft des Kreises umgesetzt wird, stehen Patienten demnächst vor einer verschlossenen Bereitschaftszentrale in Gladenbach.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Marburg. Die im Raum stehende Schließung der ärztlichen Bereitschaftsdienste in Gladenbach, Biedenkopf und Stadtallendorf sorgte in den Ausschüssen des Kreistages erneut für hitzige Diskussionen. Während die SPD den Erhalt aller Standorte fordert, wirft ihr die Koalition vor, einseitig die Belange der Ärzte nicht zu beachten. „Eine Neuregelung, die verschiedene Interessen angemessen berücksichtigt“ müsse angestrebt werden.

Am Donnerstag beschäftigten sich sowohl der Ausschuss für Familie, Jugend, Soziales, Arbeit und Gesundheit, als auch der für Wirtschaft, Infrastruktur, Erneuerbare Energien, Landwirtschaft und Umwelt mit dem Thema.

Die Sozialdemokraten hatten einen Antrag eingebracht, der vorsieht, neben dem Erhalt der Standorte die Belastung der Ärzte im ländlichen Raum durch die Einführung eines übergeordneten einzelnen Bezirks zu verringern. Klaus-Dieter Engel betonte im Wirtschaftsausschuss, dass so auch ein Arzt beispielsweise aus Niederweimar Dienst in Gladenbach verrichten könne.

Im Sozialausschuss verwies Fraktionskollege Hans-Gerhard Gatzweiler darauf, dass für Marburg-Wehrda etwa 200 Ärzte zur Verfügung stünden, für Gladenbach aber nur 30, das werde sich so ändern. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hatte argumentiert, dass mindestens 50 niedergelassene Ärzte in einem Bereitschaftsdienst-Bezirk angesiedelt sein müssten.

Gatzweiler betonte, dass der SPD-Vorschlag die Interessen der Ärzte und die Befürchtungen der Bevölkerung austarieren würde, er wisse jedoch, dass der Kreistag letztendlich keinen Einfluss auf die Entscheidung der KV haben werde.

Erster Kreisbeigeordneter Karsten McGovern (Grüne) warf den Sozialdemokraten vor, nicht langfristig zu denken. Es sei jetzt schon schwer, für Praxen in ländlichen Regionen Nachfolger zu finden. Durch die Forderung könnten noch mehr junge Mediziner abgeschreckt werden und sich anderswo orientieren. Die KV strebe an, Gladenbach zu schließen und nur noch drei „Sitzdienste“ im Kreis vorzuhalten. Der Wille der Ärzte der Region sei aber ein einziger Bereitschaftsdienst in Marburg-Wehrda. Dort und an den anderen Standorten solle ein Fahrdienst für diejenigen sorgen, die nicht mobil seien, so McGovern (Grüne).

Darin liege sogar eine Verbesserung, argumentierte im Sozialausschuss Werner Waßmuth (CDU). Allerdings, so sagte am Rande der Sitzung Jens Fricke (Piratenpartei), entscheide der Patient, ob er die Bereitschaft aufsuche, der Arzt jedoch, ob er zum Patienten fahre.

Fricke unterstützt den SPD-Antrag „weil es ihm angesichts der Situation in Biedenkopf mit der drohenden Schließung der Geburtshilfe ein Bedürfnis ist“. Schließlich wurde in beiden Ausschüssen gegen die Stimmen von SPD und Linke ein Änderungsantrag der Koalition beschlossen. In diesem heißt es, es sei „nicht richtig, der Ärzteschaft in der Region ein bestimmtes Organisationsmodell vorzuschreiben“.

Man appelliere, die Interessen aller angemessen zu berücksichtigen. Es sei nicht gut, „wenn Ärztinnen und Ärzte […] durch konfrontatives Vorgehen öffentlich vorgeführt beziehungsweise abgeschreckt werden“. Über die letzte Formulierung empörte sich Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD). Denn das sei ganz sicher nicht die Absicht der Sozialdemokraten, deren es um eine gute Versorgung gehe.

Gatzweiler hatte Befürchtungen geäußert, dass die Menschen die Bereitschafts-Zentrale bei langen Wegen nicht mehr aufsuchten. Die KV rechne für Wehrda mit kaum mehr Patienten als bisher. McGovern verwies darauf, dass in Notfällen der Rettungsdienst natürlich in vollem Umfang erreichbar sei, dieser dürfe nicht mit dem Bereitschaftsdienst verwechselt werden.

  • Am Samstag, 13. April, ist in Gladenbach eine Demonstration gegen die Schließung der Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentralen im Hinterland geplant. Dies wurde am Donnerstagabend bei der Gemeindevertretersitzung von Lohras Bürgermeister Georg Gaul bekanntgegeben.

von Heiko Krause

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