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Krank, gehbehindert, stehen gelassen

Busbeförderung Krank, gehbehindert, stehen gelassen

Keine Fahrt nach Gladenbach für eine 80-Jährige und ihren Rollator nach einem Arztbesuch in Marburg. Begründung der Busfahrerin: Es sei schon ein Rollstuhlfahrer an Bord. Eine missliche Situation, aber richtig gehandelt sagen RNV-Sprecher und Busunternehmer.

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Kein Zustieg in die Buslinie 383: Evelyn Bartels musste in Marburg bleiben, weil schon ein Rollstuhlfahrer an Bord des Busses war.
Fotos: Fain/Berge

Gladenbach. Hilflos und im Stich gelassen, so fühlt sich Evelyn Bartels am Dienstag. Die 80-Jährige ist chronisch krank, kann nur mit Hilfe eines Rollators gehen und kommt gerade von einem Arztbesuch. Die Gladenbacherin will in der Marburger Universitätsstraße in den Bus der Linie 383 steigen, der sie zurück nach Hause bringen soll - in die rund 20 Kilometer entfernte Hinterland-Stadt.

Der Bus kommt auch kurz nach 15 Uhr, doch für Bartels gibt es keine Mitfahrgelegenheit. Es sei schon ein Rollstuhlfahrer an Bord, mehr ginge nicht, habe ihr die Busfahrerin gesagt. Auch der Hinweis, dass sich der Rollator ja zusammenklappen lasse, nutzt nichts. „Sie machte den Eindruck, als wollte sie mich zurückdrängen, wenn ich versuchen würde, einzusteigen“, erzählt die immer noch verstörte Gladenbacherin.

Sie geht, telefoniert mit einem Bekannten, doch der findet sie nicht und so wartet sie „drei Stunden bei Regen und mit Rückenschmerzen“ an der Haltestelle auf einen weiteren Bus. Was Evelyn Bartels gar nicht versteht: Auf der Hinfahrt war neben ihr auch ein Rollstuhlfahrer im Bus dabei.

„Eine blöde Situation, keine Frage“, sagt dazu Heinz-Konrad Debus. Das Problem sei bekannt, aber nicht schnell zu lösen, ergänzt der RNV-Geschäftsführer. Weil die Niederflurfahrzeuge nur für die Mitnahme einer begrenzten Zahl von Rollstühlen ausgelegt seien, und wenn die belegt sind, müsse der oder die Fahrerin im Sinne der Transportsicherheit so handeln. Gerade auf der langen und hochfrequentierten Linie 383 könne es zu Transportproblemen kommen, nimmt Debus die Chauffeure in Schutz, die er als „sehr engagiert“ bezeichnet.

Aufgrund des Fahrgastaufkommens womöglich entstehende Probleme, nennt auch Andreas Bender als Ursache. So habe die Fahrerin auf derselben Tour in Mornshausen einem Fahrgast mit Kinderwagen den Zustieg verweigern müssen, weil eben schon zwei Rollstuhlfahrer im Bus saßen. Dabei, so der Gesellschafter des Busunternehmens Becker und Bender, das im Auftrag des RNV das Linienbündel West bedient, sei der betreffende Bus wegen der Befestigungsmöglichkeit gar nur für die Mitnahme eines Rollstuhls ausgelegt. Darauf habe die Fahrerin die Betreuer zweier Behinderter am Marburger Hauptbahnhof auch aufmerksam gemacht, als sie die Rampe ausfuhr.

Jedoch sei der zweite Rollstuhlfahrer samt Gefährt von den Betreuern unbemerkt von der Fahrerin in den Bus gesetzt worden, während diese an ihrem Führerstand den Bus wieder startklar machte. Das habe die Fahrerin erst später bemerkt, konnte jedoch einen der Rollstuhlfahrer „auch nicht auf freier Strecke aussetzen“.

Sie habe Evelyn Bartels auch erklärt, dass der Rollator selbst zusammengeklappt nicht mitgenommen werden könne, weil keine weitere Befestigungsmöglichkeit für das Gefährt vorhanden sei. Zudem habe sie die 80-Jährige darauf hingewiesen, dass der nächste Bus der Linie 383 in 20 Minuten folge und gebeten, diesen zu benutzen. Einen Hinweis, den die Gladenbacherin in ihrer Verärgerung und Verwirrung offenbar nicht registriert hat.

Insgesamt habe die Fahrerin sich korrekt verhalten, sagt Andreas Bender, entschuldigt sich aber dennoch bei Evelyn Bartels für die erlittenen Unannehmlichkeiten.

von Gianfranco Fain

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