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Koppers hält seit 75 Jahren die Treue

Jubiläum Koppers hält seit 75 Jahren die Treue

Es war ein Novum in der Vereinsgeschichte, als der ehemals begeisterte Fußballer vor wenigen Wochen für seine lange Vereinszugehörigkeit geehrt wurde.

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Karl-Heinz Koppers erinnert sich gerne an seine aktive Fußballzeit. Das kleine Foto zeigt die Mannschaft von Rot-Weiß Hartenrod, die im Jahre 1947 gegen Eintracht Frankfurt spielte. Ganz rechts ist Karl-Heinz Koppers zu sehen.Foto: Helga Peter/Privat

Hartenrod. „Ich habe in meinem Leben unheimliches Glück gehabt“, ist sich Karl-Heinz Koppers sicher. Der gebürtige Hartenroder erblickte am 24. Juni 1925 in dem heutigen Bad Endbacher Ortsteil das Licht der Welt, besuchte dort die Volksschule. Später beendete seine Einberufung 1943 in das Reichsarbeitsdienstlager in Ewersbach und die Kriegseinsätze abrupt die berufliche Laufbahn des gelernten Drehers, der an der Gewerbeschule Gießen studierte.

Viel zu erzählen weiß der 88-Jährige und die Kriegserlebnisse werden wach. Er berichtet von seiner Bewerbung zur Luftwaffe, um einem Einsatz in Russland zu entgehen. Seine gute sportliche Kondition habe ihn zwar zum Gruppenersten im sportlichen Wettbewerb gemacht, zum Luftwaffeneinsatz sei es jedoch nicht gekommen.

Für ihn endete der Krieg Anfang Mai 1945 in Innsbruck. Etwa Mitte Mai war er wieder in Hartenrod und half beim Wiederaufbau seines Elternhauses, das als einziges Hartenroder Gebäude einen Volltreffer erlitt. In Herborn besuchte er 1947/1948 die Handelsschule und arbeitete später als Handelsvertreter.

Gerne erinnert sich Koppers an seine Zeit als Fußballer, ganz präzise gar an sein erstes Spiel 1939 in der Jugendmannschaft gegen Holzhausen, das mit ihm im Tor 8:2 für Hartenrod ausging. In der Jugendmannschaft des SV Rot-Weiß Hartenrod kickte er von 1939 bis 1942. Gut erinnert er sich noch an den alten Fußballplatz auf dem „Weltersberg“, auf dem die Spieler bei Regen im Matsch fast versanken.

Zu den Auswärtsspielen war er damals zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Eines der ersten Spiele sei das gegen Weidenhausen gewesen. Stolz erinnert sich Koppers dabei auch an ein Spiel von Rot-Weiß Hartenrod gegen Eintracht Frankfurt im Jahre 1947. In der Bezirksklasse habe er gespielt. In einem Spiel gegen den VfB Gießen habe er sich eine Knöchelfraktur eingefangen, an der er zwei Jahre laborierte. Dabei erinnerte er sich auch an ein Spiel, zudem er von Mainzlar aus mit dem Zug nach Marburg gelangen wollte und dieser lediglich bis Niederwalgern fuhr. Dort habe er sich ein Fahrrad ausgeliehen und ganz knapp zum Spielanfang das Marburger Stadion erreicht. Dieses Spiel sei 3:1 ausgegangen. Mit dieser Niederlage hätten die Marburger Fußballer ganz gewiss nicht gerechnet, zumal diese damals schon die besten Spieler eingekauft hätten.

Im Jahre 1953 habe er sich einen VW-Bus zugelegt und zu den auswärtigen Spielen dann einen Großteil der Mannschaft transportieren können. Bis etwa zu seinem 60. Lebensjahr habe er dem Fußballsport gefrönt, dabei auch in einer Altherren-Mannschaft in Endbach gespielt. Gerne erinnert er sich an Freundschaftsspiele in der Altherren-Mannschaft in Italien am Gardasee, in Dänemark, in Holland oder auch in Lüdenscheid.

„Samstags nach 13 Uhr war Fußballzeit. Im Winter wurde in der Turnhalle trainiert und im Sommer im Freien“, so Karl-Heinz Koppers. Seine Frau habe immer hinter seinem Hobby gestanden, mit ihr sah er sich Bundesliga- und Länderspiele an.

Koppers, der in Bad Endbach am Kurpark ein Grundstück erwarb, 1956 dort ein Haus baute und ein Kaufhaus betrieb, brachte sich aktiv in die Werbung für den aufstrebenden Kurort ein. Er gehörte dem Kurverein an und fuhr jedes Jahr zweimal in das Ruhrgebiet. Dort suchte er Betriebe und Reisebüros auf und warb auch beim Landschaftsverband für Endbach. Diese Werbung sei so erfolgreich gewesen, dass nicht alle Kurgäste in Endbach unterkamen und auf die umliegenden Orten verteilt wurden.

„Wenn ich alles aufgeschrieben hätte, welche Situationen, darunter viele gefährliche, mir in meinem Leben begegnet sind, das wäre sicher sehr interessant gewesen“, so das 88-jährige Ehrenmitglied des Sportvereins Rot-Weiß Hartenrod, das noch heute fast alle Heim- und Auswärtsspiele von Rot-Weiß besucht.

von Helga Peter

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