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Körperverletzung: Gatte muss Geldstrafe zahlen

Amtsgericht Körperverletzung: Gatte muss Geldstrafe zahlen

Weil er seine Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in Lohra schlug, muss ein 52-Jähriger eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro zahlen.

Lohra. „Das ist ein Fall am Ende einer Ehe, der mit Mitteln des Strafprozesses nur bedingt erreichbar ist“, resümierte gestern Amtsgerichtsdirektor Cai Adrian Boesken. Zuvor machte die Verhandlung deutlich, dass die Tat den Schlusspunkt einer mehr als problematischen Beziehung setzte.

Die 51-jährige Frau berichtet, dass es seit vielen Jahren immer wieder Streit gab, auch handgreiflich wurde ihr Mann öfters. „Ich habe ihn geliebt, immer gedacht, es wird besser und er kriegt sein Alkoholproblem in den Griff“, so die Zeugin. Aber nun habe sie Anzeige erstattet und werde sich scheiden lassen, erklärt sie: „Wenn das alle paar Monate vorkommt, dann reicht es mal.“

Einmal gab es beispielsweise Streit um eine Mikrowelle. Ihr Mann sei betrunken gewesen „und dann ist die Mikrowelle zusammen mit der Kaffeemaschine herumgeflogen“. Auch da rief sie schon die Polizei, weil er sich wie immer in den Weg stellte.

Worum es im Streit vor der Ohrfeige im Juli 2013 ging, das wisse sie nicht mehr. Zuletzt gab es jedenfalls ein Gerangel. Mit einer leichten Gesichtsprellung, einer Schwellung am Auge und Rötungen an den Handgelenken ging sie erst zum Arzt und dann zur Polizei.

Am Ende der Verhandlung gestand auch der Angeklagte, „nach allem, was ich gehört habe, könnte es sein, dass ich meine Frau geschlagen habe“. Zunächst bestritt er den Vorwurf vehement. Mehrfach habe die Frau behauptet, er misshandele sie, nur damit die Polizei ihn bei Streit der Wohnung verweise. Später habe sie ihn immer wieder aufgenommen, und warum hätte sie dies tun sollen, wenn die Vorwürfe stimmten. Später meinte der 52-Jährige, dass er die Tat eventuell wegen seines Alkoholkonsums vergessen oder verdrängt habe.

Er sei immer eifersüchtig gewesen, sagte der Angeklagte. In diesem Zusammenhang habe er auch schon mal gesagt, wenn jemand Fremdes die Wohnung betrete, bringe er ihn um. Ursprünglich mit angeklagt war „Nötigung“, weil er seiner Frau für diesen Fall mit dem Tod gedroht habe, damit keine Polizei ins Haus kommt. Dieser Vorwurf wurde aber auf Antrag der Staatsanwaltschaft fallengelassen.

Rein rechtlich handele es sich um eine leichte Körperverletzung, sagte Boesken. Allerdings sei klar, dass auch tiefe seelische Spuren blieben. Bereits vor zwei Jahren wurde der Mann wegen Misshandlung seiner Frau, Widerstand gegen Polizisten in diesem Zusammenhang und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz, laut dem er zu Hause Hausverbot hatte, verurteilt.

„Vielleicht war es ein Fehler, das per Strafbefehl zu erledigen“, stellte Boesken fest. Ein Warnschuss vor einem Richter wäre rückblickend besser gewesen. „Sie sind Täter - hier und der gescheiterten Ehe“, so Boesken weiter. Der Angeklagte habe viele Chancen bekommen, „aber jetzt sieht es so aus, als ob die Tür zu ist.“

Diese Ansicht vertrat auch Nebenklägeranwalt Oliver Staab: „Durch sein Alkoholproblem ist er ein pathologisch eifersüchtiger Mensch, der sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Aber die Lösung kann es nicht sein, seine Ehefrau zu vertrimmen.“ Staab forderte den Angeklagten auf, im bevorstehenden Scheidungsverfahren seiner Mandantin keine Steine in den Weg zu legen.

Das Gericht verurteilte den 52-Jährigen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen, insgesamt 900 Euro. Das auch für eine Trunkenheitsfahrt mit fast zwei Promille, die er ebenfalls gestand.

Weil alle Beteiligten Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil rechtskräftig.

von Heiko Krause

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