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Kleine Nager richten große Schäden an

Experte über Mäuseplage Kleine Nager richten große Schäden an

In den vergangenen ­Monaten hat sich die ­Population der Kurzschwanzmäuse extrem ­erhöht. Die kleinen Nager verursachen einen enormen Schaden in der Landwirtschaft und im Forst.

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Die Kurzschwanzmaus schält die Rinde junger Bäume ab. Die Nager sind aufgrund des milden Winters mittlerweile zur Plage geworden.

Quelle: Heribert Theis

Gladenbach. Schäden durch Mäusefraß an Pflanzen in Wald und Feld gibt es Jahr für Jahr. Seit vergangenem Herbst jedoch haben die Schäden einen erheblichen Umfang erreicht.

Das gesamte Ausmaß wird jetzt deutlich. In den Wäldern sind überall verwelkte Jungbäume anzutreffen. Dies betrifft besonders Laubbäume wie die Buche. Für deren Zerstörung wird die Kurzschwanzmaus verantwortlich gemacht. Dieser kleine Nager hat sich in den vergangenen Monaten explosionsartig vermehrt.

„Es herrschen lokal extreme Mäusedichten“, berichtet Dr. Michael Habermann von der „Nord-West-Deutschen Forstlichen Versuchs-Anstalt“ in Göttingen. Habermann leitet dort die Abteilung „Waldschutz“ und ist für vier Bundesländer, auch Hessen, zuständig.

Derzeit herrsche die größte Mäusevermehrung seit 20 Jahren, sagt er, wobei sonst lediglich alle zwei bis drei Jahre ein Populationsanstieg zu verzeichnen war, der sich jedoch in einem normalen Rahmen bewegt habe, berichtet er weiter. Habermann spricht auch von deutlichen wirtschaftlichen Verlusten, der durch Schädigung von Pflanzenkulturen durch die Mäuse entstanden ist.

Nachfallen geben Hinweis auf Verursacher

Die derzeitige Mäuseschwämme hat auch enorme Auswirkungen auf die heimischen Wälder. Forstdirektorin Sigrid Krawilitzki vom Forstamt Biedenkopf sagt, dass in ihrem Zuständigkeitsbezirk massive Schälschäden festgestellt wurden. Neupflanzungen würden hier weniger vorgenommen, jedoch die Naturverjüngungen, also Pflanzen, die sich durch die eigene Saat dort wachsender Bäume entwickeln, seien erheblich betroffen. Bei den jungen Pflanzen würden die Mäuse die Rinde kurz über dem Boden komplett abnagen, was ein Absterben der Pflanzen zur Folge habe.

Auch Achim Bösser, Leiter des Forstreviers Dautphetal-West, hat mit überdurchschnittlichen Ausfällen bei den Naturverjüngungen in seinem Revier zu kämpfen. Die Ursache dafür sei eindeutig den Kurzschwanzmäusen zuzuschreiben, sagt er. Die Zuordnung dieser Verursacher erfolge in drei Stufen, erklärt er. Zunächst müssten Prognosefänge mit Schlagfallen vorgenommen werden. Dabei werden über Nacht 100 Fallen aufgestellt. Der Fang von mindestens zehn Mäusen ergebe eindeutige Hinweise.

Zerstörung der Kulturen liegt über dem Durchschnitt

Danach werde der Fraßbefall an jungen Laubbäumen überprüft und dann das Steckholzverfahren angewandt, wobei Apfelwasserreiser ausgebracht würden, an denen ebenfalls Fraßbefall festgestellt werden kann. Im Anschluss könnten zur Bekämpfung zugelassene chemische Mittel eingesetzt werden. Der Leiter des Forstamtes Kirchhain, Lutz Hofheinz, sieht in der enormen Mäusedichte ebenfalls ein großes Problem. In seinem Bezirk seien etliche Laubbäume neu angepflanzt worden. Die Zerstörung dieser Kulturen durch Mäuse liege deutlich über dem Durchschnitt und erreiche teilweise 50 Prozent.

Neben dem Forst hat auch die Landwirtschaft unter der Mäuseplage zu leiden. Kreislandwirt Martin Henz berichtet über erhebliche Schäden auf den Feldern. Getreidearten, wie Wintergerste und Roggen, aber auch der Raps, seien stark betroffen. Um die Nester der Mäuse in den Feldern herum seien die frischen Blätter der Pflanzen und deren Halme weiträumig weggefressen. Das bedeute einen Ernteausfall, dessen Umfang bislang noch nicht abzusehen sei. Die Mäuseplage zu bekämpfen sei in der Landwirtschaft kaum möglich, weil dies nur mit großem Zeitaufwand und Kosten verbunden sei.

Bekämpfung nur mit zugelassenen Mitteln

Habermann sieht in der Klimaveränderung einen Hauptgrund für die große Vermehrungsrate der Nager. In den vergangenen Jahren seien die Vegetationsperioden länger gewesen. Das bedeute einen etwa 14 Tage früheren Beginn und eine 14 Tage spätere Beendigung. Die Vermehrung der Mäuse habe sich dem zufolge entsprechend ausgedehnt. Hinzu komme zu trockene Winter. Frühere längere Schneeschmelzen hätten zur Überflutung von Mäusebauten und damit zur Reduzierung der wasserempfindlichen Tierpopulationen geführt. Die Schneeschmelzen und die Schneemengen seien gerade in den vergangenen Wintern zu gering gewesen, um eine natürliche Auslese herbeizuführen.

„Grundsätzlich ernähren sich die Kurzschwanzmäuse von Gras“, erläutert Habermann. Wenn im Frühjahr das Gras neu wachse, ließen die Tiere vielfach von Baumpflanzen ab. Die Mäuseplage, so erklärt er weiter, könne zwar mit chemischen Substanzen bekämpft werden, es dürften aber nur zugelassene Mittel eingesetzt werden. Diese enthielten das für die Mäuse tödliche Zinkphosphid.

In den Bekämpfungsmitteln seien aber nur geringe Dosen der Substanz. Dadurch kommen Beutegreifer, wie Füchse oder Bussarde, auf deren Speiseplan die Mäuse stehen, nicht zu Schaden. Laut Habermehl gibt es unterschiedliche Arten von Kurzschwanzmäusen. Zu der Familie gehören Feldmaus, Erdmaus, Rötelmaus und Schermaus, wobei die Schermaus vorwiegend die Wurzeln der Pflanzen angreift und diese dann absterben.

von Heribert Theis

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