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Klage wegen Schmerzensgeld wird fortgesetzt

Gericht Klage wegen Schmerzensgeld wird fortgesetzt

Freitag wird vor dem Landgericht Marburg die Schadensersatzklage gegen das Rheumazentrum Mittelhessen in Bad Endbach fortgestetzt.

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Bad Endbach. Ein 71-jähriger Mann aus Rauschenberg hat das Rheumazentrum Mittelhessen auf die Zahlung von 300.000 Euro Schmerzensgeld sowie materiellen Schadenersatz verklagt. Zudem fordern die Krankenkassen die Erstattung der Behandlungskosten in Höhe von 50.000 Euro. Der Rauschenberger wirft dem Krankenhaus, in dem er wegen einer Spinalkanalstenose (Verengung des Spinalkanals) mit einer Schmerztherapie behandelt worden war, einen Behandlungsfehler vor.

Er beschuldigt das Klinikspersonal für seine Lähmungen verantwortlich zu sein. Der Mann aus dem Ortsteil Bracht war im Dunkeln im Zimmer gestürzt und ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Der Unfall ereignete sich im Herbst 2003. Als Grund für den Sturz gibt der Kläger die Verabreichung von Medikamenten an, die ihm das Personal gegen die Schmerzen verabreichte hatte. Er sei ohne Begleitung der Nachtschwester zurück ins Zimmer gegangen. Dort sei im schwindelig geworden und ihm wurde Schwarz vor Augen.

Die Gabe der Medikamente sieht der Kläger als Hauptgrund für den Sturz an. Ein Gutachter kam in der Verhandlung am 19. November 2008 zu dem Ergebnis, dass der hinzugerufene Arzt die richtige Diagnose, Halswirbelverletzung, nicht gestellt hat, sondern einen Schlaganfall vermutete. Die Krankenschwestern hatten ausgesagt, dass der Gestürzte zu dritt wieder aufs Bett gehoben worden sei. Ein solches Verfahren verstoße gegen Standards, da der 71-Jährige schon nach dem Sturz Lämungen vorwies.

Dies sei ein eindeutiger Hinweis auf eine Halswirbelverletzung. Nach Meinung des Gutachters hatte es das Team aus Arzt und Krankenschwestern versäumt, den 71-Jährigen stabil zu lagern, ohne ihn vom Boden wegzubewegen. Den Bruch des zweiten Halswirbels diagnostizierten erst Ärzte im Universitätsklinikum Marburg. Dort wurde er auch operiert. Seit dem Unfall kann der Mann Arme und Beine nicht mehr bewegen. Der Gutachter ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass der Kläger auch bei einer richtigen Erstdiagnose Lämungen davon getragen hätte.

Bis Ende 2008 hatten sowohl Kläger-, als auch Beklagtenseite Zeit, einen Stellungnahme abzugeben. Bis zum Fortsetzungstermin sind acht Monate vergangen. In dem seit Jahren andauernden Prozess wird Freitag kein Urteil gefällt. Der Vorsitzende Richter wird erläutern, wie er den Sachverhalt bewertet.

von Silke Pfeifer-Sternke

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