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Kirchverser müssen Busse beleben

Öffentlicher Linienverkehr Kirchverser müssen Busse beleben

In der Verstetigung der Nachfrage und somit steigenden Fahrgastzahlen sieht Dr. Karsten McGovern die einzige Chance, die Linie 419 zum Anschluss nach Gießen als reguläre Busverbindung zu erhalten.

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Um 6.57 Uhr steigen Schüler aus Kirchvers in den Bus nach Gießen. Die Linie 419 soll größtenteils auf AST-Verkehr umgestellt werden. Dagegen wehren sich die Kirchverser und forderten während der Ortsbeiratssitzung auf Transparenten den Erhalt der Linie 419 als wichtige Verbindung nach Gießen.

Quelle: Daniela Pieth

Kirchvers. „Wir haben die Pension verloren, die Post ist weg, die Arztpraxis und eine Gaststätte geschlossen und auch die durchgehende Regionalbuslinie nach Gießen wurde vor Jahren eingestellt“, zählt Ortsvorsteher Markus Hemberger auf, der eine „riesengroße Einschränkung der Lebensqualität in Kirchvers“ befürchtet. Ursache des düsteren Ausblicks ist die Absicht des Zweckverbands Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember die Buslinie 419 umzustellen.

Die Linie 419 schließt die Bürger aus dem Verstal mit einem Umstieg in Fellingshausen im Nachbarkreis an die Busverbindung nach Gießen an. Bisher verkehren die Busse mehrmals täglich hin und zurück, ab Dezember sollen nur noch die Busse um 6.57 Uhr nach Gießen und gegen 13 Uhr von dort zurück verkehren, die anderen Fahrten werden auf Anruf-Sammel-Taxi (AST) umgestellt - so der Plan. AST bedeutet, dass jeder, der nach oder von Gießen fahren will, dies eine Stunde vor Abfahrt telefonisch anmelden muss.

Grund für die Umstellung sind wirtschaftliche Zwänge. Außer zu den schultypischen Zeiten werde der Bus kaum genutzt. Das hätten Zählungen ergeben und der ZOV sei deshalb nicht mehr bereit, die Kosten zu tragen.

Die südlichen Lohraer Ortsteile seien wirtschaftlich nach Gießen orientiert, erläuterte Hemberger auch während der Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend. Die Bewohner benötigten eine verlässliche, regelmäßig verkehrende Busverbindung dorthin. Rund 40 Schüler aus Lohras Süden besuchen Schulen in Gießen und sind auf die Busverbindung angewiesen. Die Diskussion zu diesem zentralen Thema verfolgten 16 Zuhörer, meist Eltern von Kindern, die weiterführende Schulen in Gießen besuchen.

Eine der Mütter ist Regina Abel. Sie weiß, was Verschlechterungen der Busverbindungen bedeuten. Schon ihre ältere Tochter büßte die Direktverbindung nach Marburg ein, ihre jüngere, die die Herder-Schule in Gießen besucht, kennt es zwar nicht anders, ihr droht aber die Umstellung auf AST. Die 11-Jährige habe schon einmal in der Woche nachmittags Unterricht, je älter sie werde, desto unregelmäßiger werde der Stundenplan. Was ist , wenn sie mal den Bus verpasst, oder Stunden ausfallen, ist die Mutter besorgt und gibt damit nur einige Bedenken auch der anderen Eltern wieder.

Die Eltern aktivierten den Schulelternbeirat, es gab Gespräche mit dem Ortsvorsteher, Bürgermeister und dem RNV, doch „Herr McGovern rappelt sich nicht.“ Der Erste Kreisbeigeordnete ist für den RNV zuständig, der die Kosten der Linie 419 anteilig trägt.

Auf Anfrage der OP erklärt Dr. Karsten McGovern, er sehe momentan „keine Chance zu intervenieren“. Die Linie liege in der Verantwortung der Gießener Verkehrsgesellschaft und „die Zahlen sprechen aus Sicht des Auftragsgebers nicht für eine feste Linie“. Zwar trage der Landkreis Marburg-Biedenkopf einen Teil der Kosten und die Alternative wäre, die Linie gänzlich zu übernehmen. Das ließe aber die Finanzlage des Kreises nicht zu. „Ich bin froh, wenn wir wenigstens den Standard an anderen Stellen halten können“, sagt der stellvertretende Landrat, der für den Nahverkehr zuständig ist. Der Kreis gerate als Auftraggeber des öffentlichen Nahverkehrs bei steigenden Kosten weiter unter Druck, so McGovern.

Ortsbeirat initiiert Antrag an Gemeindevertretung

Der Erste Beigeordnete des Kreises sieht die Kirchverser in der Verantwortung: „Die Kirchverser müssen beweisen, dass ein Bedarf vorhanden ist.“ Durch eine Verstetigung der Nachfrage könne erreicht werden, dass ein regelmäßiger Busverkehr eingerichtet werden muss. Erleichtert werde dies dadurch, dass der AST-Verkehr bei regelmäßiger Benutzung nur einmal angemeldet werden müsse.

Neben einem Appell an die Kirchverser, die Linie 419 vermehrt zu nutzen, formulierte Ortsvorsteher Hemberger auch einen Antrag für die Lohraer Gemeindevertretersitzung am gestrigen Abend. Der Ortsbeirat Kirchvers beschloss einstimmig diesen Antrag zum Erhalt der Linie 419 in die Gemeindevertretersitzung einzubringen.

von Gianfranco Fain und Anita Ruprecht

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