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Kindheitserlebnisse im Dritten Reich

Buch eines ehemaligen Hitlerjungen Kindheitserlebnisse im Dritten Reich

Der 86-jährige Otto Berg aus dem Hunsrück hat seine Erinnerungen in einem Buch verewigt – auch seinen Aufenthalt als Hitlerjunge 1945 in Biedenkopf und Ludwigshütte.

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Zeitzeuge Otto Berg hat seine Erinnerungen für die Nachwelt in einem Buch festgehalten.

Quelle: privat

Biedenkopf. Seine Erinnerungen an das Dritte Reich hat Otto Berg mit Unterstützung von Joachim Bender in dem 264 Seiten umfassenden Buch „Erinnerungen 1929-1945 – Eine Kindheit im Dritten Reich“ für die Nachwelt aufgeschrieben.

Eine große Hilfe zum Verstehen der damaligen Zeit seien Zeitzeugen wie Otto Berg. Er habe eine Menge Aufzeichnungen gesammelt, schreibt Bender im Vorwort. Damit nicht alles auf dem Müll lande, hatte Berg die Aufzeichnungen Bender überlassen, der wiederum auf der Suche nach Antworten war. Berg hat mit großem Eifer seine Erlebnisse aus der Jugend aufgeschrieben und Bender hat daraus etwas Bleibendes für die Nachwelt geschaffen.

„Hitlerjunge Berg bittet um Auskunft über die Lage an der Front“. Der 15-Jährige wurde geschickt, um zu erkunden, wo noch ein Fluchtweg nach Biedenkopf frei ist. Die Amerikaner waren im Vormarsch. Berg war einer von vier Hitlerjungen, die eigentlich in den Volkssturm, das Kinderbataillon, sollten, um die Wehrmacht zu verstärken. Sechs Ausbilder traten mit ihnen die Flucht an, damit die Jugendlichen nicht als Kanonenfutter enden.

Rotkreuz-Fahne aus Stofffetzen

Von Herborn bis nördlich von Biedenkopf sei noch ein etwa 30 Kilometer breiter Korridor frei. Wie lange noch, war ungewiss. Also brach Bergs Tross auf nach Biedenkopf. Das Krachen der Geschütze wurde immer lauter, es kam genau aus der Richtung, wohin der Weg sie führte.

In Niederdieten wurde nach 32 Kilometer Fußmarsch ein Halt eingelegt. Geschlafen wurde in einer Scheune. Am nächsten Morgen berichteten Einheimische von schweren Kämpfen auf den Straßen und Wegen nach Biedenkopf. Die Zufahrtsstraßen seien fest in amerikanischer Hand, hieß es.

Aus Stofffetzen nähten Bergs Begleiter eine Rotkreuz-Fahne, die sie an einem Pferdefuhrwerk befestigten. Ein mulmiges Gefühl beschlich sie, als sie am 28. April 1945 nach Wolzhausen aufbrachen, um nach Biedenkopf zu gelangen.

Bei Ludwigshütte bemerkten sie einen Posten mit Panzern. Sie versuchten unauffällig zu sein, sich nichts anmerken zu lassen und setzten unbehelligt ihren Weg fort. Unterwegs sammelten sie noch zwei Wehrmachtsfahrräder ein, sodass ab diesem Zeitpunkt immer zwei vorfuhren, um ein Quartier für die Nacht zu suchen.

Der nächste Halt war Eifa. Als der Tross das Nachtquartier betrat, rastete dort schon eine andere Einheit. „Otto“, schrie plötzlich einer. Bergs Großcousin Ernst Schmitt weckte einen weiteren: Ewald Schmitt. Die drei kannten sich von Kindheitstagen an. Die Freude war groß. Auf Stroh und Decken liegend hatte sie sich in der Scheune vieles zu erzählen.

Bergs letzte Station war Welbsleben. Dort wurden er und andere von Einheimischen versteckt, was ihnen wohl das Leben rettete. Dann folgte die Gefangenschaft und schließlich die Heimkehr.

Nach Kriegsende verblassten auch bei Otto Berg die Erinnerungen, der Alltag zog ein. Bald gerieten die Erlebnisse in Vergessenheit. „Sie waren eingeschlossen, bis ich anfing sie aufzuschreiben“, zitiert er in seinem Nachwort.

Nachdem er seine Erinnerungen nun in gedruckter Form vorliegen hat, freut er sich darüber. „Ich habe eine ganze Kiste mit Briefen erhalten“, sagt er. Und berichtet davon, dass er bei der Recherche viele Kontakte aufbauen konnte.

  • Das Buch „Erinnerungen 1929-1945 – Eine Kindheit im Dritten Reich“ ist im Selbstverlag erschienen und bei Otto Berg, Telefon 06762/6294, zu bestellen oder im Internet nachzulesen auf www.ob29-45.de.

von Silke Pfeifer-Sternke

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