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Kinder verstehen das Älterwerden

Projekt Kinder verstehen das Älterwerden

Das Projekt "Alt und Jung - ein starkes Team" startet am 29. April im Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Lohra. Die Kinder der vierten Klasse der Grundschule in Lohra bereiten sich seit vergangener Woche darauf vor.

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Lohra . Das Projekt „Alt und Jung - ein starkes Team“ ist eine gemeinschaftliche Veranstaltung der Grundschule und des Awo-Altenzentrums und der Gemeinde Lohra. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es: „Brücken zwischen Alt und Jung zu bauen und durch aktive Beschäftigung miteinander, lachende und fröhliche Gesichter hervorzurufen“.

Ältere Menschen, die ihren Lebensabend im Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Lohra verbringen, sollen erfahren, dass sie geschätzt und ihre Fähigkeiten noch gebraucht werden.

Die Schulkinder lernen Respekt und Rücksichtnahme und erfahren, dass das Nachlassen der Kräfte, Krankheit und teilweise Hilflosigkeit Teil unserer menschlichen Existenz sind - auch wenn uns in unserem Alltag, zum Beispiel in der Werbung, etwas anderes versprochen wird“, so Markus Hemberger, Leiter der Grundschule Lohra, der neben Angelika Plaicher, Leiterin des Awo-Altenzentrums, und Rosemarie Wolny, Stellvertreterin des Bürgermeisters, einer der Initiatoren des Projekts ist.

Im Schulunterricht bereiten sich die Schüler der vierten Klasse seit vergangener Woche intensiv auf dieses Projekt vor. Dabei behandelten die Kinder Themen, wie: Was bedeutet es, älter zu werden? Welche Vorurteile haben wir gegenüber älteren Personen? Wann ist man alt? Ein Sachtext, indem einige Ansichten zum Altern dargestellt werden, hilft den Kindern, sich an das Thema heranzutasten. Bei der Besprechung des Textes wird deutlich, dass sich die Schüler mit dem Thema auseinandersetzen. Fragen wie: „Ist man alt, wenn man Falten hat?“ beantworten sie zum Beispiel so: „Falten zeigen die Lebensgeschichte eines Menschen. Manche Menschen haben nichts gegen Falten im Gesicht. Andere, die das stört, benutzen eben ‚Anti-Aging-Creme‘“, sagte eine Schülerin.

Auch über die Vor- und Nachteile des Älterwerdens sind sich die Kinder bewusst: „Wenn Menschen älter werden, haben sie mehr Lebenserfahrung. Sie sind weiser und haben deshalb auf vieles eine Antwort“, sind sich die Schülerinnen und Schüler einig. Nachteile sehen sie vor allem in den körperlichen Veränderungen, wie etwa dem Nachlassen der Sehstärke oder Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit.

Gegen Ende der Schulstunde werden mögliche Konflikte zwischen Alt und Jung zum Thema gemacht. Um eine denkbare Lösung für den Streitpunkt „Lärmbelästigung“ zu finden, versetzen sich zwei Jungen in die Rolle zweier fußballspielender Kinder. Ihr Lehrer, Markus Hemberger, übernimmt die Rolle eines genervten Nachbarn, der in Ruhe seinen Mittagschlaf halten will und sich von den spielenden Kindern belästigt fühlt. Ein weiteres Kind aus der Klasse übernimmt die Rolle eines Mediators, der zwischen beiden Parteien vermittelt.

Gemeinsam erarbeiten sie den Kompromiss, dass die Kinder zwar weiterhin Fußball spielen dürfen, aber in Zukunft vereinbarte Ruhezeiten respektieren sollen. „Mit solchen Rollenspielen sollen die Kinder lernen, wie sie solche alltäglichen Generationenkonflikte lösen können und Verständnis für die älteren Generationen entwickeln“, erklärt Hemberger und fügt ein Lob für seine Klasse hinzu: „Die Kinder sind wirklich großartig! Sie gehen mit großer Toleranz und ohne Vorurteile an das Thema heran. Ich freue mich schon sehr auf das Projekt“.

Gemeinsames Malen und Musizieren von Alt und Jung

In den nächsten Schulstunden werden die Kinder über ihre Erfahrungen mit älteren Menschen reden, darüber sprechen, was es bedeutet, Vater und Mutter zu ehren und Probleme im Alter behandeln, wie zum Beispiel die Krankheit Demenz. Auch die Kinder blicken mit Vorfreude auf die kommenden Veranstaltungen: „Wir freuen uns besonders auf das Musik- und Malprojekt und hoffen, dass wir interessante Geschichten von den älteren Menschen erfahren können, denn sie haben schon Vieles erlebt“, sagen Hannah Hoffmann, Leonie Klee und Anna-Lena Schlienbecker.

Hintergründe für das Entstehen des Projekts liegen in der modernen Lebensführung, bei der Kleinfamilien gegenüber dem Mehrgenerationenhaushalt bevorzugt wird. „Früher war es selbstverständlich, dass Alt und Jung gemeinsam in einem Haus lebten und vielfältig voneinander profitierten. Heute ist die Kleinfamilie auch auf dem Land die Regel. Mit dieser Lebensform gehen wichtige Anregungspotenziale verloren, wie etwa die Lebenserfahrung der älteren sowie die jugendliche Unbekümmertheit und Lebensfreude der jüngeren Generationen“, so Hemberger.

Das Generationen-Projekt gliedert sich in vier Einheiten, die vom 29. April bis zum 3. Juni jeweils montags stattfinden. Dabei werden die Kinder, gemeinsam mit den Älteren, moderne und traditionelle Lieder einüben und vortragen, Kennenlern- und Brettspiele spielen und Bildcollagen zu den Farben Grün und Blau gestalten. Ein anschließendes gemeinsames Mittagessen soll dazu dienen, die neuen Bekanntschaften bei Gesprächen zwischen Jung und Alt zu vertiefen.

von Salomé Weber

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