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Kiffern bleibt die Haft erspart

Aus dem Jugendschöffengericht Kiffern bleibt die Haft erspart

Wegen Herstellung und Besitzes von Marihuana wurde ein 50-jähriger
 Biedenkopfer zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mann hatte die Droge
 angebaut, um seine Schmerzen zu lindern.

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Ein 50-jähriger Biedenkopfer und sein Stiefsohn wurden wegen Vertößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt.

Quelle: Kay Nietfeld / dpa

Marburg. In der Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht am Dienstag war dem Frührentner deutlich anzusehen, dass er unter chronischen Schmerzen leidet. Wie schon bei der Polizei, gab er vor Gericht unumwunden zu, von 2012 bis 2015 auf dem Dachboden seines Hauses die Pflanzen für seinen Jahresbedarf von etwa 120 Gramm gezogen zu haben.

„Ich möchte einen Strich ziehen, das war falsch, Schluss, Aus Feierabend“, betonte der Angeklagte. Ein gehaltvolles Geständnis, so befand das Gericht unter Vorsitz von Richter Thomas Rohner. Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren Drogen „in nicht geringer Menge“ sowie vier Pflanzen gefunden worden. Der Anbau der Vorjahre wäre nicht so einfach nachweisbar gewesen, sagte Rohner.

Wegen des Eigenkonsums nur zur Schmerztherapie und nicht zur Gewinnerzielung oder „aus Jux und Dollerei“ ging das Gericht bei dem Besitz von einem minderschweren Fall aus. Weil nicht davon ausgegangen werde, dass der unbescholtene Mann noch einmal straffällig werde, sei auch Bewährung möglich. Als Auflage muss der Biedenkopfer 2000 Euro an das St. Elisabeth-Hospiz in Marburg zahlen.

Vergehen des Stiefsohns fallen unter Jugendstrafrecht

Dass die Polizei auf den Mann überhaupt aufmerksam wurde, lag an der Anzeige einer heute­ 17-Jährigen, die auch die Ehefrau des Mannes und seinen Stiefsohn belastet hatte, die ebenfalls auf der Anklagebank saßen.

Der 22-Jährige gab zu, in mindestens 92 Fällen einem Freund Marihuana überlassen zu haben, indem sie gemeinsam kifften. Der Stoff stamme aber nicht vom Stiefvater. Weil die Mehrzahl der Vorfälle­ im ­Jugend- oder Heranwachsendenalter lagen, kam Jugendstrafrecht zur Anwendung. Der junge Mann muss 150 Arbeitsstunden bei der Jugendkonflikthilfe ableisten sowie Drogenberatung in Anspruch nehmen und gegebenenfalls eine Drogentherapie beginnen.

Einzig auf der Aussage des Mädchens fußte die Anklage gegen die 47-Jährige. Laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft hat sie ihrem Mann bei der Aufzucht der Pflanzen geholfen, was sie bestreitet. „Ich habe es nicht ­toleriert“, sagte die Frau. Wenn ihr Mann in Reha war, „habe ich alles vertrocknen lassen“, was der 50-Jährige bestätigte.

Schwerer wog der Vorwurf ­gegen die Frau, Marihuana an Minderjährige, sprich die Zeugin, abgegeben zu haben.

Die Angeklagte bestritt das. Auch der Freund des Stiefsohnes habe von der Angeklagten Drogen erhalten, sagte die Zeugin, was dieser jedoch verneinte. „Einer lügt hier“, stellte Rohner fest. Weil die 17-Jährige angab, vermutlich an einer psychischen Erkrankung zu leiden, soll ein aussagepsychologisches Gutachten in Auftrag gegeben werden, „auch wenn ich sie nicht per se für unglaubwürdig halte“, betonte Rohner.

Der Fall der Frau wurde abgetrennt und wird in einem neuen Prozess verhandelt. Die Urteile gegen die Männer sind rechtskräftig, weil alle Beteiligten auf Rechtsmittel verzichteten.

von Heiko Krause

 
 
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