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Keine Pommes im "Sans Souci"

Restaurant-Pächter gesucht Keine Pommes im "Sans Souci"

Fünfter Versuch innerhalb von fünf Jahren: Die Kur- und Freizeitgesellschaft sucht einen Pächter, der dauerhaft das Restaurant im Haus des Gastes betreiben soll.

Gladenbach. Die Suche nach einem Betreiber des zentral gelegenen Restaurants scheint zur unendlichen Geschichte zu werden. Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim und Günter Euler, Geschäftsführer der stadteigenen Kur- und Freizeitgesellschaft Gladenbach (KFG), bleiben aber zuversichtlich, dass ein Gastronom gefunden wird, der die Besonderheiten des Restaurants im Haus des Gastes (HdG) meistert und sie als große Chance nutzt.

Ideen gab es viele, manche waren nicht gerade zündend, manchmal stimmte die Chemie zwischen Pächter und Verpächter nicht, ein anderes Mal resignierten die Betreiber an den Strukturen.

Bürgerliche, gut bürgerliche, exklusive und außergewöhnliche Küche boten die jüngsten Betreiber an, am Ende stand immer die Trennung.

Als Karl-Hermann Werner 2009 aus Mornshausen/D. als Betreiber verpflichtet wurde, schien der große Wurf gelungen, Die Stadt hatte bis dahin bereits in die Renovierung der Küche investiert. Werner investierte kräftig, um das Restaurant auf Vordermann zu bringen, doch nach anderthalb Jahren kamen die Trennung und eine lange gerichtliche Auseinandersetzung.

Bürgermeister Knierim nannte damals zwischenmenschliche Probleme als Grund, Werner unter anderem zu großen Einfluss der KFG auf das unternehmerische Geschehen.

Es folgte ein halbjähriges Intermezzo, während dessen man im HdG sehr gut speisen konnte. Dafür sorgten zeitweise zwei Köche und sogar eine Konditorin. Trotz internationaler und außergewöhnlicher Speisekarte kam kaum Publikum, womöglich, weil die gute Küche nicht beworben wurde.

Danach hielt wieder die gut bürgerliche Küche Einzug, mit Erfolg. Doch wieder gab‘s Stress zwischen Pächter und Verpächter und am Ende die Trennung. Ein Jahr lang, bis Ende Dezember 2013, konnte man dann im „Sans Souci“ speisen, zum Schluss war das Restaurant die meiste Zeit geschlossen.

Keine Chance aufeine schnelle Mahlzeit

Schnitzel, Pommes und Co. suchte man dort vergeblich auf der Speisekarte, keine Chance also auf eine schnelle, leckere Mahlzeit, etwa nach einer Sitzung oder Übungsstunde im Haus des Gastes.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass ein Ganztagesbetrieb nur mit einer ausgeklügelten Speisekarte zu gewährleisten ist. Denn die Konkurrenz ist groß. Einen Katzensprung entfernt ist das „Piccolino“ im Freizeitbad „Nautilust“, einen Steinwurf entfernt das Restaurant „Zum Treppche“, wenige Meter weiter - direkt am Marktplatz - das griechische Restaurant „Olympia“, der Imbiss „Loc Phat“ mit asiatischen Spezialitäten, zudem gibt’s auf dem Marktplatz Nicos Bratwurst vom Holz­kohlegrill und donnerstags Leckereien auf dem Wochenmarkt. Um die Ecke in der Teichstraße gibt es das „Kebap-Haus Urfa“, 50 Meter weiter „Valbonas“ Imbiss, 200 Meter weiter an der Ecke Teichstraße/Marktstraße den Pizzaservice „Bella Napoli“, schräg gegenüber die „Cantina“, darüber hinaus kann man in der Marktstraße im „Hotel zu Post“ essen gehen. Daneben - im Hotel Spiel - soll das geschlossene Restaurant alsbald wieder öffnen. In der Adolf-Theis-Straße gibt’s Alis Döner Imbiss.

Auch bei „Alessandro“ im Eis-Café Capri an der Ecke Marktstraße/Teichstraße gibt es Snacks, 50 Meter weiter ist die Pizzeria „Marktstuben“, weiter oben in der Kreuzstraße die „Stadtschänke“.

Große Konkurrenz in der Innenstadt

Auch im Pub „Sir Winston“, und in den Gaststätten „Pferde­stall“, „Laube“ und „Zum goldenen Hirsch“ muss man nicht verhungern. Zudem bieten Rewe, Lidl und Aldi kleine Speisen in ihren Kühlregalen an. Und dann gibt es in der Marktstraße noch den „Pizza-Blitz“. Die Fleischerei Schäfer und Simon hat eine „Heiße Theke“. Ein paar Hundert Meter weiter entfernt vom Haus des Gastes sind die Hotels und Restaurants „Zum Schlossgarten“, „Zum Rosengarten“ und „Hinterländer Schweiz“. Und nicht zu vergessen die Bäckereifilialen „Eckhard“, „Schäfer“, „Kraft“ und „Beimborn“ sowie die Gladenbacher Bäckerei Schmidt an der Ecke Kreuzstraße/Biedenkopfer Straße, bei denen man auch seinen Hunger stillen kann.

Gladenbacher fahren zum Essen auch in die Stadtteile

Darüber hinaus gibt es im Bildungszentrum Verdi und in der Europaschule sehr gute Kantinen. Am Sportzentrum in der Biedenkopfer Straße gibt‘s ein Bistro mit Bestellservice.

Manch einer nimmt auch den Weg bis ins Gewerbegebiet „Im tiefen Graben“ auf sich, um im Imbiss „Zum Grillstübchen“ zu essen. Andere hungrige Gladenbacher fahren schon mal bis nach Weidenhausen, dort gibt‘s gleich drei beliebte Restaurants und Gaststätten. Und nicht zu vergessen das „Kornhaus“ in Mornshausen, betrieben von ehemaligen Pächtern des Restaurants im Haus des Gastes.

Das HdG-Restaurant ist und bleibt in den Augen von Bürgermeister Knierim und Geschäftsführer Euler aber ein Filetstück inmitten der Stadt. „Das Konzept muss stimmen“, sagt der Bürgermeister. Beide sind sich einig, dass eine Reihe von Großveranstaltungen der Gradmesser für den jeweiligen Pächter sind, wie etwa der Abi-Ball oder die Tanzgala. Wer viele Gäste mit der Qualität des Essens und des Services begeistern kann, bekommt automatisch Kundschaft fürs Restaurant. „Bessere Werbung als bei solchen Veranstaltungen kann man für sich nicht machen“, weiß Günter Euler.

Auf der Suche nach einem neuen Pächter hat die KFG in einer Fachzeitschrift annonciert und macht auch kräftig Mundpropaganda. Bis ein neuer Betreiber gefunden ist, sorgt ein Gladenbacher Gastronom für die Besucher im Haus des Gastes, mit Erfolg, wie man hört.

von Hartmut Berge

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