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Jugend-Team schlägt „Junge Hüpfer“

Rollstuhlsport-Gemeinschaft Jugend-Team schlägt „Junge Hüpfer“

Der 16-jährige Marvin Fuchs hat besonderen Anteil am Sieg seines Teams – die meisten Treffer gingen auf sein Konto. Und so nahm er den Pokal für den Turniersieg entgegen.

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Matchwinner Marvin Fuchs freute sich mit seiner Mannschaft über den Pokal.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Bad Laasphe. Am Ende haben es die Jugendlichen den „Jungen Hüpfern“ gezeigt. 8:2 ist die Partie ausgegangen. Ein eindeutiges Ergebnis. Turnierleiter Wolfgang Henkel selbst hat für die „Jungen Hüpfer“ gespielt – so hat sich in diesem Rollstuhlbasketball-Turnier die Mannschaft der Erwachsenen ab 30 Jahren genannt – und hatten am Ende das Nachsehen.

Eigentlich spielte die Frage nach den Platzierungen keine allzu große Rolle; es war schließlich „nur“ ein Freundschaftsturnier – unter Teilnehmern, die in der Rollstuhlsport-Gemeinschaft (RSG) Schloss Wittgenstein aktiv sind und regelmäßig in der Unteren Schloss-Turnhalle zum Training zusammenkommen. Und trotzdem hat so mancher diesem Ereignis entgegengefiebert, denn es war eine Art sportlicher Jahresabschluss der RSG. Und es war nach fünfjähriger Pause das Wiederaufleben des Rollstuhlsport-Wanderpokals, den Wolfgang Henkel im Jahr 2000 initiiert hat.

Im Vorfeld des Turniers gab es eine Trikotspende: Timm Groß, Inhaber des gleichnamigen Hörstudios, hatte für die Sportgruppe einen Satz rot-weißer Wendetrikots im Gepäck. Im neuen Dress begann anschließend die Korbjagd. Für das Turnier teilte sich die Gruppe, der sowohl Rollstuhlfahrer als auch Menschen ohne Mobilitätseinschränkungen angehören, in drei Teams auf: in die „Jungen Hüpfer“ und zwei Jugendmannschaften.

Bozkurt ahnt Unheil: 
 „Die machen uns nass“

In der Auftakt-Partie setzten sich die „Jungen Hüpfer“ mit 12:4 gegen die erste Jugend­mannschaft durch. Im spannenden Duell der beiden ­Jugendmannschaften behauptete sich der spätere Turniersieger mit 10:6. So standen sich im dritten Match zwei punktgleiche Teams gegenüber. Mit ihren schnellen Attacken setzten Andreas Mainz und Marvin Fuchs von der zweiten Jugendmannschaft die „Jungen Hüpfer“ mächtig unter Druck.

Levent Bozkurt, der in der ersten Partie noch mehrfach für die „Jungen Hüpfer“ getroffen hatte, sah es kommen: „Die machen uns nass“, sagte er, als das Spiel noch im vollen Gange war. Immerhin ging sein Team nicht ohne Ehrentreffer aus der Partie. 21 Körbe, erzielt in drei Runden und insgesamt 45 Spielminuten – so stellt sich die zahlenmäßige Bilanz des Turniers dar, das für die Rollstuhlsport-Gemeinschaft Schloss Wittgenstein den letzten sportlichen Höhepunkt des Jahres markierte.

In der Vergangenheit hat die Trainingsgruppe darüber nachgedacht, an Wettkämpfen teilzunehmen. Bislang ist es noch nicht dazu gekommen. Sollte sich dies ändern, dann – so erklärt Henkel – werde man im hessischen Ligabetrieb starten. Für die nordrhein-westfälische Liga seien die Entfernungen zu groß.

Unbekannt ist die Rollstuhlsport-Gemeinschaft Schloss Wittgenstein im Wettkampfbetrieb dennoch nicht: Mehrfach waren Profis vom Rollstuhlbasketball-Bundesligisten RSV Lahn-Dill in der Schloss-Turnhalle zu Gast, haben gemeinsam mit Henkels Team trainiert und Freundschaftsspiele bestritten. Und umgekehrt ist auch so manches Mitglied der RSG Schloss Wittgenstein regelmäßig bei den Spielen der Wetzlarer präsent: Harald Wagner zum Beispiel.

Der 38-Jährige ist eingefleischter RSV-Fan, liebt die Atmosphäre bei den Heimspielen und kennt die Spieler des Bundesligisten inzwischen persönlich. Ihn begeistert die enge Verbundenheit zwischen der Mannschaft und ihrem Publikum. Da gebe es keine Abgehobenheit. Der Kontakt zwischen den Profis und ihren Fans sei sehr direkt – „man kommt schnell ins Gespräch, es dauerte auch nicht lange, da wurde ich schon begrüßt.“

Viele RSV-Fans seien selbst Rollstuhlfahrer und zehrten enorm von den Eindrücken, die sie bei den Bundesligaspielen in Wetzlar gewännen, sagt Wagner – und er betont, dass dies ebenso für Menschen gelten könne, die ihren Alltag ohne Einschränkungen bewältigen.

von Björn-Uwe Klein

Hintergrund

RSG-Leiter Wolfgang Henkel­ unterrichtet seit 1983 am Gymnasium Schloss Wittgenstein. Seit Jahrzehnten setzt der Sportlehrer mit dem Projekt „Miteinander – Füreinander“ ein inklusives Konzept um. Schüler hospitierten in der inzwischen nicht mehr existenten Schlossbergklinik und absolvierten gemeinsam mit MS- und Parkinson-Patienten Rollstuhlsport-Training – ein auf Perspektivwechsel abzielendes Projekt, das dem GSW 1997 den Titel „Schule des Jahres“ einbrachte.

Der inklusive Gedanke bestimmt die Aktivitäten der RSG Wittgenstein: Einige der Mitglieder sind im Alltag auf den Rollstuhl angewiesen. Das ­mache im Rollstuhlbasketball aber keinen Unterschied. So veränderten sich die Kategorien, in denen Menschen ­einander wahrnehmen.

Das Training der RSG Schloss Wittgenstein, einer Abteilung des Turn- und Sportvereins Schloss Wittgenstein, findet mittwochs ab 18 Uhr in der Unteren Turnhalle von Schloss Wittgenstein statt.

 
 
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