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Jens Wege verwandelt sich in Grenzgangsmohr

Grenzgang Buchenau 2013 Jens Wege verwandelt sich in Grenzgangsmohr

Kurz bevor der Grenzgangszug den Frühstücksplatz "Ebenheit" verlässt, stärkt sich Mohr Jens Wege am Imbisswagen - und schmunzelt nach demersten Bissen: Seine roten Lippen und das schwarze Gesicht haben das Brötchen gefärbt.

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Aus Jens Wege wird Bürger Mohr. Ehefrau Magdalena schminkte ihm am frühen Morgen Gesicht und Lippen.Fotos: Benedikt Bernshausen

Buchenau . Gegen 5 Uhr am Freitagmorgen, dem ersten Tag des Grenzgangs, ruht das Dorf Buchenau noch. Doch im Haus von Jens Wege sind schon alle auf den Beinen: Die Töchter Nienna und Nevia, Ehefrau Magdalena, Mutter Martina - und sogar der Opa ist gekommen. Im Keller bereiten befreundete Frauen für die zu erwartenden Gäste Tabletts mit Schnäpschen. Derweil liegen im Wohnzimmer kleine Fläschchen mit schwarzer Farbe und roter Lippenstift bereit. Denn an diesem Morgen verwandelt sich der 38-Jährige erstmals offiziell in die schwarze Galionsfigur des Buchenauer Grenzgangs: den Mohr.

Dafür färbt Magdalena zunächst die großen Flächen an Hals, Stirn, Wangen und Nase und reibt auch in den ohnehin gefärbten Bart etwas Farbe ein. Die Feinarbeit um die Augen erledigt Jens Wege mit Wattestäbchen und viel Fingerspitzengefühl allein. Abschließend malt Magdalena Jens Lippen rot an. Danach schlüpft er in seine Uniformjacke, schnürt die Wanderschuhe, legt den Säbel an, setzt die schwarz-rote Federmütze auf den Kopf und streift die weißen Handschuhe über - in weniger als dreißig Minuten wird aus dem Familienvater der „Bürger Mohr“.

Und der wird traditionell frühmorgens vom Komitee und seiner Gesellschaft abgeholt. Schon als die Musik des Spielmannszuges auf der Straße ertönt, steigt bei Jens Wege die Nervosität - und erreicht ihren Höhepunkt kurz vor dem ersten Schritt aus der Haustür vor die wartenden Bürger und Bürgerinnen Buchenaus.

„Ich war echt aufgeregt“, gesteht er später. Doch schon nach dem Gruß mit erhobenem Säbel sei die Anspannung von seinen Schultern abgefallen und begannen die wohl erlebnisreichsten Grenzgangstageseines Lebens: Als Mohr, für drei Tage schwarz, inmitten des bunten Treibens im Lahndorf.

von Benedikt Bernshausen

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