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Inbetriebnahme erfolgt nach und nach

Windpark Hilsberg Inbetriebnahme erfolgt nach und nach

Bei einem Windrad ist der Probebetrieb abgeschlossen, bei drei anderen gings in dieser Woche los. Nur am Standort 6 des Windparks Hilsberg wird der Probebetrieb der Windkraftanlage in der nächsten Woche erfolgen. Der Betreiber ist zuversichtlich, alle Räder noch in diesem Jahr ans Netz zu bringen, der Regelbetrieb startet nächstes Jahr.

Während zwei Windkraftanlagen des Windparks Hilsberg von Holzhausen deutlich über den Höhenzug hinausragen, verschwinden zwei Anlagen fast bis zu den Gondeln hinter dem Berg.

Quelle: Gianfranco Fain

Bad Endbach. In der ersten Oktoberwoche sollte die Windkraftanlage am Standort 1 des Windparks Hilsberg ans Netz gehen. So verkündeten es die Verantwortlichen der Gemeinde Bad Endbach mehrmals. Doch dem flüchtigen Betrachter bietet sich im Dezember dieses Bild: Die Windräder sind komplett aufgebaut, aber sie stehen.

„Ganz so ist das nicht, es dreht sich von Zeit zu Zeit“, sagt Bernd Grebe zum Windrad am Standort 1. Es befindet sich im Probebetrieb, erklärt der kaufmännische Leiter des Eigenbetriebs Kur, Tourismus, Energie der Gemeinde Bad Endbach am Mittwoch. Genau genommen sei dieser Probebetrieb am Standort 1 sogar abgeschlossen, präzisiert Grebe. Die Inbetriebnahme sei erfolgt und das Windrad habe schon Elektrizität ins Netz geliefert. Die für das Jahr 2014 gültige Einspeisevergütung für dieses Rad sei somit gesichert.

Um diese zu erhalten, ist eine Inbetriebnahmebescheinigung des Herstellers und des Netzbetreibers für jedes Rad des Windparks erforderlich, erklärt Grebe. Die Anlagen eins und zwei sind über eine Trasse an die Stromübergabestation Hommertshausen angeschlossen, mit der Stromübergabestation in Rachelshausen sind die Windkraftanlagen an den Standorten 4, 5 und 6 verknüpft, die Einspeisung ist dort allerdings noch nicht erfolgt.

Auch für die Windräder an den Standorten 2, 4 und 5 sollte laut Grebes Auskunft vom Mittwoch noch in dieser Woche die Inbetriebnahme erfolgen. Das Windrad am Standort 6 werde indes in dieser Woche starten und der Probebetrieb in der nächsten Woche abgeschlossen sein. Insgesamt ist Grebe zuversichtlich, dass alle fünf Anlagen wie vorgesehen noch in diesem Jahr ans Netz gehen und die in diesem Jahr noch höhere Einspeisevergütung somit gesichert ist. Der Regelbetrieb soll im Januar aufgenommen werden.

Feuerwehren bewältigten Löschübung

Das ist auch die Einschätzung der Aufsichtsbehörde. Die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums (RP) in Gießen gehen von einer Inbetriebnahme aller Anlagen des Windparks Hilsberg bis Ende Januar aus. Wobei das RP als Inbetriebnahme den Beginn der Stromerzeugung im vorgesehenen Umfang bei ungestörtem Betrieb (Produktionsbeginn) versteht. Um dies zweifelsfrei feststellen zu können, sei am 19. November vom Genehmigungsinhaber eine Aufstellung der Einspeisedaten des Netzbetreibers angefordert worden.

Wie Sprecherin Ina Velte Anfang der Woche erklärte, erfolgte die erste Anzeige der Inbetriebnahme am 11. Oktober. Derzufolge sollten die Anlagen im Zeitraum vom 27. Oktober bis 5. Dezember in Betrieb genommen werden. Seitdem wird das RP fortwährend über den Stand der Inbetriebnahmearbeiten informiert. Dies genüge, damit die Genehmigungsinhaberin ihrer Verpflichtung aus der Nebenbestimmung das Genehmigungsbescheides nachkommt. Auch die Erfüllung fast aller anderen Auflagen der Nebenbestimmungen seien auf dem Laufenden. Zwar seien derzeit die Eiserkennungssysteme noch nicht an allen Anlagen installiert und funktionstüchtig. Das ist für die Anlage am Standort 1 aber der Fall. Diese habe schon wegen Eisansatzes einen Stillstand gehabt, berichtet Grebe.

Hinsichtlich des Brandschutzes verweist Velte auf die Leitstelle des Landkreises Marburg-Biedenkopf, die die Erfüllung der brandschutztechnischen Nebenbestimmungen überwacht. Laut Gemeindebrandinspektor Frank Heck ist die verlangte Übung im September erfolgt. Die Endbacher Wehren hätten die Auflagen - 400 Liter Löschwasser pro Minute für eine Löschzeit von 30 Minuten sowie eine zweistündige Wasserversorgung von 800 Litern pro Minute - erfüllt, „sogar, ohne lokale Ressourcen zu nutzen“, berichtet Heck.

Lärmreduzierungskonzept fehlt noch

Damit meint Heck die Entnahme von Wasser aus einem Waldsee, der dafür im Waldbrandalarmplan von Hessen Forst vorgesehen ist. Stephan Schienbein, Sprecher des Landkreises, bestätigt, dass ein entsprechender Bericht vorliegt. Die Endbacher und Steffenberger Wehren haben demnach mit Tanklöschfahrzeugen im Pendelverkehr einen aufgestellten Behälter mit Wasser befüllt und daraus das Wasser für einen sogenannten „Erstangriff“ entnehmen können. Zugleich wurde eine Schlauchleitung zum See gelegt, um dort Wasser abpumpen zu können.

Nachbilanzierung des Waldverbrauchs folgt

Und das in den Nebenbestimmungen der Genehmigung verlangte Lärmreduzierungskonzept? Das sei eingefordert, liege derzeit aber noch nicht vor, erklärt Gabriele Fischer. Laut der gestrigen Aussage der leitenden Pressesprecherin des RP sei dies beim Betrieb nur einer Anlage unkritisch. Dies ändere sich erst ab der vierten Anlage. Liege das Konzept dann nicht vor, „können die Anlagen nicht in den Regelbetrieb gehen“.

Wenn die Bauarbeiten beendet und die Anlagen im Regelbetrieb sind, steht noch die sogenannte Nachbilanzierung der durch die Entstehung des Windparks verbrauchten Flächen an. Die Standortgegner hatten gegenüber dem RP moniert, dass wesentlich mehr Waldfläche in Anspruch genommen wurde, als genehmigt ist. Eine deshalb extra vom RP veranlasste Schätzung ergab eine ungefähre Differenz von 0,5 Hektar oder 5000 Quadratmeter. Laut Harald Hofmann vom Forstamt Biedenkopf wird die Nachbilanzierung nach diesem Winter vorgenommen.

von Gianfranco Fain

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