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In Lohra finden Schicksale Beachtung

4. Tag der Integration In Lohra finden Schicksale Beachtung

Für fünf Euro gab es am Sonntag im Bürgerhaus in Lohra Suppe zum Verkosten oder zum Sattessen. Zum 4. Mal lud der Arbeitskreis für Menschenrechte und Menschenwürde zum internationalen Suppenfest ein.

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Für fünf Euro konnten die Besucher nach Herzenslust von der Sexy-Suppe und der Reis-Käse-Suppe probieren oder von den 14 weiteren landestypischen Gerichten. Der Arbeitskreis für Menschenrechte und Menschenwürde hatte das vierte internationale Suppenfest ausgerichtet. Die Vorsitzende Elfriede Köhler moderierte das Programm und leitete den Festkommers ein.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Lohra. Der vierte Tag der Integration mit internationalem Suppenfest in Lohra hatte einiges zu bieten: Schmackhaftes aus anderen Ländern - hauptsächlich Suppen - und multikulturelle Begegnungen. Das Bürgerhaus war, kurz nachdem die Türen geöffnet wurden, gut besucht. Fast alle Stühle waren belegt. Auf den Tischen standen zahlreiche kleine Suppenterrinen, die sich die Besucher mit Suppen ihrer Wahl füllen ließen. Es gab zum Beispiel eine deutsche Reis-Käse-Suppe, eine armenische Kräutersuppe oder eine italienische Minestrone. Dazu wurden frisches Baguette oder selbst gebackene Fladen gereicht. Wem die Suppe mundete, der konnte sich das Rezept gleich mitnehmen für das Kochen zu Hause. Der Andrang an den Kochplatten war groß. Und die Suppenterrinen durften als kleine Erinnerung an das Fest behalten werden.

„Wir haben unser Ziel erreicht“, sagte Elfriede Köhler, Vorsitzende des Arbeitskreises (AK) für Menschenrechte und Menschenwürde. Seit 25 Jahren kümmert sich der AK um Menschen, die das Schicksal nach Lohra geführt hat. So wie zum Beispiel um Ubah Abdi Qule, die mit ihrem Sohn Khalid derzeit in der ehemaligen Molkerei untergekommen ist. Qule floh schwanger aus Somalia, kam nach Spanien und brachte dort ihren Sohn zur Welt.

Da sie dort keine Unterkunft und keine finanzielle Absicherung hatte, flüchtete sie weiter: „Um ihr Leben und das ihres Sohnes zu retten“, berichtete Randa Meidow-Shahab, die sich intensiv um das Flüchtlingsschicksal kümmert. Im Bürgerhaus lag an drei Stellen eine Petition aus, mit der Unterschriften gesammelt werden, damit Qule mit ihrem Sohn nicht nach Spanien abgeschoben wird. Den Abschiebebescheid habe sie schon. „Damit droht ihr wieder ein Leben auf der Straße“ - und das wollen Meidow-Shahab und ihre Mitstreiter vom Arbeitskreis verhindern.

Der Integration von Flüchtlingen und dem Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit hat sich der Arbeitskreis seit 1989 verschrieben. Damals brodelte es in Deutschland - und auch in der kleinen Südkreisgemeinde Lohra.

In der Gemeinde habe ein Plakat mit der Warnung vor der Ausländergefahr und den Worten: „Wacht endlich auf und wehrt euch“ und ein mit Kreide auf dem Sportplatz Kirchvers hinterlassener Nazi-Gruß „Heil Hilter - Sieg Heil“ unter anderem mit dazu geführt, dass die Lohraer aufgewacht sind, erinnert sich Altbürgermeister Hermann Brand. Am 27. Februar 1993 sei dann eine Sondersitzung der Gemeindevertretung völlig aus dem Ruder geraten. Es sei zu verbalen Entgleisungen gekommen, für die sich die Wortführer heute noch schämen müssten, berichtet Bürgermeister Georg Gaul.

Eine Gruppe von Menschen hat sich deshalb des Themas angenommen und engagiert sich seitdem für die Menschen, die ein schweres Schicksal zu tragen haben. Sie haben vor allem auch die Ängste der Asylbewerber ernst genommen und den Menschen gesehen, der Probleme hat. Seitdem habe sich das Zusammenleben der Asylbewerber und der Lohraer „gut entwickelt“, bestätigte Gaul.

Der Arbeitskreis bemüht sich darum, den Neuankömmlingen Deutsch beizubringen, begleitet sie bei Arzt- und Verwaltungsgängen. Über die Jahre hat sich vieles entwickelt - vor allem auch Freundschaften. Elfriede Köhler hält mit ihrer positiven Einstellung nicht hinter‘m Berg. Sie begrüßt einen alten Bekannten, den ersten Bewohner der ehemaligen Molkerei und dessen Familie, mit einer herzlichen Umarmung. Sie ist weltoffen und freut sich darüber, dass „die ganze Welt zu ihr nach Lohra gekommen ist“.

Für die Arbeit des Arbeitskreises gab es während des Festkommers viele lobende Worte. „Die Arbeit, mit der Ihr vor 25 Jahren begonnen habt, ist heute wichtiger denn je“, betonte unter anderem Landrätin Kirsten Fründt.

Innerhalb der Gemeinde stößt der Arbeitskreis auf breite Unterstützung. „Das hat viel mit Wertschätzung zu tun“, sagte Köhler und lobte besonders den Posaunenchor der evangelischen Kirche Lohra, der den Arbeitskreis „noch nie im Stich gelassen hat“.

Der Posaunenchor stand als eine von fünf heimischen Gruppen auf der Bühne.

von Silke Pfeifer-Sternke

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