Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
In Lohra entsteht eine „Superwehr“

Feuerwehr In Lohra entsteht eine „Superwehr“

Noch ist der Grundstein für das neue Domizil nicht gelegt, doch die Gespräche für die Zukunft der Lohraer Feuerwehr zeigen erste Ergebnisse. Das neue Feuerwehrgerätehaus mit vier Fahrzeughallen wird zur Heimat für drei bisherige Ortsteilwehren.

Voriger Artikel
Heimspiel im Haus des Gastes
Nächster Artikel
Buchenau feiert das 777. Jahr des Ortsbestehens

Blaulicht-Alarm in Lohra: Der zunehmende Personalmangel zwingt die Feuerwehren zu Fusionen und die Gemeinde zu Investitionen in Feuerwehrgerätehäuser.

Quelle: Michael Hoffsteter

Lohra. Markus Wissmann ist überzeugt: In Lohra entsteht eine „Superwehr“. Die Annahme des Gemeindebrandinspektors fußt darauf, dass die meisten Mitglieder der Ortsteilwehren von Damm und Willershausen ihre Bereitschaft erklärt haben, nach Lohra umzusiedeln, wenn dort das neue Feuerwehrgerätehaus steht. Zurzeit sind in Damm 9 und in Willershausen noch 11 Feuerwehrleute in den Einsatzabteilungen aktiv.

Wissmann spricht nicht von einer Fusion. „Wenn diese in Lohra einsteigen, dann gibt das eine neue Wehr“, sagt der Gemeindebrandinspektor. Voraussetzung ist allerdings, dass für den Sanierungsfall Feuerwehrgerätehaus in der Gladenbacher Straße ein neues, größeres entsteht. Da eine Sanierung oder ein Neubau am alten Standort aus Kostengründen nicht zur Debatte steht, wurde als neuer Standort das Gelände des Bolzplatzes in der Kreuzstraße ausgewählt (die OP berichtete). Die Gemeinde hat das Grundstück gekauft, der erste Spatenstich soll Ende dieses Jahres erfolgen, das Gebäude Ende 2015 bezugsfertig sein.

Tagesalarmbereitschaft: Probleme in jedem Ort

Gebaut werden sollen vier Fahrzeughallen. Der Zweckbau wird nach aktuellen energetischen Standards errichtet und mit moderner Technik ausgestattet werden. Die Kosten für das Feuerwehrgerätehaus werden auf 1,8 Millionen Euro geschätzt, dazu gibt das Land einen Zuschuss in Höhe von 267000 Euro.

Im Frühsommer soll der Gemeindevertretung ein Finanzierungsvorschlag vorgelegt werden. Die Gemeindevertreter entscheiden dann, ob die Gemeinde das neue Feuerwehrgerätehaus selbst baut oder von einem privaten Investor errichten lässt, von dem das Gebäude dann gemietet wird. Dafür gibt es laut Bürgermeister Georg Gaul schon mehrere Interessenten, ebenso für den Kauf des Grundstücks an der Gladenbacher Straße, dessen Erlös in die Finanzierung des Neubaus einfließen würde.

Doch damit sind die Personalprobleme der Feuerwehr noch längst nicht behoben, die sich vor allem bei der Erfüllung der Tagesalarmbereitschaft ergeben, weil mittlerweile viele ehrenamtliche Helfer als Pendler in anderen Orten arbeiten. Während es der mittleren Abteilung laut Wissmann nicht zuletzt Dank der Hilfsbereitschaft der Leitung der Firma Hof „noch ganz gut geht“, gibt es sonst „Probleme in jedem Ort“.

Option: Verstal-Gerätehaus in „Mühlhausen“

Zudem sei es zunehmend schwieriger, Nachwuchs für die Einsatzabteilungen heranzuziehen. Zumindest für den östlichen Teil des Gemeindegebietes, die Feuerwehren decken ein Gebiet von 50 Quadratkilometern ab, bahnt sich eine Lösung an. Die Wehren von Rodenhausen und Seelbach, die schon seit drei Jahren für den Ernstfall zusammen üben, werden fusionieren. Das gewährleistet die Einhaltung der 10-minütigen Ausrückezeit, zieht für die Gemeinde aber in diesem Jahr Investitionen nach sich, um das Gerätehaus in Rodenhausen funktional aufzuwerten. Bleibt nur noch der südliche Gemeindeteil, in dem es laut Wissmann „noch einigermaßen geht“, aber auch dort ohne Zusammenschlüsse in Zukunft schwierig werden wird.

Es gebe zwar noch keine konkreten Pläne, dennoch Überlegungen, die vier Wehren der Orte im Verstal zusammenzuführen. Doch der angedachte Standort für eine Feuerwache im Mittelpunkt von Altenvers, Kirchvers, Reimershausen und Weipoltshausen ist für Wissmann nicht optimal. In „Mühlhausen“, kurz vor dem „Langen Loh“, nach Informationen der OP ist der Standort auch für ein zentrales Bürgerhaus im Gespräch, würden die Ausrückezeiten zu knapp, weil die Feuerwehrleute im Ernstfall aus den umliegenden Orten erst dorthin fahren müssten.

Doch auch schon ohne dieses Projekt kommen auf die Gemeinde Investitionen in erheblicher Höhe zu, um die Funktionalität der Feuerwehr zu gewährleisten. Denn der Feuerwehrbedarfsplan sieht für die nächsten Jahre quasi eine Rundumerneuerung des Fuhrparks vor. So wird die neue Lohra-Wehr auch ein neues, größeres, wasserführendes Fahrzeug benötigen. Ein gebrauchtes HLF 20/16 der Feuerwehrschule Kassel soll es werden, erklärt Wissmann. Dafür würde dann das jetzige LF 10/6 der Lohraer Wehr nach Kirchvers abgegeben, wo das 27 Jahre alte Fahrzeug gerade noch einmal für 2 Jahre das TÜV-Siegel erhalten hat.

Einziger Lichtblick für die Gemeindefinanzen: Durch die Zusammenlegung von Wehren, verlieren einige der kleineren Dorfgemeinschaftshäuser gänzlich ihre Daseinberechtigung, da die angegliederten Feuerwehrgerätehäuser nicht mehr benötigt werden und die defizitären Gebäude zu verkaufen sind.von Gianfranco Fain

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr