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In Dortmund gestellt und schon in Marburg in Haft

Breidenbacher Bluttat In Dortmund gestellt und schon in Marburg in Haft

Der vermeintliche Täter befindet sichnach einer Flucht bis nach Paris in Haft, doch aufgeklärt ist die Bluttat von Breidenbach noch lange nicht. Seine Festnahme war das Ergebnis einer intensiven dreitägigen internationalen Fahndung.

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In diesem Mehrfamilienhaus in der Breidenbacher Bachstraße wurde am Sonntag eine 27-Jährige durch 20 Messerstiche getötet. Der unter Tatverdacht stehende Ehemann stellte sich gestern der Polizei.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Breidenbach. Am Ende stellte sich Muhittin C. den Kriminalpolizisten in einer Anwaltskanzlei in Dortmund. Dort gab der 31-Jährige, der unter dem dringenden Verdacht steht, für den Tod seiner vier Jahre jüngeren Frau verantwortlich zu sein, nach einer dreitägigen Flucht auf. Gerade die Unauffindbarkeit des Mannes, der noch am Sonntagvormittag in der Nähe des Tatorts in der Breidenbacher Bachstraße gesehen wurde, rückte den Ehemann in den Fokus der Ermittlungen.

Für einen schnellen Fahndungserfolg gab es gute Aussichten, war der gesuchte Verdächtige doch mit einem auffälligen Auto, einem gelben VW Beetle mit Wuppertaler Kennzeichen, dem zudem noch das vordere Nummernschild fehlte, unterwegs und hatte nach der angenommenen Tatzeit nur rund vier Stunden Vorsprung vor den Ermittlern. Diese fanden die Leiche der 27-jährigen Frau gegen 16 Uhr in deren Wohnung.

 

Wie die Obduktion ergab, lösten 20 Messerstiche in Oberkörper und Hals der 27-Jährigen deren Tod aus, letztlich erstickte sie jedoch an ihrem eingeatmeten Blut. Die Tatwaffe, ein handelsübliches Küchenmesser, wurde in der Wohnung der Frau gefunden. Diese kehrte erst vor Monaten nach Breidenbach in die Nähe ihrer Familie zurück und verdiente in einem metallverarbeitenden Betrieb ihren Lebensunterhalt. Ihre Eltern hatte die Tochter vermisst und die Polizei gerufen, um in die Wohnung zu gelangen.

Gelber Beetle in Pariser Vorort entdeckt

Da trotz des Einsatzes vieler Polizisten und auch eines Hubschraubers die Fahndung erfolglos blieb, gab die Marburger Polizei um 23.35 Uhr des Tattages noch einen öffentlichen Fahndungsaufruf aus mit dem Hinweis, dass der Gesuchte womöglich Richtung Ruhrgebiet, vielleicht sogar nach Dortmund unterwegs sei, wo er „persönliche Kontakte“ habe.

Am zweiten Fahndungstag erließ die Marburger Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl, der später zur europäischen Version erweitert wurde. Der Grund dafür war offenbar die Annahme, dass der Gesuchte ins Ausland geflohen sei. Diese Vermutung erhärtete sich, als das Fahrzeug des Verdächtigen in Frankreich gesichtet wurde. Eine entsprechende Meldung von Bild-Online am Dienstag bestätigte die Marburger Staatsanwaltschaft nicht – offensichtlich aus ermittlungstaktischen Gründen. Denn wie es gestern in der gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei heißt, durchsuchte die Pariser Polizei nach Einschaltung des Bundeskriminalamts in einem Vorort, in dem der Beetle entdeckt wurde, mehrere Wohnungen, allerdings ergebnislos. Muhittin C. war offensichtlich wieder verschwunden.

Tatverdächtiger ist schon in Marburg in Haft

Eine Intensivierung der Fahndung – wie das geschah, darüber schweigen sich die Ermittler aus – zog den Ring um den Gesuchten enger, als Aufenthaltsort stand bald Dortmund für die Ermittler fest. Spürte der Flüchtende, dass sich die Schlinge zuzog? Fest steht, dass er gestern Vormittag in Dortmund die Kanzlei eines Rechtsanwalts aufsuchte, sich dort dem Juristen stellte und von den Fahndern um 12.15 Uhr festgenommen wurde.

Damit ist die Arbeit der Ermittler aber noch längst nicht beendet. Muhittin C., der nach Informationen der OP gestern schon auf dem Weg nach Marburg war, machte noch keine Angaben zur Sache. Die Vernehmungen des mutmaßlichen Täters sollen Anhaltspunkte zum möglichen Motiv und Tathergang sowie dem mutmaßlichen Fluchtweg ergeben. Immer noch unklar sind auch die Lebensverhältnisse des Paares, ob es in der Wohnung wohnte, sich schon mehrmals getrennt hatte oder weshalb der Ehemann nur an Wochenenden gesehen wurde.

Über die Ergebnisse wollen die Ermittler in den nächsten Tagen berichten.

von Gianfranco Fain

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Nachdem am Sonntag in Breidenbach eine 27-jährige Frau erstochen wurde, hat sich nun der tatverdächtige Ehemann gestellt.

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