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In 20 Minuten vom Boden an die Gondel

Windrad Bottenhorn In 20 Minuten vom Boden an die Gondel

Nur zwanzig Minuten brauchten die Facharbeiter von Enercon, um den viele Tonnen schweren Rotor mit einem Durchmesser rund 53 Metern vom Boden aus an seinen Platz an der Gondel zu hieven.

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Unterhaltung und Besinnung
Quelle: Benedikt Bernshausen

Bottenhorn. In den Morgenstunden am Freitag hatte das Unternehmen Enercon mit der Endmontage der Windenergieanlage vom Typ „E 53“ oberhalb von Bottenhorn begonnen. Zur Mittagszeit war das Windrad nach dreitägiger Bauzeit im Wesentlichen fertiggestellt. Am vergangenen Mittwoch waren die unteren Turmsegmente und die Rotornabe angeliefert worden, am Donnerstag folgten die oberen Segmente und die Rotorblätter. Strom liefert die Anlage noch nicht: Der Anschluss an das öffentliche Netz erfolgt erst im nächsten Schritt.

Das neue Bottenhorner Windrad der Firma „MeusAir-Energy“ gehört zu den kleineren Anlagen: Es misst 73 Meter bis zur Nabe, rund 99 Meter bis zur Spitze des nach oben stehenden Rotorblattes. Der Rotor hat einen Durchmesser von 52,9 Metern. Zum Vergleich: Der Rotordurchmesser der Hilsberg-Räder wird rund 101 Meter betragen.

Kräftiger Wind behindert Aufbauarbeiten

Bereits am Dienstag machten sich Neunt- und Siebtklässler der Europaschule Gladenbach in ihrer Projektwoche ein Bild von den Arbeiten in Bottenhorn. Die von der L3288 gut zu sehende Baustelle war nur die erste Station, die die Schüler an diesem Vormittag besuchten. Anschließend fuhren sie zum Hilsberg, wo die Fundament-Arbeiten für den geplanten Windpark der Gemeinde Bad Endbach laufen. Die waren zu diesem Zeitpunkt in Bottenhorn natürlich schon abgeschlossen.

Von der Aufstellung des ersten Teilstücks des Bottenhorner Windrads sahen die Schüler allerdings nichts. Kräftiger Wind mit Geschwindigkeiten von mehr als 20 Metern pro Sekunde verhinderte den Aufbau – bewies aber, dass die Firma „MeusAir-energy“ sich wohl für den richtigen Standort entschieden hat. So blieb den Europaschülern nichts anderes übrig, als mit einigem Sicherheitsabstand die Vormontage-Arbeiten auf den Fundamenten zu verfolgen, die auch bei Wind möglich sind. Und immerhin hatten die Schüler Gelegenheit, Dirk Meuser, einem der Betreiber, einige Fragen zu stellen. Der Bauherr informierte über die technischen Daten seines Windrad-Projekts. Ab einer Windgeschwindigkeit von zweieinhalb Metern pro Sekunde beginne es sich zu drehen, bei 25 Metern pro Sekunde schalte es sich ab, erklärte er. Die Nennleistung werde bei 12,5 Metern pro Sekunde erreicht.

Am Freitagmorgen wurde zum Abschluss der Aufbauarbeiten der Rotor an dem Windrad oberhalb von Bottenhorn montiert. Die Anlage misst 73 Meter Höhe bis zur Gonzel sowie einen Rotordurchmesser von 52,9 Meter. Foto: Benedikt Bernshausen

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Die jährliche Leistung von 0,8 Megawatt der Windenergieanlage reiche aus, um 350 bis 400 Haushalte mit Strom zu versorgen – eine Größenordnung, die Bottenhorn entspricht. Wissenswertes berichtete auch Ulf Schmidl von „BürgerWind Gladenbach“ den Schülern, der für das Schülerprojekt mit ins Boot geholt worden war. Wind sei ein kostenloser Energiestoff, verdeutlichte Schmidl. Wenn ein Windrad stehe, seien allerdings einige Dinge zu beachten. Wartungsarbeiten seien notwendig: Lager, Bremsen oder Fundamente müssten regelmäßig kontrolliert werden.

Den Schülern wurde auch erläutert, wie sehr ein Turm des in Bottenhorn aufgestellten Windrad-Typs im Wind schwankt. Zehn Zentimeter lautete die erste Schätzung – weit gefehlt, denn tatsächlich darf sich der Windradturm einen Meter bewegen. Daher die Vorsicht, die beim Aufbau geboten ist. Zu viel Wind bedeutet Lebensgefahr für die Arbeiter. Zuständig für die Sicherheit beim Windradbau in Bottenhorn ist Ralf Hent­rich von der Beratungsgesellschaft für Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz (BfGA) mit Sitz in München. Er und sein Team prüfen zum Beispiel, ob die Kranstellplätze sicher sind, sie erstellen Notfallpläne und achten auf den Zustand der Zuwegungen. Das Erste von drei Elementen des Windradturms wurde am Mittwoch aufgestellt (die OP berichtete), ehe der Wind den Aufbau wieder unterbrach. Die beiden weiteren Elemente wurden am Donnerstag befestigt, weiterhin wurden die Rotorblätter an der Nabe angebracht. Deren Montage erfolgte gestern.

von Benedikt Bernshausen und Björn-Uwe Klein

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