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Imbisseinbrecher darf sich bewähren

Amtsgericht Imbisseinbrecher darf sich bewähren

Am Dienstag kam der 28-jährige Einbrecher vor dem Amtsgericht für 14 Imbiss­einbrüche mit einer 8-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung davon.

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Vor dem Biedenkopfer Amtsgericht musste sich gestern der „Hinterländer Imbiss-Einbrecher“ verantworten.

Quelle: Gianfranco Fain

Biedenkopf. „Es tut mir leid, ich nehme alles in Kauf“, sagte der 28-jährige Angeklagte vor der Urteilsverkündung. Zuvor räumte er vor dem Biedenkopfer Amtsgericht alle ihm zur Last gelegten Taten und auch die Mengen an Lebensmitteln und Getränken ein, die aus einem Imbisswagen in Biedenkopf von Ende Oktober des vergangenen Jahres bis zum 20. Januar bei 14 Einbrüchen abhanden kamen.

„Mir ging es nur ums Essen, habe nie Geld mitgenommen“, sagte der Hinterländer. Den Vorwurf, die Wechselgeldkasse gestohlen zu haben, erhob Christoph Zimmer als Vertreter der Staatsanwaltschaft ebenso wie er auch akkurat das Diebesgut auflistete. Darunter sollen viele, einmal sogar 25 Getränkedosen, vor allem aber viel Hamburgerfleisch, Frikadellen, Leberkäse und Rindswürste gewesen sein. Zimmer fragte nach, ob der 28-Jährige alles selbst verzehrt habe. Dies bestätigte der Angeklagte, sagte aber zu den Getränkedosen „25 kommt mir ein bisschen viel vor“. Ob er Hamburgerfleisch so gerne esse?, wollte der Vorsitzende Richter Mirko Schulte „Nee, aber wenn man Hunger hat …“, hob der Angeklagte an. Warum er nachts so großen Hunger gehabt habe? „Jeder hat Hunger“, kam als ausweichende Antwort. Auf den Einwand des Richters, dass ein anderer Schnellimbiss nachts geöffnet habe, entgegnete der Angeklagte, dass er meistens kein Geld hatte. „Und wie läuft das jetzt, wenn sie Hunger haben?“, fragte Schulte. „Dann gehe ich zu meiner Mama“, sagte der 28-Jährige.

Die Mutter bestätigte, dass ihr Sohn nun abends bei ihr esse und danach auch noch Brote mitbekommt.

Zimmer forderte für die Summe schwerer Einbrüche eine Freiheitsstrafe von „gerade so“ einem Jahr mit Bewährungszeit nicht unter 3 Jahren, 40 Stunden gemeinnützige Arbeit und die Wiedergutmachung des Schadens. Dem mochte Verteidiger Volkhard Ferchland so nicht folgen. Bei 5 Taten ging es nur um einen geringen Wert, also einfacher Diebstahl, und zudem wurden ihm „die Taten leicht gemacht, sogar bis zu einem Punkt gebilligt“.

Damit spielte der Verteidiger auf das Verhalten des Imbissbetreibers an, das Schulte im Urteil – 8 Monate Freiheitsstrafe bei einer Bewährungszeit von 3 Jahren, 40 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine ambulante Drogentherapie – berücksichtigte.

Für den Diebstahl sei dem Angeklagten „Gelegenheit zur Tat gegeben worden“ durch einen Imbissbetreiber, dessen Verhalten „an Leichtsinnigkeit kaum zu überbieten“ sei. Dieser hatte nach dem ersten Einbruch, als der Angeklagte die Schlüssel zum Imbisswagen fand, die Schlösser nicht ausgetauscht. Begründung: Er befürchtete, bei einer besseren Sicherung des Wagens, teurere Beschädigungen bei Einbruchsversuchen. Zudem benachrichtigte er die Polizei erst, als sich die Einbrüche als Serie herauskristallisierten.

von Gianfranco Fain

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