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Im Sackgassendorf stockt der Fortschritt

Serie Dorfgemeinschaftshäuser Im Sackgassendorf stockt der Fortschritt

Die OP setzt ihre Serie zu Gegenwart und Zukunft der 10 Dorfgemeinschaftshäuser in der Gemeinde Lohra mit Weipoltshausen fort. Dort könnte es anders sein als in den restlichen Ortsteilen, doch es geht nicht recht voran. Zumindest die Dorfgemeinschaft bleibt aktiv: Am 25. September soll ein Trägerverein zur Übernahme des Gemeinschaftshauses und zum Betrieb eines Dorfcafés gegründet werden.

Weipoltshausen. Zuletzt war die Dorferneuerung Weipolts­hausen und damit auch die Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) während der Sitzung der Gemeindevertretung in der vergangenen Woche ein öffentliches Thema. Da beantwortete die Erste Beigeordnete Rosemarie Wolny in Vertretung von Bürgermeister Georg Gaul eine Anfrage der BfB-Fraktion zum Stand der Modernisierung des DGH.

Die Übertragung von gemeindlichem Anlagevermögen könne nur zu marktüblichen Preisen erfolgen, damit allen Mitbürgern kein finanzieller Schaden entstehe und über einen Betriebskostenzuschuss für eine Trägergemeinschaft sei bisher nicht verhandelt worden. Hinsichtlich der Kosten habe der Gemeindevorstand beschlossen, dass die Dorferneuerung nur erfolge, wenn der Trägerverein die Bau-Kosten in den nächsten 15 Jahren zurückzahle, zum Beispiel durch Grünflächenpflege. Es geht um rund 72000 Euro, die die Gemeinde bei einer Renovierung über die Dorferneuerung von den 240000 Euro Gesamtkosten selbst tragen müsste.

Die Übernahme der Grünflächenpflege lehnen die Weipoltshäuser Vereine ab, erklärte Ortsvorsteher Patrick Voyé. Zum einen, sei dies in der bisherigen Diskussion nicht enthalten, zum anderen überschreite dies die Kapazitäten der Vereine, die unter dem Dach eines Trägervereins das DGH übernehmen wollen und darin ein Dorfcafé betreiben möchten.

„Es steht alles in den Startlöchern, wir warten nur auf das Signal des Gemeindevorstands“, sagte Voyé und fügte an: „Und wir warten schon sehr lange!“ Andere Gemeinden seien froh, Fördergeld aus der Dorferneuerung zu erhalten, doch in Weipoltshausen entstehe der Eindruck, dass die Gemeinde Lohra „kein Interesse daran hat“.

Das Geld für die Sanierung des DGH hätte schon längst im Gemeindehaushalt enthalten sein müssen, doch das sei nicht geschehen. Vielleicht weil die Weipolts-häuser nicht das gewünschte Ergebnis ausgearbeitet hätten, denn sobald Anforderungen erfüllt werden, würden „immer wieder neue Hürden errichtet“, sagte Voyé gegenüber der OP.

Es sei dem Gemeindevorstand sehr daran gelegen, auf Augenhöhe miteinander zu sprechen, erwiderte Wolny während der Sitzung eine Äußerung Voyés in diese Richtung. Im Übrigen stelle die Antwort des Gemeindevorstands eine Momentaufnahme dar. Weitere Aufschlüsse werden von der Haushaltssicherungskommission erwartet, die ihre Ergebnisse auch zur Thematik der DGHs in diesem Monat vorstellen will.

Gaul, der mittlerweile seine Amtsgeschäfte wieder aufgenommen hat, erklärte der OP, dass alle Anforderungen in mehreren Gesprächen mit dem Arbeitskreis Dorferneuerung, dem Gemeindevorstand und Vertretern des Landratsamtes besprochen worden seien.

Dennoch scheint etwas in der Kommunikation zwischen den Weipoltshäusern und dem Gemeindevorstand nicht zu funktionieren, meinte Werner Waßmuth während der Parlamentssitzung. „So wie es läuft, wird es schwierig, zu einem Ergebnis zu kommen“, sagte der CDU-Fraktionschef. Statt sich Briefe „hin und her zu schreiben“ sollten sich die Verantwortlichen treffen und klären, was Weipolts­hausen will und auch einen Trägerverein gründen.

Für die Gründungsversammlung ist mittlerweile ein Termin festgesetzt: Mittwoch, 25. September, 19 Uhr im DGH. Und was die Weipoltshäuser wollen, haben sie schon erklärt, auch öffentlich in Ausschusssitzungen: Es gibt ein Nutzungskonzept für ein Dorfcafé und eine Kostenkalkulation, die allerdings von der Gemeinde angezweifelt wird.

Mittlerweile ist ein Wunsch umgesetzt worden, es gibt jetzt eine variable Trennwand, doch das Haus benötige weitere Investitionen, um „das Ambiente schöner zu gestalten“, sagt Voyé der OP. Die Konzeption sieht vor, dass der Trägerverein unter dem Dach des Kultur- und Heimatvereins das Café als Eigenbetrieb führt und die beteiligten Vereine dafür im Zwei-Monats-Rhythmus Personal abstellt.

Mit der nur zeitweiligen Bewirtung ließe sich das Café ohne Verlust betreiben, aber keine Pachtzahlungen erwirtschaften. Es sei unfair, so Voyé, die Doppik als K.O.-Kriterium zu verwenden, schließlich würden Abschreibungen geltend gemacht für ein Haus, das die Gemeinde Lohra „nix gekostete hat“.

Die Dorferneuerung sei Weipoltshausen zugesprochen worden, „weil es hier eine sehr aktive Dorfgemeinschaft gibt“. Es könne nicht sein, das Weipolts­hausen kein Geld bekomme, bis es ein Nutzungskonzept für die anderen Bürgerhäuser der Gemeinde gibt, deutet Voyé an, dass allmählich die Zeit knapp wird, um das Fördergeld zu erhalten. Er ist überzeugt: „Der Bürgermeister hat kein Interesse und will die Sache verzögern. So wird das Ehrenamt totgeschlagen!“

von Gianfranco Fain

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