Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Im Lot mit dem inneren Schweinehund

Serie: "Weniger ist mehr" Im Lot mit dem inneren Schweinehund

Motivationsexperte und TV-Coach Dr. Stefan Frädrich weiß, wie derinnere Schweinehund bezwungen werden kann.

Voriger Artikel
Gemeinde will mehr Geld von Feiernden
Nächster Artikel
Premiere ist auch ein Testdurchlauf

Motivationsexperte Dr. Stefan Frädrich spricht im OP-Interview über Wege, den inneren Schweinehund zu überwinden.
Foto: Sandra Irmler

Gladenbach. Wer kennt ihn nicht, den inneren Schweinehund, der einen davon abhält, unangenehme Tätigkeiten und Aufgaben in Angriff zu nehmen. Er macht es schwer, gesteckte Ziele zu erreichen, macht willensschwach und hindert einen zum Beispiel daran, mehr Sport zu treiben oder gesünder zu leben. Ausreden gibt es viele: schlechtes Wetter, Zeitmangel oder ein guter Film.

Dr. Stefan Frädrich hat sich intensiv mit dem inneren Schweinehund auseinandergesetzt. Er ist seit 2003 Trainer, Coach, Bestsellerautor und TV-Moderator. Bekannt ist er als Moderator der Pro7-Sendung „Besser Essen“ und der WDR-Produktion „Der große Gesundheits-Check“. Der mit seinem Büro in Köln ansässige Frädrich erfand das Motivationsmaskottchen „Günter, der innere Schweinehund“. Als innere Stimme sagt Günter: „Lass das sein!, „Mach es später!“ oder „Das schaffst du sowieso nicht!“. Im OP-Interview verrät der Motivations-Coach, wie der innere Schweinehund an Vorhaben hindert und wie er handzahm wird. Der innere Schweinehund ist offenbar nicht unbestechlich und kann mit den richtigen Kniffen geködert werden.

OP: Wie wird man Experte für Selbstmotivation? Dr. Stefan Frädrich: Ich war als Arzt in der Psychiatrie tätig. Nach einer beruflichen Veränderung kam ich zum Coaching. Ich habe festgestellt: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. Viele Menschen wollten wissen, wie man sein Verhalten ändern kann. Die Aufgabe eines Trainers ist es, Menschen dabei zu helfen, Dinge besser zu machen und er unterstützt sie dabei, erfolgreich zu sein. OP: Der innere Schweinehund behindert uns oft, ein Ziel zu erreichen. Ist er besonders listig? Frädrich: Es gibt zwei Betriebssysteme im Gehirn: die Routine und das Abenteuer. Die Routine sorgt dafür, dass wir den Weg des geringsten Widerstands gehen. Wenn wir uns entscheiden müssen zwischen Couch und Sport, dann siegt amEnde die Couch. Das Abenteuer macht es für uns kniffliger, aber der Weg ist befriedigender. Wohin will ich gehen, welche Abenteuer gibt es? Der Abenteuer-Sinn ist zum Beispiel angesprochen, wenn ein neues Projekt ansteht oder eine neue Partnerschaft eingegangen wird. Die beiden Betriebssysteme Routine und Abenteuer laufen parallel im Kopf ab. Hin und wieder muss man sich auf Neues einstellen. Ich nenne mal ein einfaches Beispiel: Die Tassen stehen im Schrank immer rechts und dann auf einmal links. Anfangs greift man noch nach rechts, aber irgendwann verändert man sein Verhalten. Man muss es nur konsequent machen, dann schafft man es auch. Wer sich zum Beispiel vornimmt, abzunehmen, hat das nicht wirklich vor. Das Ziel lautet: schön sein, erfolgreich sein, gesund sein. Dazu muss auf der Sinn-Ebene das Veränderungssystem aktiviert werden: das Abenteuersystem. Ansonsten ist man schnell wieder im alten Fahrwasser. Zu sagen, ich will abnehmen, ist quatsch. Dann nimmt man fünf Kilogramm ab und wenn das geschafft ist, setzt der Jo-Jo-Effekt ein. Man hat nur langfristig Erfolg. Andere Ziele sind wichtig: Ich will mich gut fühlen, ich will meine Ernährung umstellen. Zwischendurch Chips zu essen oder auch mal Schokolade ist nicht das Problem. Die Frage ist: Muss es denn die ganze Tüte Chips sein oder die ganze Tafel Schokolade? Wer diese Frage verstanden hat, wird nicht ungehemmt Chips und Schokolade essen. Wichtig: anderen Fokusauf das Essen setzen. Wer seine Gewohnheiten langsam umstellt, lebt harmonischer mit sich selbst. Die Umstellung kann eine Sekunde oder auch ein Jahrzehnt dauern. Bei einer Trennung kann ich zum Beispiel lange leiden, wenn ich mir ständig die Fotos der Verflossenen anschaue. Beim Abnehmen ist es ähnlich. Wenn ich mir jedes Mal, wenn ich auf Cola Lust habe, mir sage, das darf ich nicht, denn belohne ich mich für den Verzicht mit einer Pizza. Wichtiger als der Verzicht ist es also, beim Abnehmen einen anderen Fokus auf das Essen zu setzen. Ich kann zum Beispiel statt einer Beilage zu jedem Essen einen Salat bestellen. Entscheidend zum Erreichen des Ziels - sich frisch und gesund zu fühlen -, ist das innere Selbstgespräch. OP: Warum nennen Sie den inneren Schweinehund „Günter“? Frädrich: Günter ist mein zweiter Vorname. Beim inneren Selbstgespräch muss ich mit mir selbst klarkommen. Somit ist der innere Schweinehund ein Teil von mir. Wer dagegen ankämpft, kann nur verlieren. OP: Wie überlistet man „Günter“? Frädrich: Es geht nicht darum, den inneren Schweinehund zu überlisten. Es geht darum, für sich selbst etwas zu tun.Tipp 1: Fang an, etwas zu ändern! Tipp 2: Mach eine Routine daraus! Nicht einmal oder zweimal: iss immer einen Salat als Beilage. Tipp 3: Lass Ausreden nicht zu! Lässt man Ausreden öfter zu, dann erfindet man immer neue. So kann die Verhaltensänderung nicht funktionieren. Tipp 4: Übernimm Verantwortung für dein Leben! Wir entscheiden, wie wir leben wollen. Tipp 5: Informiere dich! Je mehr man über gesunde Ernährung, weiß, umso leichter lässt sich eine Veränderung umsetzen und je mehr man über Training weiß, umso effektiver kann man auch Sport betreiben. n Die OP verlost das aktuelle Hörbuch „Das Günter-Prinzip für einen fitten Körper: So fühlen Sie sich schweinehundewohl!“ von Dr. Stefan Frädrich. Beantworten Sie folgende Frage: Warum nennt Frädrich den inneren Schweinehund „Günter“. Schicken Sie die richtige Lösung per E-Mail an gladenbach@op-marburg.de. Einsendeschluss ist Donnerstag, 11. September, um 13 Uhr.

von Silke Pfeifer-Sternke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr