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Im Juli ziehen 14 Flüchtlinge ein

Flüchtlinge Im Juli ziehen 14 Flüchtlinge ein

Der Andrang der Flücht­linge ist ungebrochen. Sie würdig unterzubringen, hat sich die Gemeinde Bad Endbach zur ­Aufgabe gemacht. Aus der ehemaligen Pension „Haus Diana“ soll eine Vorzeige-Unterkunft werden.

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Das ehemalige Gästehaus „Haus Diana“ in Wommelshausen-­Hütte wurde von der Gemeinde Bad Endbach gekauft und wird zur Unterkunft für 14 Flüchtlinge umgebaut. Vor den Sommer­ferien soll das Haus bezugsfertig sein.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Wommelshausen. 2013 waren 10 Millionen Menschen auf der Flucht, davon haben es 2,5 Millionen ins Ausland geschafft - ein kleiner Teil davon gelangte nach Europa. 2014 kamen rund 200000 Flüchtlinge nach Deutschland. Im Januar und Februar dieses Jahres wurden bereits 51125 Flüchtlinge registriert. Für dieses Jahr erwarten Experten einen Anstieg auf 250000 bis 360000 Flüchtlinge. Diese Zahlen nannte Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter, in Gladenbach während einer Informationsveranstaltung zur Flüchtlingshilfe.

Zachow sprach auch davon, dass Bad Endbach als Kurgemeinde ideale Voraussetzungen für die Unterbringung von Flüchtlingen biete. Er spielte auf die zahlreichen Gästehäuser an, die längst nicht mehr ihre Funktion erfüllen. Eines davon, das „Haus Diana“ in Wommelshausen-Hütte, wird derzeit als Flüchtlingsunterkunft umgebaut.

Die Gemeinde Bad Endbach hat das Haus gekauft und will dort 14 weitere Flüchtlinge unterbringen. Etwa 120 leben bereits in der Hinterland-Kommune. Bad Endbach habe freiwillig mehr Menschen auf der Flucht aufgenommen. Zu der Anzahl wäre die Gemeinde nicht verpflichtet gewesen, sagt Bürgermeister Markus Schäfer.

Kein großer Umbau nötig

Aus den Erfahrungen der Vergangenheit hat sich herauskristallisiert, dass Gemeinschaftsunterkünfte wie in der Berliner Straße in Bad Endbach politisch nicht mehr gewünscht sind.

„Wegen des hohen Konfliktpotenzials“, sagte Schäfer. Er hält kleinere Einheiten für die bessere Lösung - für alle. Familien sollten seiner Meinung nach möglichst in Häusern untergebracht werden, nicht in großen Unterkünften. In der Berliner Straße lebte zum Beispiel die jesidische Familie Temurova mit sechs Personen zwölf Jahre lang auf sehr engen Raum in einer Zweizimmerwohnung. Erst Ende 2014 konnte sie umziehen.

Das „Haus Diana“ hat den großen Vorteil, dass es nicht großartig umgebaut werden muss. Das Haus versprüht noch den Charme der 1970er-Jahre, als der Kurtourismus noch florierte und es gelang, den Titel „Kneipp-Heilbad“ zu führen. Wommelshausen war bereits in den 1960er-Jahren ein anerkannter Erholungsort. Allerdings gingen die Übernachtungszahlen nach einem fulminanten Anstieg in den 1970er-Jahren mehr und mehr zurück, sodass der Kurtourismus zunehmend an Bedeutung verlor. In Wommelshausen gibt es noch ein Hotel und zwei Ferienwohnungen.

Kochabende und Deutschkurse
Vor dem Einzug der Flüchtlinge wird die Heizung im „Haus Diana“ erneuert, das Dach eventuell neu gedeckt und die Auflagen des Brandschutzes müssen erfüllt werden. Dazu zählt auch, einen Fluchtweg aus dem Obergeschoss einzuplanen. Wenn alles glatt läuft, ist die Flüchtlingsunterkunft noch vor den Sommerferien bezugsfertig. In der ehemaligen Gaststätte soll ein Treffpunkt für die Flüchtlinge und der Bevölkerung entstehen - ein Begegnungscafé.

„Die Ehrenamtlichen haben bereits tolle Ideen“, sagt Schäfer. Es soll Themenabende geben, bei denen gemeinsam gekocht werden kann. „Essen verbindet“, ist sich der Bürgermeister sicher. Auch verfügt das Haus über eine Bundeskegelbahn, die noch genutzt werden kann. Einmal pro Woche wird den Flüchtlingen von Ehrenamtlichen ein Deutschkurs angeboten, davon profitieren dann die Neuen.

Förderverein schafft Halbtagsstelle

Im Dezember 2014 gab es einen Runden Tisch zum Thema Flüchtlingshilfe. Diskutiert haben Vertreter alle Religionsgemeinschaften, der Schule, der Kindertagesstätten, des Gewerbevereins sowie der Interessengemeinschaft „Miteinander - füreinander“.

Das Ziel war die Koordination der Begleitung der Menschen, die in Bad Endbach bis zur Feststellung ihres Status eine vorläufige Heimat finden. Der ­„Förderverein christlicher Kinder- und Jugendarbeit Bad ­Endbach“ hat mit dem Projekt „I ­have a dream - gemeinsam statt einsam“ Ende März seine Arbeit aufgenommen. Die Ehrenamtlichen wollen die Flüchtlinge willkommen heißen und ihnen das Ankommen in Bad Endbach erleichtern.

Die ehrenamtliche Arbeit innerhalb der Gemeinde wird vom Förderverein künftig gebündelt. Für die Arbeit mit Flüchtlingen wurde extra eine Halbtagsstelle geschaffen.

von Silke Pfeifer-Sternke

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