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Im Hinterland fehlt es an Ärzten

Sitzung des Kreisseniorenrates Im Hinterland fehlt es an Ärzten

Der Seniorenbeirat des Kreises beschäftigte sich mit einem brennenden Thema: der ärztlichen 
Versorgung im ländlichen Gebiet.

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Der Seniorenrat des Kreises beschäftigt sich mit der ärztlichen Versorgung auf dem Lande, die nach Meinung der Mitglieder verbessert werden kann.

Quelle: Frank May

Marburg. Dass es im nördlichen Hinterland zu wenig Hausärzte gibt, berichtete Birgit Wollenberg, die Leiterin des Kreisgesundheitsamts, während einer Sitzung des Kreisseniorenrates. Ihrer Meinung nach wäre Biedenkopf als Standort eines medizinischen Versorgungszentrums geeignet.

Ob der Landkreis allerdings ein solches Zentrum als Pilotprojekt unter kommunaler Trägerschaft einrichten will, soll erst noch geprüft werden. So steht es zumindest im Koalitionsvertrag der Mehrheitsfraktionen von SPD und CDU im Kreistag.

Ginge es nur nach dem Bedarf an Ärzten, käme der Bereich Biedenkopf dafür in Frage, erklärte Wollenberg, denn: Dort könnten gleich mehrere neue Praxisplätze eingerichtet werden. In der Stadt Biedenkopf selbst gibt es laut Wollenberg jedoch genug Allgemeinmediziner. Die Ärzteschaft dort, so ihre Einschätzung, werde sich sicher gegen ein Zentrum wehren.

Überversorgung in Marburg, Gladenbach und Kirchhain

Jenseits der Debatte um das Versorgungszentrum gab Wollenberg einen Überblick über den aktuellen Stand der ärztlichen Versorgung im Landkreis. Der Bedarfsplan bei Fachärzten bezieht sich immer auf das Kreisgebiet im Ganzen, so Wollenberg, bei den Hausärzten ist das anders.

Seit 2013 wird der Bedarf an Hausärzten in fünf Mittelbereichen analysiert: Marburg, Gladenbach und Kirchhain sind demnach mit mehr als 110 Prozent überversorgt. Stadtallendorf liegt bei mehr als 100 Prozent, dort könnten laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) weitere 1,5 Arzt-Stellen neu besetzt werden. Der Bereich Biedenkopf liegt unter der Vollversorgung, hier sind 5,5 neue Plätze zu vergeben.

Mit den Zahlen steht der Landkreis noch sehr gut da, sagte Wollenberg. Das kann sich aber bald wegen der Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte ändern. Ein Drittel von ihnen ist über 50. Um einem Praxensterben entgegenzuwirken, wird mit dem Fachbereich Medizin der Marburger Uni zusammengearbeitet, und zwar „bundesweit einmalig“. Medizinstudenten können während des Studiums zehn Semester lang in Hausarztpraxen mitarbeiten.

Zuschüsse von bis zu 55.000 Euro für 5,5 neue Praxen

Für die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner entstand am Uniklinikum in Marburg ein Weiterbildungsverbund. Für das DRK-Krankenhaus in Biedenkopf sei das wünschenswert, sagte die Leiterin des Kreisgesundheitsamts.

Nach der Ausbildung bekommen Hausärzte Niederlassungsanreize, so Wollenberg. Unter anderem in Gemeinden wie zum Beispiel Steffenberg oder Angelburg, wo ein Mangel droht, fördert die KV eine Niederlassung mit bis zu 55.000 Euro. Für Biedenkopf gäbe es diese Förderung für zwei Ärzte.

Um Hausärzte mit besonders vielen und älteren Patienten zu entlasten, können sie „nichtärztliches Praxispersonal“ einstellen. Das ersetzt nach einer neuen Fortbildung zwar nicht den Arzt, kann ihn aber bei 
vielen Aufgaben unterstützen. „Das ist ein Zukunftsgebiet“, 
sagte Wollenberg.

Kreisseniorenbeirat übt Kritik

Aus dem Kreisseniorenbeirat gab es Kritik an der kreisweiten Bedarfsplanung bei Fachärzten. Die meisten gibt es in Marburg, das vor allem für ältere Menschen aus dem Kreisgebiet nur schwer zu erreichen ist, ebenso wie der ärztliche Bereitschaftsdienst in Wehrda.

Die Zentralisierung des Bereitschaftsdienstes sei aber gerade ein Anreiz für junge Mediziner, Landarzt zu werden, sagte Birgit Wollenberg – auch wenn sie für die Patienten vielleicht nicht so schön sei. „Der einzelne Hausarzt hat so deutlich weniger 
Bereitschaftsdienste.“

von Heiko Krause

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