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Im Flug abgehoben, sonst geerdet

Einer von hier: Jürgen Barth Im Flug abgehoben, sonst geerdet

Im April 1977 sprang ­Jürgen Barth bei den Fallschirmjägern das erste Mal in die Tiefe. Aus ­seinem Beruf entwickelte sich eine Leidenschaft.

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Jürgen Barth wird im kommenden Winter wieder in Dubai sein, um die „World Air Games“ mit einem deutschen Team zu organisieren.

Quelle: privat

Peiting. Jürgen Barth lebt dort, wo andere Urlaub machen: im bayerischen Peiting. Er kehrte Gladenbach mit 19 Jahren den Rücken, weil er sich bei der Bundeswehr verpflichtete. Bei den Fallschirmjägern entwickelte er seine Leidenschaft, die er im Lauf der Jahrzehnte perfektionierte. Er war dreimal deutscher Meister im Para-Ski, einer Kombination aus Riesenslalom und Fallschirm-Zeitspringen, davor dreimal Vizemeister.

Wenn er springt, dann zögert er nicht. Das zahlt sich aus: Er ist der amtierende Deutsche Meister im Zielspringen (kleines Foto). Es gilt, das Ziel in der Größe eines 1-Euro-Stücks, zu treffen. Gewertet werden acht Sprünge, wer am Ende die geringste Abweichung hat, siegt.

Seit 2001 trainiert der Ex-Gladenbacher als Bundestrainer die deutsche Para-Ski-Nationalmannschaft, die unter seiner Führung im Jahr 2007 den Vizeweltmeistertitel und den Weltmeistertitel 2015 holte. Hinzu kommen mehrere Mannschafts- und Einzelweltcupsiege.

Im April 1977 sprang ­Jürgen Barth bei den ­Fallschirmjägern das erste Mal in die Tiefe. Aus ­seinem Beruf entwickelte sich eine Leidenschaft.

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Jürgen Barth ist auch hinter den Kulissen ein Perfektionist. Er ist Mitorganisator der „World Air Games“ in Dubai. Im Wüstenstaat messen sich im Dezember dieses Jahres Wettbewerbsteilnehmer aus aller Welt in zehn Disziplinen, unter anderem im Ziel- und Formationsspringen.

Morgens sind Barth und die Crew die ersten auf dem Platz, neben der Palme in Dubai-Marina und abends die letzten. Urlaubsstimmung kommt während des dreiwöchigen Aufenthalts nicht auf. Doch jedes Mal ist Barth aufs Neue fasziniert von den Bildern aus 1001 Nacht.

„Es macht viel Spaß“, sagt er. Alles was man benötigt, kriegt man.“ Allerdings müsse man sich daran gewöhnen, dass im Wüstenstaat die Uhren anders ticken. Am Anfang habe er mit der Mentalität nach der arabischen Redewendung Inschallah („so Gott will“) zu kämpfen gehabt. Mittlerweile arbeitet das Team in Deutschland vor, damit während des Wettbewerbs alles klappt. „Wir sind Gast und passen uns an“, sagt Barth.

Erster Sprung am ersten April

Urlaub macht Barth am liebsten in den Dolomiten – meist in Verbindung mit einem Wettkampf. Er hängt entweder Zeit hinten dran oder fährt ein paar Tage vorher hin, um auszuspannen. Er fährt auch gern an den Gardasee oder nach Istrien – von Peiting aus sind die Ziele quasi nur einen Steinwurf weit entfernt. Barth setzt sich ins Auto, fährt los und „steht schon an der Adria“. Aber auch zum Bodensee, nach Füssen oder nach Augsburg zieht es den 58-Jährigen. „In zweieinhalb Stunden bin ich im Stubaital“, sagt er.

3650 Mal ist Barth bisher mit dem Fallschirm gesprungen. Das Datum seines ersten Sprungs sitzt wie eingemeißelt: 1. April 1977. „Ich war angespannt und total nervös.“ Mittlerweile spürt er diese Anspannung nur noch vor bestimmten Sprüngen: zum Beispiel bei der Vierschanzen-Tournee in Oberstdorf. Am Boden stehen 20.000 Menschen. „Da kann ich mir keinen Fehler erlauben“, sagt Barth.

Sein Lieblingssport Para-Ski ist zwar olympisch anerkannt, aber keine olympische Disziplin. Die Randsportart verlange einem einiges ab. Auch sei es eine Kostenfrage, da es an Sponsoren mangelt. „Es ist schwierig, Nachwuchs zu gewinnen, sagt Barth. Dennoch, der Sport verbindet.

Besuch in der Heimat zum Kirschenmarkt

Extremsportler Felix Baumgartner, der mit seinem Stratosphärensprung 2014 Weltruhm erlangte, zählt seit 1990 zu Barths Freunden. Baumgartner fliegt den Hubschrauber bei den Para-Ski-Meisterschaften in den Ammergauer Alpen. Baumgartner habe Spaß am Fliegen und seine Popularität komme dem Sport zugute. Seine umgängliche Art mögen die Fans.

Auch Barths Schwester Gerlinde hat ein Foto von Baumgartner und ihrem Bruder auf ihrem Smartphone. Es erfüllt sie mit Stolz, dass ihr Bruder als einer von sieben Geschwistern in der Ferne sein Glück gefunden hat. Ein- bis zweimal im Jahr besucht Barth die Familie, am liebsten während des Kirschenmarktes. In diesem Jahr hat er es nicht geschafft, den nächsten Kirschenmarkt hat er aber schon fest im Blick.

Bevor Barth mit dem Fallschirmspringen anfing, war er Turnierreiter im Springreiten und später in der Vielseitigkeit. Er ist Mitbegründer des Gladenbacher Reit- und später des Bad Endbacher Reitvereins. Irgendwann fehlte ihm aber die Zeit für das Hobby, doch der Ehrgeiz, sportliche Erfolge zu feiern, ebbt bei ihm bis heute nicht ab.

von Silke Pfeifer-Sternke

Name:
Jürgen Barth

Geboren:
27. März 1957 in Marburg

Schule:
Freiherr-vom-Stein-Schule in Gladenbach

Was macht er jetzt?
Nachdem ich 2010 als Berufssoldat der Bundeswehr entlassen wurde befinde ich mich als Pensionär im Unruhezustand. Ich lebe seit 30 Jahren in Peiting/Obb., einer 10.000-Einwohnergemeinde im Oberbayerischen Pfaffenwinkel: „Wo der Lech die Ammer küsst“. Ich bin Bundestrainer der Fallschirm-Ski (Para-Ski)-Nationalmannschaft und immer noch Wettkämpfer bei den Weltcups im Sommer. Zudem 2. Vorstand des Wintersportvereins Peiting-Ramsau, ebenso 2. Vorstand des Fallschirmsportclubs Bad Wiessee.

Kommt er noch vorbei?
Selten, aber der Kontakt reißt nicht ab. Ein- bis zweimal im Jahr versuche ich, meine Familie zu besuchen. Den Kirschenmarkt versuche ich dabei mit einzuplanen. Jedoch klappt es nicht so oft.

O-Ton:
„Geht nicht, gibt’s nicht! Für alle Probleme gibt es Lösungen.“

Privatfoto

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