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„Ihre Majestät“ bleibt bodenständig

Kirschenkönigin „Ihre Majestät“ bleibt bodenständig

Für die neue Kirschenkönigin Jennifer I. hat sich vieles verändert. Doch sie ist weiterhin lustig, spontan, freundlich und natürlich.

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Quelle: Johanna Stein

Gladenbach. „Eigentlich wollte ich mich ja erst nächstes Jahr bewerben“, doch weil Mama, Freund Maxim und sogar der Bürgermeister dazu drängten, nahm Jennifer Fuchs schon in diesem Jahr an der Wahl zur Kirschenkönigin teil - und das mit Erfolg. „Ich hätte ja nie gedacht, dass ich gewinne!“, sagt sie freudestrahlend. Jennifer freut sich auf das kommende Jahr, besonders darauf, viele neue Leute kennenzulernen und Ende Juli mit nach Frankreich in Gladenbachs Partnerstadt Monteux zu fahren.

Noch mehr als die 17-Jährige freut sich aber ihre Familie, allen voran ihre Mutter, die 1995 selbst an der Kirschenköniginnenwahl teilgenommen hatte. „Sie hat sogar schon vor der Wahl extra ein Fotoalbum für alle Bilder und Zeitungsartikel gekauft“, erzählt Jennifer fast ein wenig beschämt. „Und noch heute hat sie keine Stimme mehr vom vielen Schreien am Freitag! Ich bin froh, dass sie das Ganze trotz ihrer Erkrankung gut überstanden hat.“

Nicht nur Mama, auch die drei jüngeren Geschwister sind ganz begeistert vom neu gewonnenen Adelstitel ihrer großen Schwester. Jennifers autistischer 16-jähriger Bruder wünscht sich derzeit nichts mehr, als dass das Kirschenkönigspaar mit möglichst viel Fußvolk im Schlepptau das Sommerfest seiner Schule besucht. Diesen Wunsch wollen Jennifer und Maxim ihm natürlich erfüllen und laden alle, die Lust haben, am Samstagnachmittag, 12. Juli, an die Hilda-Heinemann-Schule in Hommertshausen ein. Man kann Jennifer ansehen, wie nahe sie ihren Geschwistern steht, wenn sie von diesen erzählt. Als ihre Mutter vor zwei Jahren sehr krank war, übernahm Jennifer die Verantwortung und kümmerte sich liebevoll um ihre zwei jüngeren Brüder und die heute zwölfjährige Schwester - während sie nebenbei noch die Hauptschule mit einer guten Note abschloss.

Diese Zeit hat sie noch einmal darin bestätigt, dass Erzieherin ihr Traumberuf ist. Doch leider habe sie bisher keine Ausbildungstelle gefunden und sich daher erst einmal für eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau beworben. Danach könne sie ja immer noch eine Ausbildung als Erzieherin anfangen und schließlich habe sie ja auch schon einige Praktika in dem Bereich gemacht. „Ich will jetzt nur nicht mit leeren Händen da stehen.“

Zusammenziehen mit dem Prinzen

Ein anderer Plan für die nähere Zukunft ist hingegen schon beschlossene Sache: Die Kirschenkönigin möchte mit ihrem Prinzen Maxim zusammenziehen. Zunächst einmal wollen sie in Gladenbach bei ihren Familien bleiben, aber später möchten sie auch weiter weg wohnen. „Vielleicht in Richtung Hamburg“, meint Maxim. Angst davor haben sie nicht, schließlich sind beide schon mehrfach umgezogen. Während Jennifer im August nach einem Jahr in Hermannstein wieder in ihre Heimat Gladenbach zurückkehrte, hat auch der in Kasachstan geborene Maxim schon in einigen Dörfern des Hinterlands gewohnt.

Die beiden sind seit dem vergangenen Oktober ein Paar „und er bleibt hoffentlich noch länger mein persönlicher Prinz“, sagt die glückliche Kirschenkönigin. Doch noch viel mehr als sich romantisch anzuschmachten gefällt es den beiden offenbar, sich zu necken. So stichelt Jennifer zum Beispiel, indem sie Maxims stimmungshebenden Auftritt von Freitag mit „du bist wie ein Kaninchen auf der Bühne rumgehopst“ kommentiert. Kurz darauf aber schwärmt die Königin wieder von der Coolness ihres Prinzen, als dieser ganz lässig und sogar ohne hinzuschauen die Höchstpunktzahl am Glücksrad drehte. „Das war für mich der schönste Moment der Wahl.“ Etwas irritiert von dieser Aussage entgegnet Maxim: „Also für mich war der Moment, als wir gewonnen haben, der Beste.“

Die größte Angst vor ihrem Auftritt war dagegen bei beiden dieselbe: auf dem wackelnden Steg auszurutschen. „Also da muss ich wirklich nochmal mit dem Bürgermeister reden, damit die das nächstes Jahr besser befestigen!“, lacht Jennifer.

Auch bei der nächsten Frage, wer „im Schloss die Hosen anhabe“, sind die beiden sich sofort einig: „eindeutig Jennifer!“ Diese bezeichnet ihren Maxim liebevoll als eine gelungene Mischung aus Prinz und Hofnarr. Man merkt, dass die beiden trotz des plötzlichen Ruhms ganz natürlich und bodenständig geblieben sind. Wo sonst trifft man eine Königin, die laut „Vorsicht, Kacka!“ ruft, wenn ihr Prinz einen Hundehaufen auf dem Gehweg übersieht?

Viele Amtshandlungen warten

Aber auch wenn die beiden sich ihre Heiterkeit und Natürlichkeit bewahrt haben, ist der Kirschenmarkt doch nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen. „Das war ein sehr schönes, aber auch total stressiges Wochenende!“ Allein Jennifers Haare am Freitag herzurichten, was die Schwester ihrer besten Freundin übernahm, habe anderthalb Stunden, eine halbe Flasche Haarspray und 60 Klammern in Anspruch genommen. Das sei allerdings auch nötig gewesen, schließlich musste die Frisur bis nachts um drei Uhr halten.

Von diesem stressigen Abend erholen konnte sich die 17-Jährige leider nur kurz, denn am Samstagmorgen stand schon die erste offizielle Amtshandlung an: Die Eröffnung des traditionellen Kirschenmarktsfrühstücks. Und das war nur die erste von vielen Amtshandlungen an diesem Wochenende und im kommenden Jahr.

„Der Kirschenmarkt war unglaublich toll, aber auch genauso anstrengend. Ich glaube, nochmal würde ich so etwas nicht schaffen. Wir sind ziemlich K.o.“ Da fällt Jennifer ein, dass sie eine Jahresmitgliedschaft im Gladenbacher Fitnessstudio hat. Das sei eine gute Abwechslung zu ihren Aufgaben als Repräsentantin und Regentin der Kleinstadt.

Diese Woche jedoch müsse sie erst einmal eine Menge Schlaf vom vergangenen Wochenende nachholen. Und am kommenden Sonntag möchte sich das Paar natürlich das große Fußball-WM-Finale im Festzelt in Gladenbach anschauen - diesmal aber ganz privat.

von Johanna Stein

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