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Holzernte im Wandel der Zeit

Waldbauerntag Holzernte im Wandel der Zeit

Am 3. Oktober 2014 laden die Forstbetriebsgemeinschaften Gladenbach und Biedenkopf in Zusammenarbeit mit Hessen-Forst und der Stadt Gladenbach zu einem 2. Waldbauerntag ein.

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Nachhaltige Waldarbeit beinhaltet auch das Beseitigen alter Baumbestände.

Quelle: Boris Roessler

Gladenbach. Der erste Hinterländer Waldbauerntag, der vor sieben Jahren am 1. Mai 2006 in Herzhausen stattfand, zog damals mehr als 8000 Besucher an. Ein voller Erfolg für die Organisatoren. Nun planen die Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) Gladenbach und Biedenkopf in Zusammenarbeit mit Hessen Forst und der Stadt Gladenbach eine Neuauflage des Walbauerntags.

Wie Klaus Uwe Koch (Vorsitzender des Verbandes Hessischer Waldbesitzer-Kreisgruppe Biedenkopf) berichtete, sei Gladenbach deshalb als Ausrichtungsort des Waldbauerntages ausgewählt worden, weil dort vor 250 Jahren am Georg Ludwig Hartig (1764-1837) geboren wurde. Hartig habe sich als Förster in der Region große Verdienste erworben und sei bekannt geworden in der deutschen Forstwirtschaft durch seine These der Nachhaltigkeit.

Kaum jemand wisse, dass ein Forstmann aus dem hessischen Gladenbach die Idee zur Nachhaltigkeit hatte und diesen Begriff in der deutschen Forstwirtschaft geprägt habe. Hartig begründete seine These mit Grundprinzipien, die der Holznot im 18. Jahrhundert ein Ende setzen sollten. Im 17. und 18. Jahrhundert seien die Waldflächen in Deutschland drastisch zurückgegangen. Ursächlich waren die Übernutzung des Waldes unter anderem durch Eisen- und Glasschmelze, aber auch durch den Hausbau und veränderte Heizgewohnheiten.

1804 schrieb Hartig sein Nachhaltigkeitsprinzip nieder: „Es lässt sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirektion muss daher die Waldungen des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und sie zwar so hoch als möglich, doch so zu benutzen suchen, dass die Nachkommenschaft wenigstens eben so viel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet.“

Während des Waldbauerntage soll nachhaltige Forstwirtschaft im 21. Jahrhundert präsentiert werden. Geplant ist ein sechs Kilometer langer Rundkurs mit schnell wechselnden Waldbildern und vielen Baumarten. Der Rundkurs führt oberhalb des Gladenbacher Reitplatzes, Am Hain, Zillertal, Hinterländer Schweiz, der untergegangenen Siedlung Minzhausen entlang bis hin zur Gemarkung Runzhausen, Am alten Pflanzengarten, Sportplatz und zurück zur Reithalle. Parken können die Besucher sind am Sportfeld, auf der Ballonwiese und auf Parkplätzen in Runzhausen sowie in Römershausen. Gezeigt werden soll moderne nachhaltige Waldbewirtschaftung des in der Region vorhandenen Kleinprivatwaldes. Durch das Forstamt Biedenkopf werden etwa 8000 Hektar Kleinprivatwald mit etwa 8000 Besitzern in mehr als 60 Forstbetriebsvereinigungen betreut. Diese würden sich nicht mehr nur als Brennholzproduzent für den Eigenbedarf, sondern als Energielieferant in vielfältigster Weise sehen. Der Wandel im Kleinprivatwald von der Holzernte mit Schrotsäge und Axt bis zur vollmechanisierten Energiegewinnung mit Vollernter, Rückezug und Großhacker für die Hackschnitzelproduktion soll gezeigt werden - immer unter der Prämisse der Nachhaltigkeit.

Zum Gedenken an Hartig findet ab dem 2. September 2014 im Haus des Gastes in Gladenbach eine historische Ausstellung statt, die gut sechs Wochen zu sehen sein wird. Hauptinitiatoren sind Forstdirektorin Sigrid Krawielitzki und Marion Lange, Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins Amt Blankenstein.

von Helga Peter

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