Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Hoffnung und Widerstand nehmen zu

Windpark Hilsberg Hoffnung und Widerstand nehmen zu

Die Gemeinde Bad Endbach hat noch nicht beschlossen, ob und wie sie gegen Teile der Baugenehmigung für den Windpark Hilsberg vorgehen wird. Zudem greift eine neue Interessengemeinschaft, die IG Haus- und Grundstücksbesitzer, in den Konflikt ein.

Voriger Artikel
Föhnfische und Leewellen freuen Segelflieger
Nächster Artikel
Viel Gegenwind zu den geplanten Energieflächen

Von ihrem Ort aus werden die Holzhäuser die Windräder auf dem Hilsberg sehen, wenn der Windpark realisiert wird. Foto: Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Bad Endbach. Bis zum 21. April läuft die Klagefrist gegen die vom Regierungspräsidium in Gießen erlassene Baugenehmigung für die bisher vier Windkraftanlagen des Windparks Hilsberg oberhalb des Dautphetaler Ortsteils Holzhausen. Diese Zeit will die Gemeinde Bad Endbach auch ausnutzen, um weiterhin „zu prüfen, detailliert zu überlegen und zu besprechen“ ob und wie man gegen die Genehmigung vorgehen soll, um noch Änderungen im Sinne der Gemeinde zu erreichen. Dies erklärten am Freitag einhellig Thomas Reuter als Betriebsleiter des Eigenbetriebs Lahn-Dill-Bergland-Therme, die den Windpark bauen und betreiben wird, sowie Bad Endbachs Bürgermeister Markus Schäfer.

Schon am Tag der Bekanntgabe der Genehmigung, dem 21. März, hatten Schäfer und Reuter sowie die Fraktionsvorsitzenden der Endbacher Gemeindevertretung ihre Enttäuschung darüber geäußert, dass das RP zwar eine Baugenehmigung erteilte, aber aufgrund der „artenschutzrechtlichen Schonzeit“ keine Ausnahmegenehmigung für Rodungen erließ. Der Grund: Die RP-Mitarbeiter hatten auf dem Hilsberg Balz- und Revierbesetzung von Eulen festgestellt.

Somit ist die Gemeinde zwar zum Bau der Kranstell-, Vormontage- und Zufahrtsstrecken und auch zum Verlegen von Erdkabeln berechtigt, auch Abgrabungen, Bodenaushübe und Aufschüttungen erlaubt die Genehmigung, nicht jedoch die Rodung der noch unberührten Flächen. Das wäre derzeit erst nach dem Ende der Brut- und Setzzeit ab dem 1. Oktober möglich, was die Gemeinde erneut wertvolle Zeit kosten würde. Denn, so äußerte Bürgermeister Schäfer damals seine Befürchtung, es könnten ab Oktober bis zum Wiedereinsetzen der Schonzeit fast nur gerodet werden und kaum Bauarbeiten erfolgen. Diese gingen dann erst im Oktober 2014 weiter und somit sei die Fertigstellung der Anlagen im nächsten Jahr unwahrscheinlich. Das wiederum würde sich auf die Höhe der sich stets vermindernden Einspeisevergütung und somit auf die Einnahmen der Gemeinde aus dem Windpark auswirken.

Zumindest was den Lieferzeitpunkt der Windräder betrifft, äußerte sich Schäfer am Freitag „vorsichtig optimistisch“. Normalerweise beträgt die Lieferfrist für Windkraftanlagen 14 Monate ab Erteilung der Baugenehmigung. Das würde im Bad Endbacher Fall Mai 2014 bedeuten und somit kein „ans Netz gehen“ im selben Jahr. Schäfer ist jedoch mit einem Gespräch „zufrieden“, das am Donnerstag mit Vertretern des Herstellers Enercon geführt wurde. Somit kann vermutet werden, dass der Hersteller versuchen wird, früher als vorgesehen zu liefern.

Neue IG kämpft gegen Wertverlust von Immobilien

Während die Gemeinde Bad Endbach versucht, das Projekt Hilsberg zu forcieren, bildet sich auf der Gegenseite weiterer Widerstand. Am Dienstag, 2. April, gründeten 50 Bürger aus Dautphetaler, Steffenberger und Bad Endbacher Ortsteilen die Interessengemeinschaft (IG) der Haus- und Grundbesitzer.

Diese bittet in einem Schreiben, das seit Freitag der OP vorliegt, an die drei Ortsvorsteher von Holzhausen, Steinperf und Bottenhorn sowie deren Gemeindeverwaltungen, dem Thermen-Eigenbetrieb und Regierungspräsident Dr. Lars Witteck, in ihrer Eigenschaft als Mandatsträger „alles Erdenkliche zur Abwendung von Schäden für die betroffenen Bürger zu unternehmen und den Bau der Windkraftanlagen auf dem Hilsberg zu stoppen“.

Die Haus- und Grundstückseigentümer befürchten durch die betriebsbedingten Immissionen der Windräder einen Wertverlust ihrer Immobilien, die sich in Mietpreisminderungen, Leerstand und gar Preisverfall bis zur Unverkäuflichkeit widerspiegeln würden. Als Beispiel wird der Wertverlust in Höhe von 20 Prozent für Holzhausen auf 10 Millionen Euro hochgerechnet. Eine Summe, die das Projekt Hilsberg in 20 Jahren einbringen soll. Der Frage nach der volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit schließen die Initiatoren den Hinweis an, dass wegen der Wertminderung eine Minderung der Grundsteuer denkbar sei.

Was geschehen wird, wenn die Bitte der IG keinen Erfolg hat, wird in der Einleitung des Schreibens als Ziel verdeutlicht: Die Minderung des Verkehrswertes einzuklagen. „Was legal machbar ist, wollen wir ausschöpfen“, erklärt dazu Thomas Christ. Neben dem Bottenhorner sind weitere Ansprechpartner der IG: Erhard Theis aus Steinperf, sowie aus Holzhausen Hermann Schneider, Fritz Runzheimer und Edgar Fritz.

von Gianfranco Fain

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr