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Hinterländer streitet Vergewaltigung ab

Marburger Landgericht Hinterländer streitet Vergewaltigung ab

Erwartungsgemäß ohne Urteil endete am Mittwoch der erste Tag der Verhandlung gegen einen 25-Jährigen vor der Jugendkammer des Marburger Landgerichts. Dem Hinterländer wird vorgeworfen, seine zur Tatzeit elfjährige Halbschwester vergewaltigt zu haben. Die Verhandlung soll am Donnerstag mit einem Ortstermin im Haus der Familie fortgesetzt werden.

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Marburg. Der junge Mann soll seine Halbschwester im März 2005 mit einem Messer bedroht und unter Androhung vom Gewalt zum Beischlaf gezwungen haben. Die Eltern seien zu diesem Zeitpunkt im Ausland gewesen und der damals 21-Jährige damit betraut gewesen, auf die Kinder aufzupassen. Ein Bruder habe den Geschlechtsverkehr unbemerkt beobachtet, aber nicht eingegriffen, führte die Staatsanwältin aus.

Der Angeklagte habe dem Mädchen anschließend mit dem Tod gedroht, weshalb sie zwei Jahre lang nichts gesagt habe. Erst als ihr Bruder der Mutter zwei Jahre später beiläufig von seinen Beobachtungen berichtet habe, habe auch das Mädchen auf Nachfrage von der Misshandlung erzählt.

„Das ist hammerhart, davon stimmt gar nichts“, kommentierte der Angeklagte, der während seiner Einlassung den Tränen nahe war, die Anklage. Die Vorwürfe seien von seiner Stiefmutter erfunden worden, um ihn aus dem Haus zu ekeln. „Diese Frau macht mich kaputt“, sagte er. Inzwischen habe er seinen Heimatort deshalb verlassen und sei ins Ruhrgebiet gezogen.

Überhaupt sei das Klima in der Familie nicht das beste gewesen. Der Angeklagte gab an, sich bis zu dessen Tod um seinen über 70-jährigen Vater gekümmert zu haben. Die rund 35 Jahre jüngere Ehefrau habe ihren Mann hingegen unterdrückt. „Für meine Halbgeschwister war ich mehr Mutter als sie. Ich habe für sie gekocht und alles gemacht“, sagte der Angeklagte. Sein Verhältnis zu den jüngeren Geschwistern sei sehr gut gewesen, zur Stiefmutter jedoch nicht. Warum die Kinder eine Kampagne der Mutter gegen seine Person mittragen sollten, konnte sich der 25-Jährige auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dr. Thomas Wolf nicht erklären.

Die Vernehmung des Mädchens fand am Mittwoch auf Antrag der Staatsanwältin unter Ausschluss des Angeklagten und der Öffentlichkeit statt. Wolf erläuterte anschließend, dass das Mädchen detailliert ausgesagt habe und sich ihre Äußerungen mit früheren Vernehmungen bei der Polizei deckten.
Der heute 15-jährige Bruder sagte aus, den Geschlechtsverkehr beobachtet und zunächst nichts gesagt zu haben, weil es ihm peinlich gewesen sei. Die Mutter berichtete, nach dem Tattag keine Veränderung im Verhalten ihrer Tochter bemerkt zu haben.

Verzichtet wurde auf die Vernehmung einer Gynäkologin, die das Mädchen im Jahr 2007 untersuchte. Stattdessen verlas der Richter einen Bericht der Ärztin. Demnach habe es zwar Anzeichen, aber keinen Beweis dafür gegeben, dass die zu dieser Zeit 13-Jährige bereits Geschlechtsverkehr gehabt habe.

Die Verhandlung ist auf drei Tage angesetzt. Nach dem Termin am Donnerstag im Hinterland soll sie am Mittwoch um 9 Uhr im Raum 104 des Marburger Landgerichts fortgesetzt werden.

von Stefan Weisbrod

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