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Hinter dem Radio stecken Geschichten

Medienwissenschaft Hinter dem Radio stecken Geschichten

Diesen Freitag um 20.03 Uhr strahlt Radio Siegen einen Beitrag aus über die Erfahrungen im Hinterland mit dem Hörfunk: von den Anfängen bis zur Neuzeit.

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Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Krug aus Hamburg produzierte im Hinterland mit 20 Teilnehmern eine Funksendung über Geschichte und Geschichten des Radios.

Quelle: privat

Bad Laasphe. In 48 Minuten kommen Zeitzeugen aus dem Hinterland zu Wort, die im Radio berichten, wie sie Radio erlebt haben.

„Es ist eine schöne Sendung geworden“, sagt Koordinator und Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Krug. Er hatte die Idee zu diesem Projekt, das von der Landesanstalt für Medien in Düsseldorf und dem Radiomuseum in Bad Laasphe unterstützt wurde.

Krug findet die Frage spannend, wie sich das Radio in Regionen entwickelt hat, die eher provinziell sind, über keine Medienindustrie verfügen und in der wenig Menschen leben. Seine Forschung hat ihn nach Wittgenstein und ins Hinterland, seine ehemalige Heimat, geführt. Mit einem Aufruf suchte er Mitstreiter für das Pilotprojekt und fand letztlich 20 Teilnehmer, die sich dafür begeisterten.

1929 wurde die erste Hörfunksendung in Deutschland aus Berlin ausgestrahlt. 1930 hielt der Westdeutsche Rundfunk mit einem Werbewagen in Laasphe. In jenen Anfangsjahren hat es in Wolfgruben und Biedenkopf 18 Radios gegeben, in Oberdieten gerade mal drei. Etwa 15 Jahre später gab es im Kreis Biedenkopf rund 2800 Radioempfänger. Heute hat jeder Haushalt Radiogeräte, Fernseher und Smartphones – die Situation von damals ist heute kaum mehr vorstellbar.

Der in Hamburg lebende Krug ( Privatfoto) hat in der Radiosendung unterschiedliche Menschen über ihre Erfahrungen mit dem Radio zu Wort kommen lassen. Es ging ihm darum, Stimmen zu sammeln, um unbekannte Geschichten zu finden. Diese hat er zu einer Art Collage zusammengefügt, heraus kam die Sendung „Bürgerfunk-Radiogeschichte“.

So kamen zum Beispiel Gerhard Paul, Professor für Geschichte und ein Spezialist der Sound-Historie, Werner Reichel aus Lixfeld, der sich in der Dialektgeschichte auskennt, sowie der ehemalige Blista-Schüler Heinz-Willi Bach, der einen Piratensender gegründet hat, zu Wort.

Es sind die Geschichten aus der Vergangenheit, die Radio für Krug überaus spannend machen. So berichtet zum Beispiel Reichel über seine Großmutter, die gerade dann in den Raum kam, als ihr Sohn eine Radioantenne installierte. Um die Sender zu empfangen, wurde das Kabel durchs Zimmer nach draußen zu einem Baum verlegt. Die Großmutter habe daraufhin mit den Worten reagiert: Was doch der Baum für schöne Musik macht!

Es wird auch über die Kriegsjahre in Lixfeld gesprochen, die Gedanken vor dem Radio während der Kuba-Krise in den 1960er-Jahren sowie über eine hessische Rockband. Reichel wurde von einer Gruppe von Leuten in Lixfeld besucht. Ausgestattet waren sie mit einem Laptop und einem Aufnahmegerät. „Wir haben gemeinsam Fragen gestellt, die Antworten aufgezeichnet und später für den Beitrag geschnitten“, sagt Krug. Es sei eine Sendung entstanden, die die Atmosphäre in der ländlichen Region widerspiegelt, sagt er.

Peter Frankenfeld sprach im „Birreköpper Platt“

Der Stadtteil Wallau und die ehemalige Kreisstadt Biedenkopf seien früher eher selten im Radio vorgekommen. Heute sei dies anders. Der Sender hr4 habe sogar einen festen Sendeplatz für die Region Mittelhessen.

Die Nachrichten aus der Region seien heutzutage von großem Interesse. Dass regionale Nachrichten wichtiger geworden sind, „ist eine vollkommene Veränderung“, sagt Krug. Die Welt auf dem Land habe sich verändert.

Vieles sei passiert, einiges in Vergessenheit geraten. So habe zum Beispiel der Entertainer Peter Frankenfeld 1953 in Biedenkopf auf dem Marktplatz gesprochen. Für den „Frankfurter Wecker habe er sogar mit ein paar Worten im „Birreköpper Platt“ begonnen“, sagt Krug.

Solche bedeutenden Ereignisse für die Region will Krug analysieren und aufzeigen. Er hat noch viel zu tun, denn es gibt noch jede Menge zu entdecken.

von Silke Pfeifer-Sternke

 
 
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