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Hemmerich: Stadtwerke steigen aus

Windparkprojekt Hemmerich: Stadtwerke steigen aus

Ohne die Marburger Stadtwerke, aber mit den Lohraern will die „Bürgerwind Gladenbach“ auf dem Hemmerich zwischen Rodenhausen und Gladenbach-Erdhausen fünf Windräder aufstellen.

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Nach Ansicht der Projektoren von „Bürgerwind“ sind die Voraussetzungen günstig, um auf dem Hemmerich zwischen Lohra-Rodenhausen und Gladenbach-Erdhausen Windräder aufzustellen.

Quelle: Archiv

Lohra. Vor der Haushaltsberatung hörten die Mitglieder der beiden Lohraer Parlaments-Ausschüsse am Dienstagabend zwei Mitteilungen mit Aha-Effekt. Zuerst verlas Bürgermeister Georg Gaul eine Mitteilung der Stadtwerke Marburg, die eine Absage an das Vorhaben „Windkraft am Hemmerich“ darstellt. Als Gründe für den Verzicht zitierte Gaul das „sehr schwer und nur aufwendig erschließbare Vorranggebiet“, die verminderte Einspeisevergütung und die relativ hohen Investitionskosten. Diese Faktoren lassen das Projekt „stark risikobehaftet“ erscheinen und führen zum Entschluss „das Vorhaben nicht wie in bisheriger Form“ weiterzuführen.

Optimismus bei den „Bürgerwind“-Geschäftsführern

Nach dieser ernüchternden Mitteilung folgte die Präsentation der Ergebnisse der Windmessungen mit Erläuterungen durch die beiden „Bürgerwind“-Geschäftsführer. Sowohl Joachim Wierlemann als auch Ulf Schmidl versprühten dabei Optimismus. Windmessungen auf dem Hemmerich hätten ergeben, dass mit Windstärken von mehr als 6,5 Metern pro Sekunde zu rechnen sei, sagte Wierlemann.

Allerdings reichen die viermonatigen Messungen im Herbst nur für ein Vorgutachten aus, für ein aussagekräftiges Gutachten müssten die Windstärken 12 Monate lang gemessen werden. Auch dazu benötige man Pachtverträge, sagte Schmidl und verwies auf das Unternehmen „Axma Wind GmbH“ aus Bad Marienberg in Rheinland-Pfalz, das schon Pachtverträge abgeschlossen habe, um beim rund 300 Meter hohen Teufelsberg bei Seelbach vier Windkraftanlagen zu errichten.

Auf Nachfragen der Gemeindevertreter gaben die beiden Geschäftsführer weitere Erläuterungen zum Projekt, das bis Ende 2016 umgesetzt sein soll. Man teile die Meinung der Stadtwerke Marburg nicht. Das avifaunistische Gutachten sehe „gut“ aus, nach dem Turbulenzgutachten erwarte man „eigentlich keine Probleme“ und die Parallel-Windmessung habe die Annahme bestätigt, dass auf dem 474 Meter hohen Hemmerich viel mehr Wind wehe, als der TÜV angebe.

Ein Windrad innerhalb der 1000-Meter-Zone?

Die Messung auf einer Windwurffläche sei von Sommer bis Herbst parallel zu der einjährigen am Landratskreuz erfolgt. Die Auswertung der Wechselbeziehung habe einen Wert ergeben, der eine große Übereinstimmung der Windgeschwindigkeiten erwarten lasse. Der Gutachter gehe in einer Stellungnahme davon aus, dass Windstärken von 6,5 bis 7 Meter pro Sekunde zu erwarten sind. Das seien fürs Binnenland „extrem gute Werte“.

Allerdings ergebe sich vom Mittelpunkt eines 1000-Meter-Radius am Ortsausgang Rodenshausens Richtung Erdhausen ein Problem mit einem Standort. „Da müssen wir überlegen, ob wir mit einer Anlage die 1000 Meter reißen, um den 6,5-Ertrag einzufahren“, sagte Schmidl. Drei der Anlagen könnten an Standorten entstehen, die näher am Lohraer Ortsteil liegen, zwei näher an Gladenbacher Gebiet. Aber: Da man auf Bürgerbeteiligung setze, wolle man nichts gegen den Bürgerwillen tun.

Nun liege es an den Bürgern, wie es mit dem Windparkprojekt auf dem Hemmerich weitergehen soll. Zwar müsste von Bürgerwind noch einiges in den Wegebau investiert werden, doch: „Wir meinen, das Projekt lohnt sich, wollen es, und wollen wissen, ob die Gemeinde und der Ort es mittragen“, beendete Schmidl die Informationsveranstaltung für die Gemeindevertreter.

von Gianfranco Fain

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